Aufruf zur solidarischen Prozessbegleitung am 18.12. in Jülich (Versuch 2)

Nachdem das Amtsgericht Jülich den Termin am 27.11. recht spontan abgesagt hat, startet es am 18.12. um 11:15 einen zweiten Versuch. Die Vorwürfe lauten weiterhin „Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte in besonders schwerem Fall“ (§113 Abs. 2 StGB), „Nötigung“ (§240 StGB) und bei einem der beiden Angeklagten zusätzlich „Sachbeschädigung“ (§303 StGB). Konkret geht es um eine Hambachbahnblockade (Aktionserklärung und Pressespiegel).

Von Düren aus gibt es eine gemeinsame Anreise, da der Zug von dort aus nur stündlich fährt und ein Gruppenticket billiger für alle ist. Treffpunkt für die gemeinsame Anreise ist um 09:30 auf Gleis 23 des Dürener Hauptbahnhofes. Wenn jemand eine gemeinsame Anreise von anderen Städten organisieren will, gerne in den Kommentaren.

Platzreservierungen im Gerichtssaal am besten direkt beim Amtsgericht Jülich:
Tel: +49 2461 681-0
Fax: +49 2461 681-164

Es sollen sechs Zeugis, fünf davon Bullen, vernommen werden. Fünf weitere sollen an einem Fortsetzungstermin folgen. Eine Angeklagte Aktivistin gab zu dem Prozess folgendes Statement ab:

„Das Amtsgericht Jülich hat nach unserem letzten Prozessaufruf offenbar zu viel Angst vor uns bekommen und hat den Termin erst mal verschoben. Zum neuen Termin rechnen wir mit mehreren Polizeihundertschaften, um für Ruhe und gewaltsame Durchsetzung der Autorität des Gerichtes zu sorgen. Das ändert jedoch absolut nichts an meinem Umgang mit der Repression. Ich werde mich davon nicht abhalten lassen, mich selbstbestimmt und offensiv zu verteidigen. Und ich hoffe sehr dass ein paar Leute Lust haben mitzumachen, auch von der Zuschauerbank aus. Ansonsten bleibe ich bei meinen Ankündigungen aus dem ersten Prozessaufruf.
Zeigen wir dem Repressionsapparat, dass wir uns nicht einschüchtern lassen, egal wie viele Bullen sie auffahren! Vielleicht können sie uns mit Gewalt kurzfristig Angst machen und uns sogar dazu zwingen uns zu benehmen (auch wenn wir ihnen das nicht unbedingt leicht machen müssen), aber sie werden uns niemals soweit bringen, dass wir sie respektieren.
Ach ja, zum Schluss noch ein Gedanke, durch den der ganze Repressionsapparat vielleicht ein bisschen weniger beängstigend wirkt: Repression kann heftig sein, aber das schmerzhafteste in unserem Leben sind immer noch Dinge, auf die sie keinen Einfluss haben. Am Ende tut Liebeskummer dann doch mehr weh als jede staatliche Repression.“

Wann und wo:
Dienstag, 18.12.2018, 11:15 Uhr
Amtsgericht Jülich, 1. Etage, Sitzungssaal 1.09
Adresse: Wilhelmstraße 15, 52428 Jülich Open Street Map

Ein Fortsetzungstermin ist für den 08.01.2019 angesetzt.

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11 Kommentare

  1. kritischer Mensch

    Mensch, benutzt „Liebeskummer“ als Maßstab, Vergleich, Trost? Zur Stärkung gegen staatliche Repression/en?
    Finde ich erstaunlich, nein im Hinblick auf meine jüngste Weiterentwicklung erschreckend Normangepasst! Das selbstgemachte „Ding Liebeskummer“ soll bedeutender sein, mehr wiegen, als „der Rest der Welt“, als körperliche und oder seelische Grausamkeit, die mir in einer hilflosen Situation angetan werden kann?
    Mein derzeitiger „Liebeskummer“ ist nicht durch eine sexuelle Paarbeziehung begründet (auch das habe ich schon durchlebt). Mein Liebeskummer beeinträchtigt mich wirklich schlimm. Aber meine eine Erfahrung des völligen ausgeliefert Seins hatte eine andere und viel tiefgreifender verletzende Wirkung auf mich.
    Doch erwarte ich nicht, das mein Erleben für jedes Mensch gelten muss, wohl wissend, es sind schon Lebewesen an Liebeskummer bzw. „Verlassen fühlen von“ gestorben.

  2. kritischer Mensch

    P.S-Liebeskummer: Wenn ich Liebe im „Ungleichgewicht“, z.B. nicht so „wie mein geliebtes Wesen“ loslassen kann, entsteht die Empfindung von Liebeskummer ….doch es bin ich, ich sperre mich ein. Im Grunde sind es meine Gefühle die mich verletzen.

    Dagegen steht Repression von Außen, durch Andere. Keine Wahl, Keine Selbstbestimmung. Ich kann nur versuchen mich nicht verletzen zu lassen.
    Es sind Andere die mich verletzen wollen.

    Jedes Menschi kann nun abwägen was leichter zu ertragen ist: Selbstverletzung oder Fremdverletzung.
    Sicherlich individuell und auch situationsbedingt ganz unterschiedlich …es ist wie es ist.

    • „Liebeskummer“ sollte tatsächlich nur ein Beispiel sein für das was du unter „Selbstverletzung“ (ob der Begriff passend ist müssen wir ja nicht diskutieren, ich denke ich weiß was du meinst) zusammen fasst. Und nach dem ich schon diverse Erfahrung mit Knast, physischer und psychischer Gewalt von Seiten der Repressionsorgane, etc. machen durfte bin ich der Meinung mir ganz gut ein Urteil bilden zu können was ich subjektiv als schmerzhafter empfinde. Ansonsten würde ich deinem zweiten Kommentar zustimmen.
      LG die Verfasserin des Statement.

  3. Warum so negativ? Also Liebeskummer kann wirklich schlimm sein. Und er ist viel existenzieller als das Unrecht, dass mir andere antun … völlig richtig. Denn bei dem Unrecht anderer kann ich immer sagen: „Die haben nicht Recht. Die haben das bloß noch nicht erkannt.“

    Aber bei Liebeskummer? Da kann mensch dem geliebten Wesen noch nicht einmal Vorwürfe machen! Und das tut dann doppelt weh…. Heul.

    Also: Völlig richtig, der Vergleich mit dem Liebeskummer.

    Aber mal eine andere Frage: Wieso denn nicht so: All der Schmerz, die Angst und die Ohnmacht, die durch Unrechtstaten anderer Menschen (Menschis möchte ich hier nicht sagen, obwohl es auch Menschis sind…) ausgelöst wird, wiegen doch gar nichts gegen die Freude, die Zuneigung und die ganzen tollen Empfindungen, die wir haben, wenn wir einander zugewandt sind. Als Menschen, nein, als echte Menschis.

    Und Menschis können einander nicht nur gegen das Unrecht dieser Welt, sondern auch bei Liebeskummer helfen: Zuhören, Trösten, Sagen: „Dann soll es nicht sein, das wirst Du noch erkennen. Es liegt nicht an Dir. Du bist ein wunderbarer Mensch(i).“

    Glück und Freude sind einfach viel stärker als alles andere!

    • kritischer Mensch

      @ Baumfreundin, für Meinungsbildung sammele ich Erfahrungen und Informationen. Denk mal darüber nach (wenn Du informiert bist), was
      z. B. Oury Jalloh und Amed A. über das Thema sagen würden, wenn sie könnten.

      • @kritischer Mensch: Merkst Du nicht, dass hambacherforst Liebeskummer hat??

        Was soll dann dieses theoretische Nachdenken??

        Da ist praktische Hilfe angesagt!

        Also: Liebeskummer ist viel wichtiger als das Unrecht, das uns andere Menschen antun, denn er betrifft uns echt und im Innersten. Das ist meine Meinung.

        Und da brauch ich nicht lesen, vorher, was irgendwelche „berühmten Denker“ gesagt oder geschrieben haben, nur damit ich mich traue, zu meiner eigenen Meinung und durchaus philosophisch-theoretischen Ansicht zu stehen!

        Also Du hast einfach eine andere Meinung als ich. Einverstanden.

        Ansonsten lese ich natürlich ganz viel und versuche, mich zu informieren, bevor ich handle. Logisch. Wenn ich dazu Lust habe. Ansonsten nicht. Dann handle ich aus dem Gefühl heraus.

        Auch das nach Intuition.

        Ich bin nämlich individuell, verrückt, ein Original, d.h. zum Glück nicht weisungsgebunden.

        Wenn ich weisungsgebunden wäre, würde ich die Weisungen nicht befolgen, denn womit auch immer mein „Grinch“ mich erpressen will (Kind wegnehmen, Hamster klauen…) das kann er dann doch sowieso tun!

        Wieso sollte „Wohlverhalten“ dazu führen, dass die Mächtigen dieser Welt uns nichts antun??

        Sie tun uns doch jeden Tag was an, einschließlich der stetigen Zerstörung unserer Lebensgrundlagen!

        Selbst wenn ich also kein Einhorn, kein Original wäre, sondern ein eingesetzter Mensch, der Weisungen befolgen muss: Dann hoffe ich, dass ich die Kraft hätte, meine Fesseln abzuwerfen, und zu sagen: „Ich fühle, dass es Mächte gibt, die mich bestrafen können, die meinen Liebsten etwas antun können, ohne dass ich es verhindern kann … aber tun sie das nicht bereits? Und deshalb mache ich jetzt das, was mein Bruder, meine Schwester, die Menschen sind, auch tun würden: Ich handle nach meiner persönlichen Überzeugung, in jedem Augenblick, bei jedem Atemzug…. mal sehen, wie weit die Mächtigen dann noch kommen!“

        Und am Ende stellt sich heraus, dass wir alle Einhörner sind, egal woher wir kommen, egal was uns angetan worden ist, alles Brüder und Schwestern und damit Menschen.

        • Und da ich schon lange hier so herumindividualisiere und mit Euch RWE ärgere:

          Ich bin noch da! Mein Kind auch und meine zwei (neuen) Hamster auch….

          Also hat der „Grinch“ Grenzen…. also ist es möglich, Mensch zu sein und wie ein Mensch zu handeln.

          Zum Mutmachen all denjenigen, die (noch) keine Umweltaktivisti, (noch) keine Individualisti sind, die aber heimlich ab und zu hier lesen ….

          Traut Euch!

          Fragt Euch: Was würden meine Brüder und Schwestern tun, und was würde ich tun, wenn ich frei wäre?

          IHR SEID FREI.

          Freiheit fängt innen an. Und dann ist sie im Außen nicht mehr aufzuhalten.

        • kritischer Mensch

          @ Baumfreundin, O.J. und A.A. haben gemeinsam, dass sie beide in Deutschland in Gefängniszellen verbrannt sind. Die Umstände die zu den schrecklichen Toden führten sind meines Wissens noch (immer) aufgeklärt. Es wurde „Selbsttötung“ in den Raum gestellt..

          Ich hoffe Du handelst tatsächlich mehr als theoretisieren, es steht die Verschärfung des Polizeigesetzes in NRW an, „die Mächtigen“, wie du es wohl, nennst wollen ihre Befugnisse erweitern. Wie wär`s …

          • Lieber kritischer Mensch, ich habe mich ein bisschen verrannt. Angesichts des schlimmen Schicksals von O.J. und A.A. muss ich sagen, dass man Liebeskummer wenigstens überleben kann… also sorry.

            Ansonsten: Ich kann schon handeln und mutig sein, aber das wird nicht viel bringen.

            Nur dann, wenn alle nach ihren eigenen Überzeugungen handeln und sich von ihren Ängsten befreien, wird es gut werden … dann kommt bestimmt auch kein „Polizeigesetz“ mehr, dass uns allen die Laune verhagelt.

            Was kann ich schon tun? Nicht viel. Aber was können alle tun? Superviel!

            Was? Was sie für richtig halten!

            Wenn nur endlich alle Menschen das tun würden, was sie im Innersten für das Richtige halten, so mein naiver Glaube, dann wird es endlich gut werden.

            Also Bäume pflanzen wäre schon mal gut, denn indem ich einen Baum – besser: viele Bäume – in die Welt setze, sage ich, dass ich an ein Morgen glaube.

            Wer glaubt noch ans Morgen? Es ist – in diesen Zeiten – bereits ein Akt des Widerstands, das offen kund zu tun, und doch ist es völlig friedlich und harmlos…. Bäume pflanzen und auf Demos gehen und bei jedem Atemzug das tun, was im Innersten als richtig erkannt wird – beim Bäcker, in der Straßenbahn, im Büro, auf dem Sofa zuhause, im Familienkreis …..

            Let’s be ourselves!

            (Mist. Schon wieder emotional über den Rand geschossen ….)

  4. Dazu kommt, dass Menschen unabhängig von ihren durchlebten Erfahrungen individuell auf neue Situationen reagieren und jedem Menschen zugestanden werden sollte, die für sie/ ihn erträgliche Verarbeitungsweise und zukünftiges Handeln nutzen zu können und zwar möglichst ohne vom Umfeld be- oder gar verurteilt zu werden.

  5. Statt Polizeigesetz sollte es besser Hambi-Gesetz heißen.

    Dazu ein Auszug aus Netzpolitik.org:

    – Was Gregor Golland von der CDU als „Meilenstein für die Sicherheitsarchitektur“ und „riesigen Schritt nach vorne“ bezeichnete, ist damit verabschiedet. Der Abgeordnete schob in seiner Rede noch eine Warnung hinterher, die er mit Bezug zum Streit um die Rodung des Hambacher Forsts machte: Man wolle nun „null Toleranz“ zeigen und konsequent gegen jede Form von Kriminalität vorgehen. Denn „weder Extremisten noch Aktivisten sollen uns mehr auf der Nase rumtanzen“, so Golland. Dass es den Konservativen um mehr geht als um Terrorabwehr, hätten sie nicht deutlicher zeigen können. –

    Nicht dass diese Aussage nun wirklich überrascht. Auch dass die CDU, FDP und sogar die SPD die AfD jetzt rechts überholt, war mit Blick auf die miesen Wahlergebnisse zu erwarten. Ich finde es aber eine hohe Auszeichnung für Euch, dass Ihr es jetzt sogar geschafft habt, für ein eigenes Gesetz zu sorgen. Hut ab!

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