Geschichte des Waldes

Karte des Bürgewaldes von 1902


Bevor RWE mit der Zestörung des Waldes begann, hieß dieser noch Bürgewald. Die Umbennung in Hambacher Forst diente auch dazu, die lange Geschichte des Waldes zu verschleiern und seine Bedeutung als einen der ältesten Wälder Deutschlands zu verstecken. Hier folgt ein grober Abriss der Geschichte des Bürgewaldes:

Vor 12.000 Jahren ging in Mitteleuropa die letzte Eiszeit zurück. Langsam ergrünte Mittel und Westeuropa und wurde in den folgenden Jahrhunderten von einem dichten Buchenwald bewachsen. Nur an wenigen Stellen entwickelten sich andere Ökosysteme: z.B. in Mooren, an den Küsten, in alpinen Bereichen etc. Und nur an wenigen Stellen gab es andere Waldformen als den Buchenwald. Einer dieser Orte war der Bürgewald, wo sich ein Eichen/Hainbuchenwald entwickelte. Viele Tausende Jahre folgten und der Wald wuchs und gedieh. Menschen gab es in der Region die längste Zeit nur wenige: Eigentlich ist es hier ja auch zu kalt und matschig…

Aus dem achten Jahrhundert stammen die ersten Überlieferungen, die den Bürgewald erwähnen. Zu dieser Zeit gehörte der Wald Karl dem Großen. An seinem Hof arbeitete Arnold von Arnoldsweiler als Sänger. Er kannte die ärmliche Lebenssituation der örtlichen Bevölkerung und als er Karl bei einer Jagd begleitete, bat er ihn während des Mittagsessen, ihm soviel Wald zu schenken, wie er während des Essens auf dem Pferd umreiten konnte. Karl willigte ein, und Arnold ritt los. Zuvor hatte er schon mit den Gemeinden abgesprochen, dass sie ihm frische Pferde bereithielten, und so konnte er im Staffelritt noch während des Mahls den gesamten Wald umrunden.

Karl nahm Arnold die List nicht übel, und schenkte ihm einen Ring zum Zeugnis, dass der Wald fortan ihm gehöre. Arnold verschenkte den Bürgewald weiter an die umliegenden Dörfer und nannte ihn einen „Wald Gottes“. Die Menschen aus den anliegenden Gemeinden durften in den Wald, um vom Boden Feuerhol, Pilze oder Nüsse aufzusammeln und konnten im Herbst ihre Schweine in den Wald treiben, damit diese sich an den Eicheln sattfraßen. Untersagt war allerdings Bäume zu fällen. Dafür wurde er in fünfzig angrenzenden Ortschaften wie ein Heiliger verehrt.

Der Wald war fortan Teil der Allmende, einem damals in ganz Europa üblichen System: Die Dörfer waren umgeben von Weideflächen, Wäldern und Seen. Diese gehörten keiner Person, sie waren nicht privat. Sie unterstanden der Kontrolle und Pflege der lokalen Gemeinde, welche sich regelmäßig traff, um miteinander zu bestimmen, wer wieviel Tiere auf die Weide treiben konnte, wie viele Fische aus den Seen geangelt werden durfte und wo Bäume zu Bauzwecken gefällt werden konnte. Für viele Jahrhunderte sorgten die Menschen so für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur. Erst im Übergang zum Kapitalismus wurden diese Flächen eingezäunt, privatisiert und die Bevölkerung so immer weiter zur Lohnarbeit gezwungen. Die Menschen riskierten lieber ihr Leben, als Lohnarbeiten zu müssen, das galt als das schlimmste Los, welches einen Menschen treffen konnte…

Die Jahrhunderte vergingen, und die Menschen lebten in guter Beziehung zum Wald. Ab dem 16. Jahrhundert sind Buschordnungen überliefert, in denen eine nachhaltige Bewirtschaftung des Waldes schriftlich festgehalten wurde. Die umliegenden Gemeinden versammelten sich zu festen Terminen und sprachen die Holzbenutzung ab, sogenannte Holzgedinge. Im 18. Jhd. wurden der Wald in Teile aufgeteilt und auf die anliegenden Gemeinden verteilt. Somit war jede Gemeinde für ihr Waldstück selbst verantwortlich. Dies sollte eine Entscheidung sein, die den Wald noch langfristig beinflussen würde. Als in den 1970’er Jahren eine Gebietsreform anstand, wußten die Gemeinden nicht genau, welche Teile des Waldes ihnen gehören würden, und mit genügend Schmiergeld schaffte RWE, damals Rheinbraun, sie zu einem Verkauf zu überreden. Im gleichen Jahr, 1978, wurden mit den ersten Rodungsarbeiten angefangen, und nun, vierzig Jahre später, verbleiben nur noch ungefähr ein Zehntel der ursprünglichen Fläche.

Und was bringt die Zukunft? Das ist ungewiss, aber klar ist, dass der Widestand wächst und auch, dass der Kapitalismus ein Ende haben wird, früher als mancheines denken würde…

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