Mensch von Baum gestürzt und gestorben – Aktivistis fordern sofortigen Einsatzstopp im Hambacher Forst

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Ein Freund, der uns seit längerer Zeit im Wald journalistisch begleitet hat, ist heute von einer über 20 m hohen Hängebrücke in Beechtown gefallen und gestorben. Zu dem Zeitpunkt wurde von Polizei und RWE versucht das Baumhausdorf zu räumen. Das SEK war gerade dabei einen Aktivisten in der Nähe der Hängebrücke festzunehmen. Der Mensch war anscheinend auf dem Weg dorthin, als er stürzte.

Wir sind zutiefst erschüttert. Alle unsere Gedanken und Wünsche sind bei ihm. Unser Mitgefühl geht an all die Angehörigen, Freund*innen und Menschen, die sich betroffen fühlen.

Wir fordern die Polizei und RWE auf, den Wald sofort zu verlassen und diesen gefährlichen Einsatz zu stoppen. Es dürfen keine weiteren Menschenleben gefährdet werden.

Was jetzt nötig ist, ist ein Moment der Ruhe.

Auch wenn euch das momentan schwer fällt, genauso wie es uns schwerfällt so sachliche Hinweise zu geben: Wir empfehlen euch zum Schutz aller Aktivist*innen keine Aussagen, auch keine Zeugenaussagen bei der Polizei zu machen. Der Unfall muss und wird aufgearbeitet werden, aber die Polizei ist nicht der richtige Ort dafür. Ihr Interesse ist es, Aktivistis Schuld zuzuschieben.

Gefährlicher Ort? Von Wegen!

Seit einiger Zeit gilt der Hambacher Forst und ein beträchtlicher Teil drumherum als ‚Gefährlicher Ort‘ in welchem es der Polizei ermöglicht wird, Personalien festzustellen, Durchsuchung von Mensch und Fahrzeugen vorzunehmen und Dinge zu beschlagnahmen.

Gegen diesen ‚Gefährlichen Ort‘ als solchen ist juristisch erstmal wenig zu machen ABER gegen jede einzelne Polizeimaßnahme kann sehr wohl vorgegangen werden.

Warum sollte es gefährlich sein, wenn ich in Buir an der Tankstelle eine Packung Kaugummi kaufe?

Warum sollte ich nicht auf der Landstraße L257 zur Arbeit fahren können ohne jedesmal meinen Kofferraum öffnen zu müssen?

Warum sollte ich meine Personalien angeben wenn ich zu einer angemeldeten Mahnwache möchte?

Und warum werde ich jedem Abend bei meiner Hunde-Gassirunde nach meinem Ausweis gefragt und soll mich auch noch nach dem letzten Leckerli in meiner Tasche durchsuchen; im schlimmsten Fall abtasten lassen?

Wir sagen: Schluss mit dem ‚Gefährlichen Ort‘! Wir wissen, dass dieser völlig überzogen ist und hunderte Menschen in ihrer Freiheit einschränkt – übrigens ein realistischer Ausblick auf das, was uns allen blüht, wenn Innenminister Reul das neue Polizeigesetz durchbringt. Was wir noch nicht wissen ist, was das Gericht dazu sagt … folgen Richter*innen dieser nur auf Einschüchterung und Abschreckung ausgelegten zugrundeliegenden Gefahrenprognose der Polizei? Und wenn nicht: wie können die realen Auswirkungen maximal beschränkt werden?

Für alle Menschen die sich gegen polizeiliche Maßnahmen innerhalb des ‚Gefährlichen Ortes‘ zwischen Morschenich, Wald, Manheim und Ortsgrenzen Buir vor Gericht wehren wollen, haben wir hier eine kleine Anleitung:

  • meldet euch bitte beim EA (legalsupporthambi@nullriseup.net) oder bei RA Mertens (kanzlei@nullra-mertens.com)
  • erhaltet von uns Tipps und Kniffe für euer Schreiben ans Verwaltungsgericht
  • nehmt eure Empörung gern mit in eure Klage auf
  • überlegt euch vorher gut ob das ein Schritt für euch ist… Klagen müssen begründet werden; für Menschen die gern nichts über sich sagen wollen, vielleicht nicht das passende Mittel
  • schreibt uns auch wenn ihr Lust drauf habt zu eurer Klage mehr zu sagen und das eventuell auch öffentlich gegenüber Medienvertreter*innen.

Klagen kosten Geld (wenn ihr welches habt; mehr Tipps unter: http://vonunskriegtihrnix.blogsport.eu/) und sind auch Aufwand – wenn ihr euch zwar nicht vorstellen könnt selbst zu klagen, dann habt ihr vielleicht noch eine Münze übrig und könnt so Klage-Pat*innen werden. Meldet euch auch dann bitte beim EA.

Still not loving ‚gefährliche Orte‘

Euer Hambi EA plus Supporter*innen

Ticker ab 18. September

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Schaut auch auf die Twitter Accounts: @HambiBleibt @HambiEA #HambacherForst #HambiBleibt

Livestreams: @anettselle

 

19.September

00:12 Anwalt Mertens wird nicht nach Beechtown durchgelassen

23:30 10 Menschen sind noch in der GeSa Aachen

21:53 Nach Informationen des EA werden – entgegen der Ankündigung der Polizei – NICHT alle rausgelassen.

20:20 Die Polizei kontrolliert weiterhin Personen auf dem Weg zur Wiese. Es wurden Schlafsäcke und Isomatten beschlagnahmt.

17:47 Die Person ist ums Leben gekommen

16:45 Polizei sagt die Person ist am Leben und wurde per Rettungshubschrauber abtransportiert

16:10 Situation unklar. An der Unfallstelle erst Tumult, jetzt großes Schweigen und Trauer

15:46 In Beechtown ist ein Mensch von einer Traverse gefallen.

14.20 Zwei weitere Festnahmen, jeweils Cosytown und Beechtown. Immer wieder Sprechrufe HambiBleibt! von verbliebenen AktivistInnen auf den Bäumen.

14:15 Malacadonia ist geräumt.

13:36 Das Baumhaus Bambule ist geräumt, die letzte Person wird gewaltsam aus der Krone entfernt

13:10 Schreie aus Cozytown, bei einer der angeketteten Personen wird gerade Gewalt angewendet

13:02 In Cosytown wurden alle Räumungsarbeiten eingestellt.

12:59 In Malacadonia wird das Lock-On jetzt bearbeitet

12:55 ACHTUNG, POLIZEI! Unter Baumhaus Lump im Dorf Cosy Town ist ein Tunnelstollen. Befahren des Bereichs mit schweren Maschinen gefährdet Menschenleben!

12.20 Festnahme in Cosytown. Sanitäter wurden hinzugezogen. Es scheint dem Aktivisten jedoch gut zu gehen.

12:05 Bambule wird geräumt, das Haus ist voller Menschen, eins davon ungesichert in der Krone

12.03 Am Rande von Beech-Town begleiten Menschen die Räumung mit klassischer Musik.

11.35 In Beech-Town hat der Abbau eines Baumhauses durch die Polizei begonnen. Die Aktivist*innen hängen an Traversen außerhalb der Häuser.

11:35 Sitzblockade bei Cosytown gerade geräumt. Schneise zu Lump fast fertig.

11:30 SEK jetzt auf Baumhaus Malacadonia

11:06 In Cosytown wird auch geräumt. Hebebühne rangiert

10:58 Kran fährt wieder runter

10:55 Kran geht hoch in Beechtown, darauf befindet sich Polizei mit Schilden

10:40 Live aus Beechtown

10:33 Im westen des Waldes wird das Tagebauvorfeld von Baumstümpfen befreit.

10:24 Kran und Hebebühnen in Beechtown. Räumung wird vorbereitet.

10:19 Hambi Twitter: cutting to defenders with 6 people holding out surrounded by a ground sitting blockade of 80+ activists. Need legal, press observers & support as the otherroad is to have faster way to remove the blockades with everyday now

10:11 SEK, Kletterpolizei und RWE Arbeiter begutachten Beechtown. Scheint bald loszugehen mit den Arbeiten hier.

10:10 Ein Finger (Ein Teil) der Aktion Unterholz ist an der Mahnwache angekommen.

xx:xx Unterstützt die Gefangenen! 4 Personen in Haft – info auf abcrhineland.blackblogs.org

9:57 Gerade wurde ein Mensch an der Mahnwache brutal von der Polizei zusammengeschlagen. Video

9:50 Am Kleingartenverein und in Lorien ist viel Polizei aber keine Presse

8:37 Die Wiese wird richtung Wald von Polizei abgeriegelt

8:30 50 Menschen der Aktion Unterholz wurden auf den Feldern südlich von Lorien gekesselt. 20 weitere machen vor Lump in Cosytown eine Sitzblockade. Räumungskräfte sind vor Ort, Räumungsverfügung wurde verlesen.

8:00 Jetzt ca 3-4 Hundertschaften am Flugplatz.

7:58 2 WaWes, 1 Räumpanzer und eine Hundertschaft die Secustraße runter. Eine Hundertschaft richtung Wiese.

7:45 Stimmung bei der Sitzblockade ist gut, es wird gesungen

7:30 Sitzblockade hat begonnen

 

18. September

 

21:00 Korrektur: Auf Whydah sind noch Menschen im Lock-on!

20:50 Whydah und Nonames sind komplett geräumt – letzte Personen wurden im Gefangenentransporter abtransportiert.

20:44 Keine Arbeiten mehr in Cozytown oder Beechtown. Trotzdem wird der Flutscheinwerfer auf Beechtown gerichtet. Polizei steht dumm daneben

20:40 Am Punkpod gibt es jetzt ein spontanes Pianokonzert Weiter lesen!

PRESSEMITTEILUNG 17.09.18

RÄUMUNG IN OSTEN UND WESTEN, SOLIKONZERT VORM WALD

Mit müden Augen schreiben wir diese heutige Pressemitteilung. Das Baumhausdorf Gallien wird seit heute Morgen geräumt. Mit vier Hebebühnen versuchte die Polizei die Menschen aus den Traversen und Baumhäusern einzusammeln, aber durch Lockons, gute und motivierte Laune der Aktivsti und Unterstützer*innen sind immer noch vier von neun Baumhäusern besetzt und unzerstört. Die Räumung von Gallien läuft nun seit ganzen zwei Tagen und die Polizei hat noch viel zu tun, um die Aktivisti komplett zu räumen.

Die Aktivisti bleiben widerständig! Das war auch in Oaktown heute wieder einmal sichtbar: ein “climate-justice warrior” hält Oaktown am Leben. In seiner Hängematte liegend und nur mit einer Tasche voller Bücher hat er sich von den Polizeikräften nicht einschüchtern lassen. Stattdessen hat die Polizei es erst einmal aufgegeben, ihn aus dem Baum zu holen.

Im Westen der Besetzung wurden zum zweiten Mal die Räumungsbefehle vorgelesen und die Räumung weitergeführt. Durch mehrere Sitzblockaden und neu errichtete Barrikaden haben Aktivisti, auch von Aktion Unterholz, die Räumung erschwert und verzögert. RWE hat angefangen eine breite Schneise an Bäumen rund um Beechtown im Westen zu roden. Als Menschen laut “hört auf!” riefen, gab es tatsächlich den Moment, wo die Maschinen stoppten. Vielleicht hat das RWE Mitarbeiter*innen zum Nachdenken über ihr Handeln im 12.000 Jahre alten Hambacher Forst gebracht. In Cozytown hält sich die Laune der Aktivisti in den Bäumen trotz der gewaltsamen Zerstörung im Wald. Singend gebieten sie RWE und Polizei Einhalt und müssen doch die Zerstörung ihres Zuhauses und die Entführung ihrer Genossis mitansehen. Hier wird sich die Räumung wohl in die Nacht hineinziehen, da Polizei Scheinwerfer aufgestellt hat. Vier Baumhäuser sind hier noch besetzt.

Auch eine Cellospielerin hat heute ihre Solidarität mit den Besetzer*innen des Hambacher Forstes laut und deutlich gezeigt. Mit einer Sinfonie von Bach war sie in Cozytown ein Beispiel für die Diversität der Bewegung. Nur durch die Unterstützung von allen Seiten konnte die Räumung der Besetzung im Westen hinausgezögert werden.

Doch auch unsere punkigeren Unterstützer*innen sind heute zahlreich zum Wald gekommen. Mit einem Solikonzert haben die Punkbands Zen Mob und Mülheim Asozial, sowie Liedermacher Konny ihren Senf zu Umweltzerstörung und Klimagerechtigkeit gegeben. “Bier gegen Bagger, Bier gegen Deutschland, Bier gegen Bagger und Deutschland!” klang es durch die sonst ruhige Abendstimmung auf der Wiese.

Wir wollen noch eine Sache klar machen: Auch wenn die Situation in den Medien hier heute ruhiger als die Tage zuvor wirken mag, die irrsinnigen Räumungen gehen gewaltsam weiter! Pressevertreter*innen werden weiterhin aktiv von Polizeikräften von den Tatorten der Zerstörungswut von RWE ferngehalten. Es kommen die ganze Zeit neue Menschen an, die den Ökoterrorismus von RWE und Innenminister NRWs Herbert Reul (CDU) nicht länger zusehen wollen. Ihre Unterstützung und Präsenz gibt den Aktivisti in den Bäumen neue Kraft, Motivation und Mut für den gemeinsamen Kampf für Klimagerechtigkeit hier und heute.

Dank der starken Stimmung bei dem Solikonzert heute Abend sind wir bereit für die nächsten Tage, sind wir bereit uns RWE und der Polizei weiterhin entgegenstellen, um weiterhin an die Menschen da draußen das Zeichen zu setzen: Hambi bleibt, für heute und für immer!

Presseerklärung 13.09.2018

Massenräumung der Hambacher Forst Besetzung, große Solidaritätsproteste

Heute hat der Kampf um den Hambacher Forst einen sich seit langer Zeit ankündigenden Höhepunkt erreicht.

Früh am Morgen hat die Polizei ihre Einsatzkräfte aus ganz Deutschland mobilisiert. und fingen an, mit Räumungspanzern, Wasserwerfern, Kletterpolizist*innen und technischen Einheiten die bisher größte Eskalation vorzubereiten: das Fortfahren der Räumung des Besetzungscamp für Klimagerechtigkeit.

Es war von Anfang an klar (auch weil uns bis dahin Informationen darüber erreicht hatten), dass der Tag den größten Polizeieinsatz in der Geschichte NRWs mit sich bringen würde.

Die Polizei kam von der Secustraße über den Osteingang, bei der Deathtrap/Lollipop Besetzung und musste erst eine Sitzblockade katholischer und evangelischer Pilgerer räumen, bevor sie mit der Räumung der ersten Barrikade beginnen konnten, was einige Stunden dauerte. Nachdem sie die BesetzerInnen der ersten Barrikade (Ein Tripod und ein Monopod) festgenommen hatten und einen protestierenden Menschen gewaltsam angegriffen hatten, konnten sie mit der Räumung der zwei Bäumhäuser am Eingang (Deathtrap und Lollipop) weitermachen. Kurz nach Mittag drang die Polizei in den nördlichsten Teil der Besetzung (genannt “der Norden”) ein. Dort begannen sie Menschen aus Hängematten sowie Baumhäuser zu räumen. Die Räumung wurde den ganzen Tag über fortgesetzt und die Polizei war in allen Teilen des Waldes sehr stark präsent.

Als Protest gegen die Räumung der Waldbesetzung, die gewaltvolle Eskalation der Polizei und die Rodung des Waldes trotz des offiziell verkündeten Rodungsstopps bis zum 14. Oktober, lief eine Demonstration von 1600 Menschen aus dem nahen Dorf Buir Richtung wald. Ein weites Spektrum von Menschen aus der ganzen Region, Kinder genauso wie Senioren zeigten ein starkes Zeichen der Solidarität mit den AktivistInnen des Hambacher Forstes. Als die Demonstration die Mahnwache erreichte, verbot die Polizei der Demonstration weiter zu gehen. Entgegen der Anweisungen der Polizei fuhr die Versammlung fort, sich in Richtung des Wiesencamps zu bewegen und eine Gruppe von ca. Hundert Leuten schaffte es so, durch die Polizeiketten zu brechen und mit Unterstützung der “Aktion Unterholz” in den Wald zu gelangen, um dort die Ausrüstung von Polizei und RWE zu blockieren.

Auch wenn heute die ersten Baumhäuser geräumt und AktivistInnen verhaftet wurden, auch wenn jetzt gerade Teile des einzigartigen Ökosystems dieses Waldes zerstört werden, war die Botschaft dieses Tages so klar und hell wie ein Lagerfeuer in der Nacht: Die Bewegung ist stark, wird immer weiter gegen die Ungerechtigkeit des Staates und den Energieriesen RWE kämpfen und wird sich auf jeden Fall weiter für Klimagerechtigkeit im rheinischen Braunkohlerevier und in ganz Deutschland einsetzen!

Soliaktionen und Demonstrationen

Gedenkveranstaltungen für den im Hambacher Forst verstorbenen Menschen siehe hier.

14.September

14:30 Essen, Willy-Brandt-Platz, Mahnwache

14:00 – 16:00, Dresden, Prager Straße: Solidemo HambiBleibt

17:00 – 19:30 Demo von Buir Bahnhof zum Wald

17:00 Hambi Solifest und Konzert in Düren an der Christuskirche hinter dem Stadtcenter

18:00 Kassel, Königsplatz: HambiBleibt Asamblea am Obelisken, Infos, Empörung, Wut und Mut kanalisieren

18:00 Stuttgart, Schlossplatz: Solidemo Hambacher Forst und Kohlausstieg

18:00 Hambi Bleibt! Demo in Frankfurt, Kaisersack, ab 19:00 Mahnwache mit Aktionen am Willy-Brandt-Platz.

18:00 Cottbus, Altmarkt am Brunnen: Mahnwache

15. September

13:00 Köln/Buir Aktion Unterholz (Treffpunkt zur Anreise 13 Uhr Hbf Köln)

14:00 Osnabrück, Theodor-Heuss-Platz: Endcoal Demonstration in Solidarität mit dem Hambacher Forst

15:00 Pödelwitz bei Leipzig, Kirche: Pödelwitz und HambiBleibt Soliaktion

20:00 Backnang bei Stuttgart, Mühlstraße 3, Juze: Solikonzert

16. September

11:30 Hambacher Forst: Wald statt Kohle, Waldspaziergang

12:00 Hambacher Forst: Aktion AufBäumen gegen Kohle

15:00 Freiburg, Platz der alten Synagoge: Demo für den Erhalt des Hambacher Forstes

14:00 Paris Place de la Concorde: Soutein pour le foret d’Hambach Demo

19. September

18:00 Kiel, Asmus-Bremer-Platz

18:00 Uhr Tübingen, Marktplatz, Demo übers Lustnauer Tor zum Epplehaus

20. September

8:00 – 17:00 Wien, Gauermanngasse 2-4, vor der Deutschen Botschaft, Demo

 

Gedenkveranstaltungen für den im Hambacher Forst verstorbenen Menschen siehe hier.

Falls eure Veranstaltung hier aufgeführt werden soll, bitte eine Mail an hambacherforst@riseup schreiben.

PRESSE MITTEILUNG ZUM 11.09.18

Über mögliche “Sicherheitsstreifen” und einen angeblichen Molotov Angriff

Die Regierung von NRW, nutzt wie es scheint, jeglichen Vorwand, um ihre Zerstörung des 12.000 Jahre alten Hambacher Forstes zu legitimieren.

Uns erreichten Informationen, dass die Polizei, trotz des Rodungsstopps bis zum 14ten Oktober, es in Betracht zieht so genannte „Sicherheitsstreifen“, entlang der L276 auch bekannt als Secu Straße zu roden. Das würde bedeuten, dass die Polizei mehrere Meter breit, das gesamte Unterholz des Waldrandes rodet.

Der Hintergrund ihrer Entscheidung mehrere hunderte Quadratmeter zu roden, ist ein angeblicher Angriff auf Rodungsmaschinen von RWE, mit Steinen und einem „Molotov Cocktail“, am frühen Morgen des 10ten Septembers.

Die Beweislage in Bezug zu diesem angeblichen Angriff ist jedoch fragwürdig.

Ein*e Journalist*in, welche sich an dem sogenannten Tatort befand, erläuterte kurz darauf:

„Auf dem Boden war eine Art Flüssigkeit, aber es waren nirgends Scherben, Flaschen, oder irgendwelche anderen Behälter zu sehen. Normalerweise entfernt die Polizei keine Beweise, wenn sie den Tatort fotografieren, aber es war nichts zu finden.“

Die übertriebene Berichterstattung über diesen vermeintlichen Angriff, welcher nur oberflächliche Schäden an RWE Equipment und keine Personenschäden nach sich zog, ist nicht mehr als eine Ablenkung von den wahren Tätern, nämlich den Energie Riesen RWE, den Staat NRW und seine Prügeltruppe, angeführt von Innenminister Herbert Reul (CDU).

In den vergangenen gewaltvollen Ausschreitungen in und um die Hambacher Forst Besetzung, ist klar, welche Seite Schuld trägt. Bis jetzt hat die Präsenz der Polizei zu mehreren Angriffen auf Aktivist*innen, Unterstützer*innen, und Presse Vertreter*innen (darunter auch der Fahrer einer mobilen Küche welchem mit vorgehaltener Waffe gedroht wurde und einer/einem friedlichen Aktivist*in, welche*r aufgrund eines gebrochenem Arm in ein Krankenhaus verbracht werden musste) geführt.

Verantwortlich, für diese Gewalt, ist der Innenminister von NRW Herbert Reul (CDU), welcher die Waffen des Staates nutzt um die Interessen des Energieriesen RWE sowie der Kohle Lobby zu schützen und dabei die Zivilrechte, des freien Protestes, der Versammlungsfreiheit und der Bewegungsfreiheit angreift.

Alle Angriffe gegen RWE und ihre vom Staat gesponserten Beschützer*innen, entstehen somit im Kontext der Selbstverteidigung, gegen RWEs Zerstörung der Natur, von Lebensräumen, dem Weltklima, sowie dem Brutalen Vorgehen der Polizei gegen den Zivilen Protest beziehungsweise der gesamten Klimagerechtigkeitsbewegung.

Obgleich nicht alle Beteiligten im Kampf um den Erhalt des Waldes und dem unverzüglichen Austritt aus der Kohle, den militanten Taktiken einiger autonomer Aktivist*innen zustimmen, so ist es doch offensichtlich, dass eine große Vielfalt von Widerstandstaktiken von unschätzbarem Wert ist, und nicht nur legitim sondern auch notwendig für den Erhalt des Hambacher Forstes.

Pressemitteilung – 06.09.18

Räumung geht weiter, Tag X wurde ausgerufen

Heute setzte die Polizei von NRW die zerstörerischen Vorbereitung des Waldes (Räumung von Bodenstrukturen und Barrikaden) für die kommende Räumung fort. Die Polizei stürmte den Wald um 8 Uhr morgens um Traversen und Brücken zu kappen und Baumhäuser zu isolieren.

Im darauf folgenden Versuch, den Stelzenbau „Simona“ zu räumen, wurde von RWE Arbeiter_innen mitten in „Oaktown“ ein Haselbaum gefaellt.

Als Reaktion auf die Fällung des ersten Baumes riefen die am Aktionsbündnis teilnehmenden Organisationen den „Tag X“ aus.

Kurz nach der Ankündigung von „Tag X“, welche landes- und weltweit verbreitet wurde, verließ die Polizei den Wald. Sie hatten zwar sämtliche Bodenstrukturen zerstört, doch die Aktivist_innen hatten nun wieder die Möglichkeit, sich frei zu bewegen und Strukturen neu aufzubauen.

Die Ankündigung von „Tag X“ markierte den Beginn einer neuen Phase im Kampf um den 12.000 Jahre alten Hambacher Forst. Morgen werden hunderte Aktivist_innen dem Kampf beitreten, nicht zuletzt auch durch die Unterstützung von „Aktion Unterholz“, welche versprachen ein Wochenende des Widerstandes einzuleiten, um den Hambacher Forst in Form von Massenaktionen des Zivilen Ungehorsams zu unterstützen. Sie werden Polizeiketten durchbrechen und RWE und Polizei Equipment blockieren.

Trotz der hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Polizei am morgigen Tag wieder präsent ist, besteht die Chance, dass sie sich zurück halten. In diesem Fall wird Aktion Unterholz den Kampf in anderen Formen unterstützen (Wiederaufbau von Barrikaden und Bodenstrukturen).

Um 15:00 gaben die verschiedenen am Aktionsbündnis teilnehmenden Organisationen im Kampf um den Erhalt des Hambacher Forstes eine Pressekonferenz, um die aktuelle Lage den regionalen, nationalen sowie auch internationalen Medien mitzuteilen.

Sie kritisieren das gewaltsame Vorgehen der Polizei, sowie den Schutz der Interessen des Kohle- und Kapitalgiganten RWE. Sie verurteilen den Innenminister von NRW, Herbert Reul (CDU) dafür zu solchen Aktionen aufgerufen zu haben.

Des Weiteren stellte Ende Gelände ihren neuen Aktionsplan für Ende Oktober vor, welcher dieses Jahr Lock-Ons beinhaltet, was auch eine Reaktion ihrerseits auf die stetig extremer werdende Situation im Kampf um den Hambacher Forst zeigt.

Während die 6 Aktivist_innen, welche am 05.09 festgenommen wurden, wieder in Freiheit sind, startete im Amtsgericht Düren der erste Prozesstag zum Fall „Kim Neuland“. In besagtem Fall geht es um die Festnahme und 17tägige Haft der/des Aktivisti Maya (öffentlich bekannt als „Kim Neuland“) am 17ten Dezember 2016, im Zusammenhang mit dem Kampf um den Hambacher Forst.

Der Prozess wird am 14ten September fortgesetzt.

Die Repression gegen Klimaaktivist_innen, welche für den Erhalt des Waldes und gegen die kapitalistische Förderung der dreckigen Braunkohle kämpfen, besteht weiterhin, doch bis die Rodung des Waldes permanent gestoppt und die kapitalistische Ausbeutung des Planeten gestoppt ist, wird der Widerstand ebenfalls bestehen!

Tag X ist da! Wie werde ich aktiv?

Tag X ist da! Wie werde ich aktiv?

Tag X ist gekommen! Die Bodenstrukturen der Waldbesetzung wurden bereits geräumt, die ersten Baumhäuser werden geräumt und der ERSTE BAUM IST GEFALLEN. Räumung bedeutet immer auch gleich Rodung, das heißt, spätestens jetzt müssen wir aktiv werden und versuchen, die Räumung und Rodung auf verschiedensten Wegen zu verhindern und zu stören. (Für mehr Infos und Anregungen siehe TAG X  )

Kommt in den Wald, ob alleine oder mit eurer Bezugsgruppe, macht Soliaktionen (Kletteraktionen, Banner malen, Plakatieren, Sabotage, Demos, Vorträge…egal was, alles geht!) und verbreitet die Kunde von der Zerstörung des Hambacher Forstes – eines 12.000 Jahre alten Waldes und Ort des Widerstands gegen Braunkohle und das kapitalistische System, der dem deutschen Rechtsstaat ein Dorn im geldgierigen Auge ist.

Bei Repressionen, Festnahmen, Kontrollen und Ähnlichem ist der Ermittlungsausschuss (EA) für euch 24/7 erreichbar unter
0177 1897053 !
Weitere wichtige Telefonnummern unter: Wichtige Informationen

Wie komme ich in den Wald?

Das große derzeitige Polizeiaufgebot macht es Menschen zurzeit nicht leicht, in den Wald zu kommen. Über Umwege und im Schutz der Nacht ist dies jedoch trotzdem möglich. Kommt vorbei, um einen Überblick über die aktuelle Lage zu bekommen. Wir haben zwei Mahnwachen zwischen Buir Bahnhof und Hambacher Forst, d.h. ihr könnt auf jeden Fall für einen Spaziergang (oder auch mehr) vorbeikommen! Auch hier: Wichtige Informationen

Macht mit bei ‚Aktion Unterholz‘

Außerdem gibt es die Akteurin ‚Aktion Unterholz‘, die plant, ab Tag X+1 (das heißt der erste Tag nach dem Tag X ausgerufen wurde) mit einer großen Masse an Menschen täglich in den Wald zu gehen und zu versuchen, die Rodungs- und Räumungsmaschinen zu blockieren. Hier kann mensch mitmachen und auch spontan noch in den Widerstand treten. Es werden auch weitere, übergreifende Aktionen stattfinden. Mehr Infos dazu hier und unter: Aktion Unterholz

Soliaktionen hier und überall

Alles ist gern gesehen! Wir setzen auf eure Unterstützung! Werdet kreativ, kritisch und zeigt, was ihr, von der brutalen Räumung im Forst haltet!
Schreibt uns, wenn ihr Soliaktionen plant, oder schickt uns eure Solifotos, damit wird Veranstaltungen und Fotos auf dem Blog veröffentlichen können. Benutzt auch gerne die Hashtags #hambibleibt #hambacherforst, wenn ihr Fotos oder Tweets auf Twitter verbreitet. Und kommt immer vorbei, wenn ihr könnt! Zusammen sind wir stark und können RWE und der Politik von Herbert Reul (CDU) Einhalt gebieten!

Boykottiert RWE!

Um ein Zeichen gegen RWE’s Zerstörungswahn zu setzen, fordern wir alle Menschen auf, ihren Stromanbieter zu wechseln. Kündigt der RWE Power AG! Zeigt ihnen, dass es euch nicht egal ist, wo euer Strom herkommt und ihr Braunkohleabbau im Jahr 2018 nicht mehr unterstützen wollt! Redet mit euren Freund*innen, Verwandten, Nachbar*innen und überzeugt sie von der Idee! Spread the word!
Es gibt zahlreiche grüne Stroanbieter*innen! Große Auswahl, die Großes bewirken kann! Worauf wartet ihr noch?!

Was brauche ich?

Hier eine aktuelle Packliste:

  • Medikamente, die du benötigst
  • Schlafsack
  • Zelt
  • Isomatte
  • Camouflagebekleidung (Hose, Jacke, Kopfbedeckung)
  • Feste Schuhe
  • Stirn- oder Taschenlampe
  • Klettergurt, falls du einen hast, ansonsten gibt es vor Ort auch noch ein paar
  • Feuerzeug
  • Zahnbürste
  • Messer Arbeitshandschuhe
  • Falls vorhanden: Kamera, um Geschehnisse wie z.B. Polizeigewalt zu dokumentieren
  • Wasser, veganes Essen (gibt es normalerweise auch im Wald aber bei der aktuellen Lage ist das nicht immer sicher vorhanden)
  • ein schönes Buch
  • sicheres Aktionshandy
  • Musikinstrument, schöne Sachen, die du nicht missen möchtest und musst

Was gerade im Wald passiert, ist nicht widerstandslos hinzunehmen. Ist die Besetzung nicht mehr da, so stehen RWE die Tore offen, diesen einzigartigen Wald und die darin lebenden Wesen im Namen der Profitgier zu zerstören und auszulöschen, umzugraben und der Braunkohle zu opfern.

Dieser Wald ist mittlerweile zum Kristallisationspunkt einer ganzen Bewegung geworden und durch die Besetzung und alle mit ihr verbundenen Akteur*innen wurde eine öffentliche Debatte auf verschiedensten politischen sowie gesellschaftlichen Ebenen angestoßen. Lasst uns zusammen kämpfen, unsere Empörung zeigen, uns solidarisieren, Banden bilden, und den kapitalistisch Herrschenden nicht kampflos unsere wilde, waldige und wunderbare Welt überlassen!

einseitige Eskalation?!

„Wenn das so weitergeht mit der einseitigen Eskalation, wird das bitter enden.“

Wir sind überrascht, dass Robert H., der Kontaktpolizist, die aktuelle Taktik der Polizei so realistisch einschätzt. Denn mit „einseitige Eskalation“ kann er nur diese gemeint haben. Dieses Zitat stammt vom Abend des 25. August, ist also eine Woche alt. Ebenso alt ist der erste Teil dieses Textes. Durch die Ereignisse der letzten Woche verstärkt sich die Aussage jedoch vielfach.

Am Mittwoch, dem 22.8. wurde ein Kleinbus kontrolliert, wobei die Polizist*innen sich dem Auto nur mit gezogener Schusswaffe näherten und von Anfang an aus wenigen Metern Entfernung mit dieser auf die Köpfe der beteiligten Personen, sowie auf Insassen eines weiteren angehaltenen Autos zielten.

Zwei Tage später kam es zu einem größeren Polizeieinsatz im Wald. Schon einen Tag später kam die Polizei wieder, unter dem Vorwand, innerhalb weniger Stunden nach deren Entdeckung eine Kunstinstallation aus Feuerlöschern räumen zu wollen. Dazu sei gesagt, dass sie eine sehr ähnliche Installation aus nur einem Feuerlöscher im Frühjahr über viele Wochen zur Kenntnis nahmen, aber ignorierten.

Der Einsatz wurde von Robert H. angekündigt mit den Worten, es würden „ein paar Polizisten“ in den Wald kommen. Unter „ein paar Polizisten“ versteht er offensichtlich mehrere Hundertschaften, denn unter 3-4 Hundertschaften scheint ein Einsatz nicht möglich zu sein. Eineinhalb Stunden nachdem diese sich am frühen Abend zurückzogen, rücken sie wieder an und umstellen Baumhäuser, während gleichzeitig die Wiese abgefilmt wird.

Währenddessen fährt bei Lollytrap ein Lautsprecherwagen vor, um einmal den Walkürenritt und Kettensägengeräusche abzuspielen und wieder zu fahren.
Anmerkung: bekanntlich war Hitler ein großer Wagnerfan. Der Walkürenritt war eines seiner Lieblingsstücke. In der Deutschen Wochenschau vom 30. Mai 1941 wurde bei Aufnahmen der Luftlandeschlacht um Kreta der Walkürenritt als Hintergrundmusik eingespielt, ebenso bei der Berichterstattung über das Bombardement der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau. Zufall?

Einen Tag später das gleiche Spiel. Mehrere Hundertschaften belagern Baumhäuser im Westen des Waldes, weil sie am Samstag offenbar nicht fertig geworden sind. Irgendwer von ihnen scheint Spaß dabei zu haben, Pfefferspray auf das Klopapier der Aktivistis zu sprühen, andere zerstören aus Langeweile Wege (so viel zu den „Rettungswegen“) und Bodenstrukturen.

Der Spaziergang zum Knast in Köln-Ossendorf, wo UPIII (Samantha) seit März (und laut Urteil bis kurz vor Weihnachten) sitzt, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort war, wird komplett festgenommen.

Montag morgen wird die Wiese komplett umstellt, für mehrere Stunden kommen Menschen nicht aufs Klo, weil Landtagsabgeordnete und Behördenvertretis sich den Wald anschauen wollen.

Am Abend wird in Chemnitz die Polizei komplett überrannt von Nazis, die Jagd auf alle machen, die nicht deutsch genug aussehen oder deren Meinung ihnen nicht in den Kram passt. Dienstag früh wissen wir, warum: Ebensoviel Polizei, wie in Chemnitz mehreren Tausend Nazis gegenüberstand, stürmt die Wiese, wo 40 Menschen angetroffen werden. Auf jedes Aktivisti kamen fast 15 Cops. Sie sollen nach Molotow-Cocktails suchen, zerstören aber lieber Gebäude, nehmen willkürlich Telefone, Verteidigungsunterlagen, Personalausweise, Wasserkanister, Bau- und Heizholz, sämtliches Werkzeug, aber z.B. auch Strickzeug, Seife und zwei volle Bierkästen mit.

Seit Freitag nun kontrolliert die Polizei alle, die von Buir aus auch nur in Richtung des Waldes losgehen. Zeitweise durfte Wasser nicht mitgenommen werden, meist wird Kletterzeug und Werkzeug aller Art einkassiert. Selbst zwei Maler_innen durften ihre ca. tausend Euro teure Malausrüstung an mehreren Tagen erst nach stundenlanger Diskussion mit in den Wald nehmen, weil „Pinseln ja auch als Speere eingesetzt werden können.“! Die Repression erreichte damit eine neue Stufe der Lächerlichkeit.
Wofür die Polizei in Sachsen von ganz oben berechtigte Schelte bekommt, das ist im Hambi scheinbar normal.
Die Aussage der Polizei, dass „Dinge des täglichen Bedarfs“ mitgenommen werden dürfen, wird da wohl so ausgelegt, „was die eingesetzten Polizistis täglich verwenden“. Wobei, in der Rüstung der Polizei kämen wir wohl auch nicht weit…
Selbst das über dem Polizeirecht stehende Versammlungsrecht tritt die Polizei mit Füßen, indem sie Menschen auf dem Weg zur angemeldeten Mahnwache und sogar auf der Mahnwache durchsucht.

Ich denke, es ist klar, wer hier einseitig eskaliert.