Jetzt: Rojava verteidigen! Berxwedan Jiyane!
Es ist und bleibt derselbe Kampf
Kraehennest Belagerung Nacht

Es ist und bleibt derselbe Kampf

Krähennest Belagerung
Krähennest Belagerung Nacht

Obgleich uns klar ist, dass es jeder Zeit zu einer Polizeiaktion im Wald kommen kann, erschrecken wir am frühen Montagmorgen um sieben Uhr, als wir von den Rufen „Polizei im Wald“ aus dem Schlaf gerissen werden. Auf der alten A4 fahren Polizeiwannen vor, halten an und Cops steigen aus. Schnell bringen wir für uns wichtiges Material in die Schutzumzäunung unter dem Tower, verschließen und verbarrikadieren den Eingang und ziehen die Leiter hoch. Inzwischen ist Krähennest umstellt. Polizeitrupps fotografieren und kartografieren die Lage der Baumhäuser. Sprechchöre werden gerufen. Wir sind angespannt. Ein Radlader fährt in den Wald und transportiert Totholz ab. Anschließend fährt der Fahrer mit aggressiven Gebärden auf den Tower zu, auf dessen Balkon Aktivist*innen die Situation beobachten. Er lässt seinen Greifarm auf die darunter gelegene Spülstation krachen,

greift die Trümmer und schwenkt sie bis auf Gesichtshöhe der Aktivist*innen. Bretter, Geschirr und Scherben fliegen durch die Luft, auf den Balkon und auf den Waldboden. Die mögliche Verletzung von Menschen durch persönliche Aggressionen und Machtspiele des Maschinenfahrers wird hier bewusst in Kauf genommen und von der Polizei strukturell ermöglicht. RWE-Mitarbeiter kommen mit Kettensägen und fangen an, unseren Monopod, der noch nicht aufgestellt ist, zu zersägen. Die ganze Arbeit ist damit vergebens gewesen. Danach beginnen die RWE-Leute Baumaterial, Bretter, Kanthölzer und Balken zu zersägen. Unsere Wut steigt und entlädt sich in Protestrufen. Nach kurzer Zeit werden die Arbeiten eingestellt, die Einsatzkräfte ziehen sich ein Stück zurück. Jetzt ist erstmal Ruhe. Die Gelegenheit nutzen wir mit Verstärkung am Boden, um weiteres Material zu sichern. Dann kommt ein großes Aufgebot an Polizei zurück. Die Durchsage der Polizei lautet: Es fand ein Fäkalienwurf statt, der Mensch solle sich stellen, ansonsten würde er gewaltsam vom Baumhaus geholt. Nach einer Weile fängt ein Radlader an, mit Sand eine Fahrrampe in den Wald zu bauen. Infos kommen durch, dass eine Hebebühne unterwegs ist. Ist das der Auftakt zur Räumung der Baumhäuser? Insgeheim nehmen wir gedanklich Abschied von den Baumhäusern, die wir teilweise mitgebaut haben, in denen wir kurz und lange gelebt haben, und dem gemeinschaftlich gestalteten Barrio. Mental stellen wir uns auf Schmerzgriffe und Schläge ein, machen wir uns Gedanken darüber, wie wir uns verhalten werden. Nach der Durchsage der Polizei beschließen wir im Plenum gemeinsam, dass wir die Besetzung solidarisch weiter verteidigen. Die Tatsache, dass die Polizei mit mehreren Hundertschaften, Spezialeinheiten und schwerem technischem Gerät direkt vor Ort ist, wirft für uns die Frage auf, inwieweit der vorgeworfene Fäkalienwurf Größe und Intensität des Einsatzes überhaupt begründen könnte. Wenig später kommt die Nachricht, dass die Hebebühne auf der alten A4 von Menschen blockiert und besetzt ist. Vielen Dank dafür – Wir brechen in Jubel aus! Jetzt ist es so spät geworden, dass die Polizei die Aktion abbricht und bekannt gibt, dass die Räumung am nächsten Morgen durchgeführt werden soll. Erleichterung über den Zeitgewinn – Aber zu welchem Preis? Lichtmaste werden aufgestellt und Krähennest in helles Licht getaucht. Die Scheinwerfer sind gleißend hell und die Generatoren machen einen ständigen Lärm. Im Baumhaus und im Tower ist es unnatürlich hell. Wir versuchen zu schlafen und zu entspannen. Die Situation ist extrem stressig und belastend. Wie sollen wir unter diesen Bedingungen schlafen? Die Überwachungssituation setzt uns gewollt unter immensen Druck. Jede unserer Bewegungen wird mit Kameras aufgezeichnet, bei jedem Wort, das wir laut aussprechen, fragen wir uns, ob es mitgehört wird. Jetzt dämmert der Morgen und wir sind müde. Wieder eine Durchsage der Polizei, dass die Person, die angeblich einen Eimer geworfen hat, sich stellen soll, dann würde die Belagerung sofort aufgehoben. Wir trauen der Ansage nicht, ist das ein Trick? Wir bleiben auf den Baumhäusern! Wir sind in Alarmbereitschaft! Diese verstärkt sich, als die Polizei beginnt, Supporter*innen aggressiv weiter zurück zu drängen und die Absperrung um die Belagerung vergrößert. Sollen wir noch stärker isoliert werden und die baldigen Geschehnisse von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden? Als die Kettensäge eines RWE-Mitarbeiters aufheult und ansetzt, eine Schneise für die Hebebühne zu schlagen, seilt sich ein Mensch vom Baumhaus ab. Beamt*innen rennen auf den Menschen zu. Trotz der beginnenden Festnahme wird der Baum gefällt. Protestrufe übertönen die Kettensäge. Der Mensch aus unseren Reihen wird abgeführt. Wir sind entsetzt und voller Wut. Ist das der Auftakt zur Räumung des ganzen Krähennest? Wir werden alle Baumhäuser konsequent verteidigen! Nach einiger Zeit zieht sich die Polizei tatsächlich zurück, die Hebebühnen fahren weg und langsam entspannt sich die Situation. Zurück bleibt die Zerstörung. Am nächsten Tag sind wir in Kerpen vor dem Amtsgericht in einer lautstarken Soli- und Supportdemo für den inhaftierten Menschen, der unter lautem Jubel begrüßt wird, als er wieder frei kommt. Wir sind sehr dankbar für die vielen Unterstützungsmomente um die Belagerung! Im Angesicht der Klimakrise, der Zerstörung von Umwelt, Kulturgut und menschlichen Gemeinschaften in unmittelbarer Nähe des Waldes und auf der ganzen Welt, sehen wir keinerlei Verhältnismäßigkeit im Vorgehen der Polizei, der Politik und RWEs. Es ist lächerlich und macht uns wütend, dass die Berichterstattung und der öffentliche Diskurs nun um einen vermeintlichen Fäkalienwurf kreisen, während der eigentliche Kampf keine Erwähnung findet. Wir sind hier, weil wir uns durch die widerständigen Strukturen im Wald seiner Zerstörung und den nicht zukunftsfähigen politischen Entscheidungen im Sinne von Konzerninteressen, in den Weg stellen!
We are here and we will fight!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Nice …

    Kraft und Phantasie für Euch in den Bäumen

    …und liebe Grüße an Eule

    Es liegt ’ne Papprolle beim ABC samt Poster und Brief für Eule dort

    …der Baum trägt seine Krone hoch oben…

    …so tragt auch ihr Baumbewohni’s den Kopf hoch oben…

    …lasst euch nicht klein~KRIEG en…

    …jemand…der nich ma ’n Schrank brauch…um nich alle Tassen drin zu ham

  2. Es ist doch zum Heulen! Je mehr ich mich mit eurem Protest und der strukurellen Gewalt der Polizei+NRW+RWE beschäftige, desto mehr widert mich alles an!
    Je mehr ich über unsere bestehende Herrschaftsordnung und Neoliberalismus erfahre, desto mehr wünsche ich mich weg aus diesem Zwang!
    Schon seit vielen Jahren lebe ich möglichst Klima-, Mensch- und Tierschonend, weiß, dass das nicht erwünscht ist, weil konsumverweigernd und wähnte mich trotzdem in einer „guten“ Gesellschaft. (Klimaschonen Wohnen ist nicht erwünscht, verriet der Mann im Bauamt, die Gesetze sind von 1960) Wie blauäugig von mir! Es ist Kampf! Wir müssen gegen die Ausbeutung und Zerstörung angehen, wir müssen!
    Ich danke euch sehr für euren Kampf um den Wald und bestehende Herrschaftsordnungen!
    Ihr seid großartig!
    Danke, dass ihr so viel Angst aushaltet für die Zukunft unserer Welt!!
    Danke, dass ihr bleibt, wenn die Kameras aus sind!
    Was machen Polizist*innen im Wald, wenn er „offiziell“ gerettet ist, ein Rodungsstop besteht??
    Ich habe Bäumchen aus dem Wald gebuddelt, ein Freund kommt spätestens Montag und bringt sie zum Aufforsten.
    Viel Kraft und Mut weiterhin!
    Herzliche Grüße,
    G

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen