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Hambi Erotik-Kalender Januar: Wie ist dieser Kalender entstanden?

In den kommenden Monaten wollen wir die Texte und Bilder des Hambi Erotik-Kalenders auf diesem Blog veröffentlichen. Hier findet ihr das Januar-Motiv und den dazugehörigen Text. Und für alle, die noch keinen haben, ein paar Kalender sind noch übrig! Den Kalender gibt es auf deutsch und auf englisch für 9 Euro bei Black Mosquito.

Die Legende: Es begab sich einst, dass eine Gruppe von Ökoterrorist_innen den Norden Englands unsicher machte. Dort munkelten die Leute, dass an dem Ort des Hambi-Infovortrags anderntags auch ein Konzert der „Naughty Socialist Singers“ stattfinden würde. Dies stürzte die Aktivist_innen in größte Verwirrung. Wer waren wohl diese „Naughty Socialist Singers“? Was für Lieder würden sie vortragen? Und vor Allem: In was für Kostümen würden sie auftreten?

Also dann zogen sie zum angesetzten Termin des Konzertes und mussten feststellen, dass dieses ausfiel. Und noch schlimmer: Der Chor, der abgesagt hatte, waren lediglich die „North-East Socialist Singers“. Tiefste Verzweifling machte sich breit: Alles war nur ein mundartbedingtes Missverständnis! Es gab gar keine Naughty Socialist Singers! Es war nur ein Traum gewesen!!!

Doch ein mutiger Traum, der einmal geträumt wurde, sucht sich seinen Weg in die Wirklichkeit. Und so geschah es, dass sich die Avantgarde des Poleck-tariats organisierte, eine Hymne für die Befreiung aller konsensuellen Perversionen vom Joch der Bigotterie zu schreiben und stolz in die Welt hinaus zu rufen: Wir sind Naughty, und das ist auch gut so!

Die Geschichte: Beim Hambi-Skillsharing-Camp im Herbst 2018 auf der No-Talent-Talentshow feierten die Naughty Socialist Singers ihren ersten Auftritt mit der Orgio-Naughtynalen. Weil die Vorbereitung der Kostüme uns so kribbelig gemacht hatte, und um noch mehr versaute Mitstreichler_innen zu mobilisieren, trafen wir uns am nächsten Tag um die Fotos für diesen Kalender zu schießen. Denn Kohleausstieg ist Handarbeit – und dabei kann ein Bisschen Inspiration nicht schaden.

Im echten Leben sind wir natürlich alle ganz normale notgeile Hausfrauen und -männer, unterbezahlte Klempner_innen, versaute Verkehrspopozist_innen oder auch erotische Massagefachkräfte. Davon können Menschen, die uns im Hambacher Forst bei der Rettung der Welt kennen lernen, ja nichts wissen. Also fanden wir es ganz schön, mal die Sturmmaske fallen zu lassen und uns von unserer sinnlichen Seite zu zeigen.

Die Politik: Was hat ein Erotikkalender mit dem Weltklima oder dem Hambacher Forst zu tun? Es ist vielen von uns wichtig, unseren Aktivismus oder unser politisches Denken nicht einseitig auf Klima- und Umweltpolitik zu beschränken. Für uns gehört auch ganz klar das zwischenmenschliche Klima dazu, also die Fragen danach wie wir zusammen leben und unseren Alltag gestalten wollen. Und dazu gehört eben auch Sexualität. Die Norm von Bigotterie, Tabuisierung und Verklemmtheit ist für uns Teil des Problems.

Solange es irgendwie Pfui ist, über Sexualität zu reden, solange ein Großteil sexueller Praxen und Vorlieben als unnormal oder Pervers verdrängt wird, ist es kaum möglich, einen offenen Diskurs darüber zu führen, was wir eigentlich wirklich wollen und wo unsere Grenzen liegen. So trägt sexuelle Bigotterie leider auch oft zu einem Klima bei, das Sexismus und sexuelle Grenzüberschreitungen möglich macht und vertuscht. Diese gehören zu den drängendsten und allgegenwärtigsten Konflikten im menschlichen Miteinander. Wir leben in einer Zeit, in der das gesellschaftliche Bewusstsein dafür wächst und hoffentlich manches in Bewegung kommt.

Aber braucht es noch mehr Darstellungen von nackter Haut, um für die Befreiung von Bigotterie zu kämpfen? Nun, vielleicht hilft es ein Bisschen, dass dieser Erotikkalender so ganz anders daher kommt: Selbstbewusst unprofessionell, andere Fetische und weniger Selbstverständlichkeit vom Mann in der dominierenden Position.

Aber das Thema ist komplex und die Fotos sind vor Allem Klamauk. Nebenbei ist dieser Kalender auch ein spaßiger Merchandise-Artikel, der dabei hilft die hohen Kosten für Aktionen und Repressionsschutz zu finanzieren.

Dieses Fomat kann kaum auch nur einen oberflächlichen Einblick geben in die Vielschichtigkeit von modernen feministischen Ideen. Zum Beispiel ist es schwierig, Asexualität in einem Foto sichtbar zu machen, geschweige denn für einen Erotikkalender.

Zumindest habt Ihr mit diesen Bildern die Sicherheit, dass alle an der Produktion beteiligten Menschen Spaß dabei hatten, was ja leider in der Pornoindustrie erschreckend wenig Normalität ist. Wenn Ihr damit genau so viel Spaß habt, ist ja schon was gewonnen.

Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Der Text ist voll gut und der Kaldender auch. 🙂 Nur würde ich mal sagen, dasss eine sexuelle Orientierungsrichtung keine feministische Ideee ist.

    1. Danke für das Feedback! 🙂 Ja, du hast recht – die Formulierung ist etwas unglücklich.

  2. auch wenn die texte im kalender voll knorke sind – es wäre schön die hambi-erotik-artikel mit einer triggerwarnung zu versehen. – nicht alle kommen auf bdsm klar, auch wenn nicht unbedingt ein „mann“ in der dominierenden rolle ist…
    liebe grüße – freue mich auf den nächsten kalender – vielleicht dann mit einem anderen schwerpunkt als bdsm & uniformen (schirmmütze, camoflage-scheiß, weite mäntel)??

    1. Und als nächstes kommt dann „Triggerwarnung Homosexualität“ weil es homophobe Deppen gibt die sich davon gestört fühlen? Wenn hier jetzt angefangen wird sexuelle Orientierungen (Ja, BDSM ist für mich Teil meiner sexuellen Orientierung, genauso wie meine Pan/Bisexualität) mit Triggerwarnungen zu versehen dann bin ich raus…

      1. edit: würde meinen kommentar soweit korrigieren das generell sexuelle darstellungen leute triggern können – sexualisierte gewalt kommt klar in jeder spielart vor. in dem fall war genosse* mike durch eine erinnerung an missbräuchliche dominanz getriggert. wollte nicht bdsm-praxis generell unter verdacht stellen.

    2. Danke für dein Feedback – das macht ne interessante Diskussion auf. Wir, also einige der Kalender-Mitwirkenden, sehen das so: BDSMler*innen haben seit Jahrzehnten damit zu kämpfen, dass ihre einvernehmlichen sexuellen Praktiken von einigen Menschen als sexuell übergriffiges Verhalten missinterpretiert werden. Was nicht heißt, dass nicht auch bei BDSM Übergriffe passieren können, aber eben nicht mehr und nicht weniger als bei anderen Sex-Praktiken auch. Eine Trigger-Warnung für BDSM würde genau dieses diskriminierende Bild reproduzieren, weil eine Trigger-Warnung impliziert, dass schlimme, re-traumatisierende Inhalte folgen. Zur Diskriminierung von BDSMler*innen findest du hier noch einen anderen Artikel: https://hambacherforst.org/blog/2018/08/02/umweltdruckerei-diskriminiert-bdsmlerinnen-ruecksichtslos-kurzfristige-druck-absage/.

  3. Ich hab den Kalender als Geschenk erhalten… ich kann mich nicht entscheiden , ob ich ihn – in meinem Fall- als Info-Broschüre betrachten soll, oder ob es einfach ne sehr unterhaltsame Fotosammlung ist. Schlimm, wenn mensch mit den Kategorien so ins schwimmen kommt

    Gruß, Frau Heinrich

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