Jetzt: Rojava verteidigen! Berxwedan Jiyane!

Ein Text

Folgende Mail erreichte uns:

„Zuallererst…
ich finde es auch schade das Menschen verletzt und Bäume gefällt worden sind und immer noch gefällt werden. Ich hoffe das sich alle von ihrem Schock erholen und noch einmal ihr Handeln überdenken werden. Ich finde jegliche Art von Gewalt erst einmal schlecht, allerdings gibt es immer Umstände die dazu führen können, das ein gewisses Maß an Gewalt in Extremsituationen nötig ist. Wenn ich auf mein Herz höre, kann ich keinem Lebewesen etwas Böses tun, wenn ich aber meinen Verstand einsetze, weiß ich, dass er mein Herz oft übergeht. Auch wenn ich noch keinen Stein geworfen habe, fühle ich mich oft hilflos, wenn ich daran denke, dass diejenigen das „Sagen haben“, die auf Zerstörung aus sind. Kann der Konflikt nicht anders gelöst werden?
Könnte nicht RWE die Rodungsarbeiten einstellen und somit eine Gefahr abwehren?
„In was für einer Welt möchte ich leben“?
„In was für einer Welt möchtest du leben“?

Ich freue mich das der Baum mit dem Baumhaus „Deathtrap“ nicht gefällt wurde. Und ich finde es schade das Menschen den Baum aufs Spiel gesetzt haben. Danke, dass ihr hinabgestiegen seid. Ich hoffe es geht euch gut.

An die Polizei, ich bin sehr erschrocken und mutlos wenn ich daran denke, dass ihr mehr verschlimmert als verbessert, auch ihr solltet eure Rolle überdenken. Zu was führt euer Handeln? Ich selber wurde nicht ganz freundlich behandelt und durch den Wald gejagt. Wie kann da mein friedlicher Protest gewahrt werden? Wie soll ich da eine positive Grundhaltung bewahren? Im Moment habe ich das Gefühl, ihr tragt zu einer Eskalation bei… Die Bewahrung und der Schutz der Natur geht alle an, da kann man sich nicht hinter einem Beruf verstecken. Und Steine schmeißen kann man nicht verhindern, indem man die Gegenseite beschützt, das ist nicht die Wurzel, es gibt für uns keine Verhandlungsbasis, wenn weiterhin Bäume gefällt werden. Ihr verlangt von uns, dass wir singend und tanzend zusehen, wie gerodet wird.

Und dann noch…
Der Wald wurde 2012 besetzt, ganz friedlich , alles hat mit einem Fest und Baumpatenschaften begonnen. „Dieser Wald ist ein schützenswerter Wald von hoher ökologischer Wertigkeit mit seltenen Pflanzen und Tieren“ hat man damals erkannt.

Tiere die unter Schutz gestellt gehören, doch wollte sich dafür keiner verantwortlich fühlen. Die Stadt Kerpen hat den Wald einfach verkauft und obwohl er eigentlich laut der Fauna- Flora- Habitat- Richtlinie an die Europäische Kommission hätte gemeldet werden müssen, unterblieb dies.

Menschen wie ich, denen der Schutz der Natur und der Erhalt eines gesunden Klimas sehr am Herzen liegen, haben sich daher dazu entschlossen, diesen Wald zu schützen. Zunächst mit Baumhäusern und Ankettaktionen, um es den Waldarbeitern und auch der Polizei, die hier wie ich finde eine sehr große Rolle spielt, so schwer wie möglich zu machen. Wir haben uns dazu entschieden uns mit unserem Körper, unserem Leben einzusetzen, bei Tag und bei Nacht, bei Schnee und bei Regen dort auszuharren, zu leben, um da zu sein, um im Weg zu sein und um zu zeigen, dass es falsch ist was hier geschieht und dass es sich lohnt, für eine gute Sache einzustehen. Nach und nach gab es immer mehr Unterstützer, der Widerstand wuchs…es interessierte immer mehr Menschen, was mit diesem Wald geschieht, Tag für Tag und Jahr für Jahr, und immer noch kein Ende der Rodung in Sicht, kein Aufatmen, keine Besinnung seitens RWE, also weiter kämpfen.

Der Konzern RWE rüstete immer mehr auf, es gab verschiedene Security Firmen, die zu immer drastischeren Mitteln griffen wie z.B. Personen zu fesseln und vor einen laufenden Mulcher zu setzen. Selbst die Polizei unterscheidet NICHT immer zwischen friedlichem Protest und unfriedlichem. Sie nimmt immer nur Aktivist/innen fest. Weil die ja dagegen sind und sich z.B. irgendwo angekettet haben. Roden ist ok, sich anketten (friedlich) ist nicht ok, der Mensch wird mit auf die Wache genommen. Wenn man das dann blöd findet und das auch kundtut oder sich weigert seine Personalien abzugeben (es gibt deutlich gute Gründe dafür, sie nicht anzugeben, man bekommt nämlich z.B. fast immer eine Geldstrafe und somit wird es teuer und wird irgendwann bewegungsunfähig, das hat sich der Staat schon gut ausgedacht)
sind wir noch blöder und noch krimineller, da kann man friedlich sein wie man will, man spielt das Spielchen ja nicht mit. Aber die Polizei will uns ja nichts und friedlicher Protest ist erlaubt.

Die Situation im Wald hatte sich nach wie vor nicht verändert, kein Waldarbeiter wollte seine Kettensäge niederlegen und zur Vernunft kommen. Also immer wieder besetzen und geräumt werden, den Druck aushalten und versuchen durchzuhalten und nicht zu verzweifeln.
Noch mehr Menschen informieren, ein Buch schreiben. Es folgten: Baggerbesetzungen, Waldspaziergänge mit immer mehr Menschen, Petitionen, Gerichtsverhandlungen, Infoveranstaltungen, Lesungen, Gespräche an „runden Tischen“, Solikonzerte, Kundgebungen, Massenaktionen wie z.B. eine rote Linie zu ziehen und angebliche Schlichtungsversuche, etc. Und auch der Widerstand im Wald wuchs. Es wurden mehr und mehr Barrikaden gebaut, irgendwie muss man die Vernichtung des Waldes doch stoppen und den Heimatort der Tiere die dort leben schützen können. Wir haben alles versucht, es gab jede Menge friedlicher Aktionen.

Ich weiß nicht wann der erste Stein flog und wer ihn geworfen hat, aber ich weiß, dass daraus eine Veränderung entstand. Die Presse berichtete plötzlich viel häufiger, immer mehr Menschen wurden aufmerksam und wachgerüttelt. „Da kämpfen Menschen für den Erhalt eines Waldes“ und „Sie schmeißen Steine“. Ja, das Steine Schmeißen stand nun im Fokus und Brände die gelegt wurden. Das war das, was die Medien wollten und die Menschen aufrüttelte und die Waldarbeiter aus dem Wald verjagte. Also gab es doch ein Mittel, die Arbeiten kurzzeitig zu stoppen. Ein kurzes Aufatmen. Jetzt wäre doch eigentlich die Zeit die Kettensägen niederzulegen und innezuhalten und sich zu besinnen. Muss denn der Wald um jeden Preis weichen? Hier hätte RWE einsehen können, dass der Wald den Menschen und Tieren gehört. Und dass die Aktiven nicht aufgeben werden.

Es gab den Vorschlag, den Wald zurück zu kaufen. Es gab eine riesige Menschenkette, es gab Klimacamps, alles weitere friedliche und kreative Protestformen. Der Klimawandel, also die Erderwärmung, sind schon lange nicht mehr zu leugnen, selbst ranghohe Politiker können nicht mehr wegsehen, müssen handeln und vereinbaren ein Klimaabkommen. Selbst der Papst äußert sich in seiner Enzyklika für den Schutz der Natur. Die Welt darf sich nicht weiter erwärmen, der CO2 Ausstoß muss verringert werden. Wer, wenn nicht RWE muss sich in erster Linie dafür mitverantwortlich fühlen? Aber anstatt sich einzugestehen, dass das Geschäft mit der Braunkohle ausläuft, wird zunächst einmal der Klimawandel geleugnet. „Den von Menschen gemachten Klimawandel gibt es nicht“, also Problem aus der Welt geschafft. Denn was es nicht gibt, dafür kann man auch keine Verantwortung übernehmen. Außerdem sind die Arbeitsplätze viel wichtiger als saubere Luft zum Atmen und fruchtbare Böden. Und die Naturkatastrophen, die gab es bisher doch auch nur in anderen Ländern, viel zu weit weg, sollen die doch selber gucken wie sie sich z.B. vor Flutwellen schützen können. Dafür gibt es bald einen schönen Badesee, mit dem sich noch mehr Geld verdienen lässt. Wer hätte nicht gerne ein „Haus am See“?

Ich glaube nicht, dass die Polizei einen guten Beitrag leistet, das mag sich jetzt für den Normalbürger lachhaft anhören und Ungläubigkeit hervorrufen. Denn wir haben alle in Kiga und Schule gelernt, „die Polizei ist dein Freund und Helfer“. Die fangen Diebe und Verbrecher und helfen Kindern sicher am Straßenverkehr teilzunehmen, wer kann da etwas dagegen haben? Doch wer sind diese Verbrecher? Ist jemand der eine Kettensäge benutzt um damit Hunderte Jahre alte Bäume zu fällen ein Verbrecher? Immerhin zerstört er damit unsere Natur, unseren Lebensraum.
Aber sein Arbeitgeber hat es ihm doch aufgetragen, er macht ja seine Arbeit, um Geld zu verdienen und seine Familie zu ernähren.
Ist jemand, der die Baumfällarbeiten verhindern will und dazu vielleicht einen Stein schmeißt, ein Verbrecher? Auch wenn wer das für seine Familie tut, damit sie auch weiterhin saubere Luft atmen kann, weil er weiß das wir alle den Wald brauchen.
Da sagen wahrscheinlich die meisten „ja“, denn Steine schmeißen ist nicht Ok, da kann jemand verletzt werden.
Aber: Verletzt die Kettensäge nicht auch? Ist sie nicht viel gefährlicher als ein Stein? Ohne ein Werkzeug könnte der Mensch die Bäume gar nicht fällen.
Und: Warum setzt sich dieser Mensch weiterhin der Gefahr aus, mit Steinen beworfen zu werden? Des Geldes wegen?
Und der Aktivist/Die Aktivistin?
Warum wirft er/sie einen Stein?
Kann die Rodung auch ohne Steine werfen verhindert werden?. Von Natur aus hätten wir kein Werkzeug das zur Verhinderung der Baumfällarbeiten dient, leider haben wir keinen Zauberstab, der alles wieder heil hext.
Der Waldarbeiter könnte gehen und die Natur in Ruhe lassen.
Wir würden den Waldarbeiter in Ruhe lassen.
Ich glaube die Menschen haben eines noch nicht begriffen:
„Die Natur lässt nicht mit sich verhandeln“, wir können mit ihr keine Geschäfte machen, wie mit einer Bank, Kredite nehmen und Zinsen erhalten oder zahlen.

„Sie lässt nicht mit sich verhandeln“. Was zerstört wird, wird unwiederbringlich zerstört. Die Scheinwelt, in der die Menschen sitzend vor dem Fernseher leben, gibt ein falsches Gefühl von Sicherheit und unbegrenzten Ressourcen. Wir leben gerade in Hülle und Fülle auf Kosten der Natur und auf Kosten von anderen Menschen.
Wir möchten ein gutes Leben für alle. Veränderung ist und bleibt nur umzusetzen, wenn alle mit anpacken.

EmmaLuise“

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Ich bewundere Euren mutigen Einsatz gegen diesen Wahnsinn. Etwas Destruktiveres als Braunkohlentagebau lässt sich kaum ausdenken. Wälder, Felder, fruchtbarer Boden, jahrhundertealte Dörfer, denkmslgeschützte Gebäude werden gnadenlos zerstört, um Kohle zu verbrennen, was zur massiven.Emission von Schadstoffen und Klimagasen führt. Die weiträumige Grundwasserabsenkung führt zu Schäden in Gebäuden und zum Versiegen von Flüssen. Ich habe mir zwei Orte kurz vor der Zerstörung durch Braunkohle angeschaut. Vor Jahren Holz und kürzlich das fast vollständig verlassene Immerath. Das gehört zum Deprimierendsten, was ich je gesehen habe.Ich bin prinzipiell gegen Gewalt, aber was ist ein Steinwurf gegen diesen Wahnsinn? Das Gesetz ist auf der Seite des Tagebaus.Er diene dem Gemeinwohl. Dazu fällt mir nur ein: Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Viel Erfolg!

  2. danke für diesen text. da ist so vieles so gut benannt und auf den punkt gebracht. es hat mich sehr berührt, ihn zu lesen.

  3. @Schildkröte: Danke, ich habe alles rausgelassen was sich so angestauthat und eshat mir gut getan. EmmaLu

  4. Besser kann man es kaum beschreiben. Danke für diesen wundervollen Text. Vielleicht lesen ihn einige Menschen und beginnen differenzierter zu denken. Das könnte helfen. Was nicht hilft ist, die Hände in den Schoß zu legen und es sich gut gehen zu lassen…

  5. ERDE, ICH SPÜRE DICH, LEISE BERÜHR ICH DICH.
    DULDE DEN MENSCHENFUß, FÜHL MEINEN LIEBESGRUß!
    TRÄGST MICH BEI JEDEM SCHRITT, NIMMST MEINE
    LAST NOCH MIT.
    SCHENKST MIR DIE HEIMAT HIER, ERDE,
    ICH DANKE DIR !

  6. Sehr beeindruckender und berührender Bericht. Für mich besonders deshalb, weil er verdeutlicht, wie intensiv und komplex sich dieser Mensch in viele denkbare Richtungen selbst reflektiert, aber ebenso differenziert das Verhalten anderer Beteiligter bzgl. dieser Situation hinterfragt!
    Das ist absolut nicht lächerlich sondern bedauerlich ist, dass bei vielen „Normalbürgern“ (wobei sicher die Frage berechtigt ist, was in diesen Zeiten überhaupt
    noch als „normal“ bezeichnet werden kann) diese Fähigkeit/ Bereitschaft abhanden gekommen zu sein scheint und sie vermeintlich besseren Zielen bzw. Werten hinterherjagen!
    Was rein kopfgesteuertes Handeln anrichten kann, wenn der Kopf das Herz überstimmt, also die Balance außer Kontrolle gerät, zeigen die Bilder der derzeitigen Rodungssaison wieder auf desaströse Weise. Ob das Fällen des Baumes am Jesuspoint wegen einer störenden Hängematte?!? (anstatt diese aus dem Baum zu entfernen!) und angeblich 4 weitere irrtümlich gefällte Bäume dort sowie einige andere polizeiliche oder RWE-Ankündigungen/ Taten kopfgesteuerte und adäquate Handlungen sind, darf Mensch allerdings in Frage stellen… Bei manchen Kommentaren auf diesem Blog entsteht der (gewollte?) Eindruck, dass die „armen“ Waldarbeiter nahezu erpresst oder gar gezwungen werden, ihrer Arbeit „kopflos“ nachzugehen, dann etwa nach dem Motto: Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun????? WILLKOMMEN IN ABSURDISTAN !!!
    Sobald es mir möglich ist, werde ich wieder im
    Wald sein, bis dahin viele liebe Grüße, Kraft, Durchhaltevermögen, Licht und Wärme an alle Waldschützer.

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