Bericht vom Gruppenbildungstreffen

Vom 3ten bis 13ten Juli fand auf der Wiesenbesetzung das allererste Gruppenbildungstreffen, kurz GruBiT, statt. Im folgenden möchte ich meine persönlichen Eindrücke von dieser Veranstaltung teilen.

Ich lebe schon seit geraumer Zeit auf der Besetzung im Hambi und habe mich dort mal mehr und mal weniger wohl gefühlt. Letzteres ist ja auch völlig normal, die ganze Repression mit der wir im Winter zu kämpfen haben, drückt eben auf die Stimmung. Dennoch war ich positiv davon überrascht, was für eine angenehme und rücksichtsvolle Atmosphäre es beim GruBiT gab. Zu dieser beigetragen haben mit Sicherheit das leckere Essen und die tollen Workshops. Täglich wurde einmal warm für alle gekocht und gemeinsam gegessen. In den ersten Tagen war das Programm von morgens bis abends mit Workshops und Vorträgen ausgefüllt. Sehr positiv fiel mir in den meisten Workshops auf, dass an konkreten Beispielen aus dem persönlichen  und dem Wiesenalltag Dinge veranschaulicht und nicht zu sehr auf einer abgehobenen, abstrakten Ebene diskutiert wurde. Außerdem wurden uns Teilnehmenden Werkzeuge in die Hand gegeben, welche neben dem theoretischen Input sicherlich für unseren Alltag nützlich sein werden.

Ich will euch nicht mit einem detaillierten Tagesplan langweilen, deshalb im Folgenden eine Auswahl von Momentaufnahmen:

Im aktivistischen Alltag ist mensch häufig mit Stressituationen konfrontiert: Überwachung, die Gefahr einer Räumung/ Razzia  im Hinterkopf, stressiger Bullenkontakt…Passend dazu wurden verschiedene Workshops zu Burnout und Traumata angeboten, wobei in dem einen Workshop empfohlen wurde den Begriff Trauma zu vermeiden. Denn dieser Begriff kann Menschen, die zwar Symptome eines Traumas zeigen, aber sich scheuen dieses als solches zu benennen, abschrecken. Deutlich wurde hierbei, dass bestimmte Reaktionen nach „krassen“ Erlebnissen eine ganz normale Schutzreaktion des Körpers sind. Spannend war außerdem ein Workshop zu Heilpflanzen, in dem besonders auf jene eingegangen würden, die es dem Körper leichter machen mit Stress umzugehen. Ein Vortrag zu feministischen Perspektiven auf Militanz verdeutlichte, wie vielfältig Definitionen von Gewalt sein können. 

In einem anderen Workshop wurden Entspannungsübungen vermittelt, für die man keine besonderen Materialien benötigt, sodass sie z.B. auch alleine in einer Zelle durchführbar sind und Atemtechniken, die nützlich sind wenn man längere Zerit nicht pinkeln gehen kann oder mit  Kälte klarkommen muss. Solche Methoden bieten kleine Hilfestellungen für Repression, der wir ausgesetzt sind.

Im zweiten Teil des GruBits folgten größere Open-Space-Blöcke, es gab bspw. Diskussionsrunden zu „Wie gestalten wir Plena schöner und angenehmer?“ oder dazu, wie (Gruppenstrukturen)strukturen dazu beitragen und ein wichtiger Teil sein können, nachhaltig und gut aufgehoben aktiv zu bleiben. Zusätzlich konnten Einzelpersonen, die wollten, das Angebot zweier erfahrener Mediator*innen von der Gruppe „Mediation für Alle“ aus Köln in Anspruch nehmen. Ich werde bei zukünftigen Konflikten darüber nachdenken eine Mediatorin hinzu zu ziehen. Alleine die allparteiliche (also parteilich mit allen Anwesenden) Perspektive von Außen kann hilfreich sein. Zudem ist Mediation auch dafür offen, dass sich manchmal einfach keine einvernehmliche Lösung finden lässt.

Das GruBit endete mit einer Runde in der jede*r erzählen konnte was sie*er am Forst und an der Waldbesetzung mag/ schätzt. Einfach schön nach all den ernsteren Themen auch mal über positive Dinge zu reden. Es ist zwar so, dass die Repression und alltägliche Wiesenkonflikte Kraft zehrend sind – aber wären nicht auch all die positiven Dinge da, wäre ich wohl kaum immer wieder zurück gekommen.
Insgesamt hat mir das GruBit unglaublich viele motivierende Anstöße gegeben –  geistiger Input, aus dem ich hoffentlich noch lange Energie schöpfen werden. 

Nach dem GruBiT gab es noch eine kurze Nachbesprechung. Bei dieser haben wir überlegt wie wir das „GruBiT-Gefühl“ in weitere Veranstaltungen und den Wiesenalltag mitnehmen können. Daraus ist dann die Vorbereitungsgruppe fürs nächste Skillsharing-Camp entstanden, bei diesem soll nun Skillsharing mit dem GruBiT-Thema nachhaltiger Aktivismus vermischt werden. Eine weitere Idee war es im Laufe des Winters immer mal wieder GruBiT-Wochenenden zu veranstalten. Meldet euch gerne, wenn ihr Lust habt das eine oder andere zu unterstützen.

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