Warum wir keine Polizei im Wald wollen

Beim heutigen Waldspaziergang (11.11.) haben zwei Kontaktbeamte der Polizei teilgenommen. Durch ständige Aufforderungen und Transpis haben die Kontaktbeamten gemerkt, dass sie im Wald nichts verloren haben und sind daraufhin gegen Ende des Spaziergangs gegangen.

Was es für Menschen bedeutet, wenn Polizei im Wald ist, können viele Menschen, die noch nicht viel mit der Polizei zu tun hatte und nicht bei den Räumungen dabei waren, schwer verstehen. Wochenlang wurde der Wald durch Hundertschaften, SEK, Räumpanzern belagert. Wochenlange Räumung, das bedeutet nächtelanger Schlafentzug, psychischen Druck und Stress, mitzubekommen, wie deine Freund*innen verprügelt werden und die Zerstörung von einem Zuhause. Dieser Psychoterror der Polizei der letzten Monaten hatte bei vielen Menschen traumatische Folgen. Der Hambacher Forst war und ist neben einem Lebensraum für viele Menschen vor allem ein Freiraum, und das ist er nicht mehr, wenn die Polizei durch den Wald läuft.

Es gab heute viele kleine Runden, in denen das Thema “Polizei im Wald” energisch und emotionsgeladen diskutiert wurde. Da viele Menschen auf dem Waldspaziergang nicht verstehen konnten, warum wir so reagieren, möchten wir es hier noch einmal verständlich machen, da heute oft nicht der Ort und die Ruhe für eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Thema war.

Deswegen hier nochmal ein Text zu einem Thema, das schon oft diskutiert wurde, aber nie an Aktualität verlieren wird:

Im Wald heißt es: Wir reden nicht mit Cops! Und dann sind da immer wieder diese netten, mittelalten Menschen mit Sicherheitswesten, die bei Waldspaziergängen mitlaufen und einfach nur reden wollen. Mit allen reden. Und reden kann ja nicht schaden, oder?
Es wird Zeit, dass wir nicht nur unseren Ausruf „wir reden nicht mit der Polizei!“ wiederholen, sondern erklären, wie wir zu dieser Entscheidung kommen. Denn eins ist klar: Wenn die einen mit der Polizei reden, die anderen sie am liebsten aus dem Wald werfen würden und wieder andere einfach nicht verstehen, warum wir bloß so unhöflich zu älteren Menschen sind, dann sind wir alles andere als ein geeinter Widerstand. Und in dieser Handlungsunfähigkeit spielen wir der Polizei und allen anderen Parteien, die den Braunkohleabbau immer noch schützen und fördern, in die Hände. Wir wollen hier nur versuchen eine Position, die in der Besetzung oft vertreten wird, zu erklären. Wir wissen, das viele Menschen im Braunkohlewiderstand, das anders sehen und wollen niemand verurteilen, der oder die mit der Polizei redet. Statt dessen wollen wir einen Austausch und Diskurs fördern, bei dem wir alle von einander lernen können und alle Seiten vertreten sind.

Diese netten, mittelalten Menschen haben eine Bezeichnung: Kontaktbeamte. Und in letzter Zeit scheinen die sich immer weiter zu vermehren, überall Kontaktbeamte, überall nur reden, das tut ja schließlich niemandem weh. Die Frage ist, was sich die Polizei dabei denkt.

Kontaktbeamte, die im Zuge der Polizeiarbeit bei politischen Bewegungen eingesetzt werden, haben mehrere Funktionen:

Imagepolitur

Erst einmal verbessern sie das Image der Polizei. Sie zeigt sich verständnisvoll und kompromissbereit, um dann nach vermeintlichen Fehlern unsererseits ihr Verständnis und ihre Verhandlungsbereitschaft öffentlichkeitswirksam zurückzuziehen. Während der wochenlangen Räumung, kursierten Bilder und Berichte von massiver Polizeigewalt rund um den Hambacher Forst und der Aktionen von Ende Gelände.

Viele Menschen, die die Räumungen miterlebten oder verfolgten, haben begonnen, an der Legitimität der Gesetzeshüter*innen zu zweifeln. Während der Räumungen, kam es zu Situationen, in denen die Polizei, Menschen Arme und Rippen brachen, Sicherungsseile kappten, Presse und Sanis an ihrer Arbeit hinderten und durch Beschallung und Beleuchtung Schlaf unmöglich machten. Bei einer Tripod Räumung wurde einem Menschen ein Arm gebrochen, aus der Situation heraus, dass sie die Hebebühne nicht noch einmal bewegen wollten. In einer anderen Situation war ein Mensch in einer Barrikade am Hals fest gekettet, in der die Polizei den Warnungen keinen Glauben schenkte und ganze Menschenmengen gegen die Barrikaden schubste, wodurch die Barrikade instabil wurde und das Leben des festgeketteten Menschen in Gefahr war.

Das ist nur eine kleine Auflistung der Handlungen, in der die Polizei unverhältnismäßig handelte, Warnungen ignorierte, Menschen gefährdete und ihnen ihre Rechte verwehrte.

Eine umfassende, mediale und konkrete Thematisierung des Verhaltens seitens der Polizei blieb bisher aus. Wie ist es möglich, dass all das trotz der vielen Bilder und Berichte weiterhin als Ausnahmefälle betrachtet wird und es keinen Diskurs über die systematische Gewalt gibt? Die Polizei hat jetzt Gesichter bekommen. Und zwar die Gesichter der Kontaktbeamten.

Mitunter erzählen die Kontaktbeamten von ihren Gefühlen. Sie erzählen, was ihnen Angst macht und was sie sich wünschen. Dass sie hier sind, um Straftaten zu verhindern und sich sehr wünschen, dass alles friedlich abläuft. Dass sie außerdem Wälder gerne mögen und junge Menschen, die sich für etwas einsetzten. Dadurch gelingt es ihnen, dass Menschen Mitgefühl entwickeln. Für die Polizist*innen, die ja schließlich Räumungen und Einsätze im Hambacher Wald durchführen „müssen“. Unverständnis entsteht für die jungen, ungezähmten, unvernünftigen Besetzer*innen, von denen ja die Gewalt ausgehen muss, wenn die Polizei sich doch so sehr eine friedliche Lösung wünscht.

Im krassen Gegensatz dazu steht das Bild, das die Polizei in den Köpfen der meisten Waldbesetzer*innen hinterlassen hat. Volluniformierte, maskierte, schwerbewaffnete menschliche Mauern mit vorgezogenem Visier, die Gesprächsversuche mit Pfefferspray und Schlagstöcken beantworten. Wenn die Polizei in den Wald kommt, um „Straftaten zu verhindern“, dann hat sie kein Gesicht, nicht einmal Dienstnummern, die sie ausweisen würden. Mit den neuen Polizeigesetzen, die in den nächsten Monaten in Kraft treten sollen, wird der Polizei der größte Handlungsspielraum seit dem zweiten Weltkrieg eröffnet. Die Polizei, die in den Wald kommt, kommt voll vermummt und mit Schusswaffe. Interessanter Weise versucht die Polizei wiederum ein Bild von uns zu zeichnen, welches dem, das sie selbst im Wald hinterlassen, gleicht. In dieser Darstellung sind wir maskierte, gesichtslose, gewalt­orientierte Ökoterrorist*innen die eine Menge Müll hinterlassen, entmenschlicht und eine Bedrohung für die Bevölkerung.
Stell dir vor, ein schwarz vermummter Polizist mit Helm und Schlagstock unterhält sich mit den besorgten Anwohner*innen oder der Presse und erklärt ihnen, er wäre nur zu ihrem Schutz da. Das funktioniert nicht. Deswegen die Kontaktbeamten.

Spaltung der Bewegung

Das funktioniert ganz harmlos durch interessierte und empathische Gespräche. Denn wenn die Polizist*innen, mit denen Supporter*innen reden, und die Aktivist*innen, mit denen sie reden, ganz nette Menschen sind, dann muss es ja eine dritte Gruppe geben, von der die ganze Gewalt ausgeht. Nämlich, wie sich der Polizist dann beeilt zu sagen, die „bösen“ Aktivist*innen. Hä? Naja ist doch ganz logisch. Es gibt die guten Aktivist*innen, die reden mit dir, und dann gibt es noch die gewalt­orientierten, die vermummten, die aus der autonomen Szene in Hamburg, Berlin und Leipzig (die aus dem Fernsehen, die immer Autos anzünden), die Steine schmeißenden, denen es gar nicht um den Wald geht. Und die sind dann am Ende daran Schuld, dass die Situation eskaliert.

Und so schnell verschiebt sich der öffentliche Diskurs von einer Klimakrise, die unseren gesamten Planeten bedroht, hin zu der Frage, warum die jungen Leute im Fernsehen eigentlich nicht ihr Gesicht zeigen und was sie denn zu verbergen hätten. Und das alles wegen dem netten Menschen von der Polizei, der so freundlich und familiär vor der Kamera steht, dass krasse Zerstörung von RWE und die Polizeigewalt während der Räumung gar nicht mehr so präsent und schrecklich wirken.

Für den Widerstand ist jegliche Form von Protest wichtig und notwendig, ob als militante Aktion, friedliche Sitzblockaden oder Menschen, die Essen vorbei bringen. Es ist ein großes Risiko für Politiker*innen, sich die Gunst der Wähler*innen und dadurch Macht­einfluß zu verspielen. Deswegen brauchen sie einen anderen Grund, um den Wald zu räumen, als banales wirtschaftliches Interesse, einen, den die Menschen verstehen. Nämlich uns, die gewaltbereiten, vermummten Krawalltourist*innen.

Wenn der Widerstand gespalten ist, einerseits in den demokratisch legitimierten, friedlichen Protest und andererseits in den schlechten und sinnlos gewalttätigen Protest, dann erst lassen sich diese enorme Zerstörung von Natur, Umsiedlungen und Gewalt gegen Menschen rund um den Hambacher Tagebau mit gesellschaftlichem Rückenwind durchsetzen.

Mit der CDU und der FDP in der Landesregierung hat die Politik ein Interesse daran, RWEs Forderungen durchzusetzen. Sie wollen die Hambacher Wald Besetzung nicht und sie befehligen die Polizei.

Sammeln von Informationen

Die angebliche Verhandlungsbereitschaft der Polizei ist eine Farce. Denn sie hat als ausführendes Organ keinen Handlungsspielraum, sondern handelt im Willen der Regierung. Wir wollen keinem*r Polizeibeamten*in absprechen, dass sie oder er persönlich den Wald wirklich gerne mag und Kohle blöd findet. Aber Polizist*innen werden nicht aufhören, in ihrer Funktion zu handeln, so lange sie ihren Job behalten wollen, und der besteht nun mal darin, Widerstand zu verhindern und nicht, das eigene Gewissen nach einer individuellen Entscheidung zu befragen. Wir glauben nicht, dass Polizist*innen unheilbar schlechte Menschen sind, aber sie haben sich eben dafür entschieden, Befehle auszuführen anstatt selber nachzudenken. Niemand muss Bulle sein.

Kontaktbeamte sammeln Informationen, auch und vor allem in netten, harmlosen Gesprächen. Gerade soziale Strukturen, Stimmungen innerhalb der Bewegung und zwischenmenschliche Verbindungen oder Schwierigkeiten sind von großem Interesse für die Polizei.

Folgen

So wird unser Widerstand gegen eine riesige globale und auch lokale Ungerechtigkeit ganz still und heimlich unterwandert, ohne offensichtliche Gewalt, ohne die alten Bilder von verletzten Aktivist*innen und durchgeschnittenen Kletterseilen, nur durch ein paar nette Menschen in Sicherheitswesten, denen doch nun wirklich niemand misstrauen kann.

Die alltägliche Brutalität der Polizei ist in den letzten Wochen um einiges sichtbarer geworden. In der momentanen ruhigeren Zeit nach der Räumung setzt die Polizei nun wieder auf bürgernahe Kommunikation, doch hinter der Verpackung steckt noch immer das gleiche Staatsorgan, welches für die oben schon beschriebenen systematischen Polizeigewalt verantwortlich ist und dafür Sorge trägt, dass RWE ungehindert mit seiner Umweltzerstörung fortfahren kann.

Solidarisiert euch mit den Menschen, die die Polizei nicht im Wald wollen und fallt nicht auf deren Manipulation herein! Wir lassen uns nicht spalten und werden weiterhin gemeinsam gegen Machteliten in Politik und Wirtschaft vorgehen, die unseren Planeten zugrunde richtet.

– ein paar Aktive aus dem Hambacher Wald

Der Text ist eine leicht veränderte und aktuellere Form von diesem Blogbeitrag, der Anfang des Jahres erschien.

Statement zur Teilnahme des Polizei­präsidenten von Aachen beim Waldspaziergang

Rückblick zu Repression vom Ermittlungsausschuss

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26 Kommentare

  1. Kann Euch gut verstehen.
    Bleibt Euch treu. Nichts sollte den Widerstand gegen RWE und seine Handlanger spalten.
    Die Polizisten sollten mittlerweile spüren, dass sie auf der falschen Seite stehen, wenn sie im Auftrag von Marionetten-Politikern Klimakiller-Interessen durchsetzen.
    Das gilt auch für manche menschlich sicher netten Kontaktbeamte, wie sie neulich in einem Arte-Beitrag zu sehen waren. Ihnen kann man nur raten: wendet Euch ab und wehrt Euch gegen den Einsatz.
    Hambi bleibt!
    Kernberg, Kukum, Manheim bleiben!
    Reul geht!

  2. Hallo, ich kann Eure Haltung vollkommen nachempfinden nach den ganzen brutalsten Polizeiaktionen in den Wochen der Räumung. Ich war gestern auch auf dem Spaziergang. Aber ihr müsst auch die Leute verstehen, nämlich die „Mittelalten“, die vielleicht einen anderen Blick darauf haben und für die Polizei nicht gleich Feind ist, jedenfalls nicht in jeder Situation. Die werden nämlich genauso verheizt wie Ihr. Das ist eine ganz schwierige Geschichte. Wenn Ihr Wert legt auf den Rückhalt auch bei den bürgerlichen Menschen, dann kommt so was teilweise nicht sehr gut an, sorry. Ihr habt für mediale Aufmerksamkeit gesorgt, Ihr habt die tolle Geschichte ins Rollen gebracht, aber ohne die NGOs, ohne die vielen tausend Demonstranten, ohne die, die dauernd im Hintergrund wühlen so wie ich, wärt Ihr auch nicht mehr da. Wir dürfen uns nicht auseinanderdividieren lassen!! Das wäre fatal!! Und ich glaube, dass die Spaziergänger gestern, jedenfalls der weitaus größte Teil, sehr wohl einschätzen kann, was er von den Bullen zu halten hat. Die wahren Schuldigen für das globale Desaster sitzen in Politik und Wirtschaft und DIE muss man angehen mit aller Schärfe.Ich hoffe sehr, dass nicht wieder eine Räumung ansteht. Dann werde ich auch wieder aufschlagen aus dem fernen Bergischen Land. Liebe solidarische Grüße

  3. Mir kommen gleich die Tränen.
    Ihr habt noch keinen Cent in die Sozialen Systeme bezahlt. Seit gepampert und besetzt fremdes Eigentum. Seht ihr einen Polizisten, fangt ihr an zu hyperventilieren.
    Ich wünsche Euch den baldigen Besuch ganzer Hundertschaften von Polizei.

    • Immer wieder fällt mir auf auf diversen Seiten, auch hier, dass von der Gegenseite fast nur brutales Zeug und Hass von sich gegeben wird. Nichts Argumentatives, es wird sich nur ausgekotzt. Es wird gedroht, gepöbelt, Gift verspritzt oder es werden kleinbürgerliche Klischees abgesondert, im besten Fall. Gratuliere! So was nennt man demokratische Streitkultur. Wenn der Gegenseite nichts Intelligentes mehr einfällt, dann ist das auch ein gutes Zeichen: Diese Leute stehen mit dem Rücken zur Wand. Nur schlägt verbale Gewalt schnell in physische Gewalt um. Daher mein Appell: die neue Petition von Campact unterschreiben, die sich gegen Gewalt im Netz richtet.
      Was Polizei im Wald angeht, so bin ich mit meiner Einschätzung auch sehr vorsichtig. Ich habe es selbst nicht miterlebt und weiß aber, was da an Brutalitäten abgegangen ist. Das muss geahndet werden! Allerdings denke ich, auch ein Blick von außen kann vielleicht zur Diskussion beitragen.Ich will auf keinen Fall die polizeiliche Gewalt rechtfertigen.

    • Sie sind doch nur neidisch, dass die Polizei nicht mit Ihnen sprechen möchte.

    • Du hast keine Ahnung, von wem du redest….ich gebe dir ein Gesicht, das du weißt mit wem du redest.
      Ich bin 43….habe 3 Kinder und bin seit 2005 selbstständiger Orgelbauer.
      Die Tatsache, daß ich mich für den Wald und darüber hinaus für eine gerechte und lebenswerte Welt einsetze heißt nicht, daß ich nicht an der Gesellschaft teilhabe.
      Trotz friedlichen Auftretens wurde mir von der Polizei eine Rippe gebrochen.
      So und jetzt zu den Vorurteilen.
      So wie ich dich einschätze, feierst du bei jedem kleinen Schnupfen krank. Solch ein Verhalten ist mir nicht vergönnt. Nun ja Vorurteile sind schnell ausgesprochen….

    • alfred jodus quak

      so true!

  4. Liebe Petra,

    vor einiger Zeit hätte ich deinem obigen Feedback und deiner Einschätzung der Situation ohne Einschränkung zugestimmt.
    Aus eigener Erfahrung, insbesondere aus der jüngsten Vergangenheit, ergab sich für mich jedoch ein immer wieder
    neuer Blick auf die Gesamtsituation oder anders ausgedrückt
    auf das „Große Ganze“!
    Und diesen besonderen Blick erhält Mensch nicht von Außen
    durch Netz- und Medienrecherche, durch Besuche und Gespräche
    vor Ort, durch (vorbeigebrachte) Spenden jeglicher Art oder
    sonstigen WICHTIGEN Support.
    Dieses besondere Gespür und Nachempfinden für die vielen kleinen Details und ein sich daraus entwickelndes -für eine
    halbwegs faire Bewertung/ Einschätzung der Gesamtsituation notwendiges- Grundverständnis erhält Mensch ausschließlich durch eigenes Eintauchen und durch eigene praktische Erfahrung!

    https://www.youtube.com/watch?v=kMI7YCNGWTc

    http://cams21.de/politische-matinee-diskussion-mit-dr-michael-wilk-dr-annette-ohme-reinicke/

  5. Liebe Petra,

    mir geht es genauso wie Waldfrieden, ich hätte vor einiger Zeit noch Deinen Worten zugestimmt.

    Aber allein die monatelange Recherche nach Artikeln im Netz und vor allem das, was die Hambi- Aktivisti selbst hier immer wieder geschildert haben und was ich von Zeugen erzählt bekommen habe – wie auf Omis bei Waldspaziergang eingedroschen wurde, und zwar von Polizisten, wie die Festgenommenen durchwegs mit „DU“ angesprochen werden und wie es ihnen ganz oft schlecht ergeht (Sachen weg auf Nimmerwiedersehen, Knochenbrüche, Nasenbrüche, Rippenprellungen, unverhältnismäßige Schmerzanwendungen) und die Tatsache, dass praktisch keine der Strafanzeigen dagegen auch nur zu einer Anklage geführt hat – das zeigt mir jetzt und heute:

    Das große Unrecht wird von Polizeibeamten verübt, indem sie unverhältnismäßig handeln. Die Vorkommnisse hier scheinen viel, viel zahlreicher, ja sie scheinen strukturell vorgegeben zu sein, als die Gewaltanwendungen, die es seitens der Umweltaktivisten vereinzelt gegeben hat.

    Das große Unrecht wird weiterhin von Polizeibeamten verübt, wenn sie Maßnahmen durchführen, die rechtswidrig sind. Und es wird sich meiner Meinung nach sehr bald herausstellen, dass sowohl die Räumung der Baumhäuser als auch die Räumung der verlassenen Häuser rechtswidrig war – weil damit in unzulässiger Weise in das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung eingegriffen wurde.

    Dass es keine echte Möglichkeit gibt, Polizeibeamte zu belangen, die unverhältnismäßig Gewalt ausüben und die Festgenommenen beleidigen, indem sie diese mit „Du“ ansprechen, ist ein dauerhafter, systematischer und eklatanter Verstoß gegen die Rechtsweggarantie gemäß Art. 19 Abs. 4 Grundgesetz.

    Ich finde, die Polizei sollte erst einmal bei sich selbst aufräumen, bevor wir armes Volk mit immer weiter verschärften Polizeigesetzen konfrontiert werden dürfen!

    Diese neuen Polizeigesetze sind übrigens auch insoweit verfassungswidrig, als sie unverhältnismäßige, also unangemessene Eingriffe in Grundrechte ermöglichen!

    Ich finde, die Polizei sollte sich bei all den Verletzten erst einmal um Verzeihung bemühen und zum Ausdruck bringen, dass es ihr leid tut, bevor sich die Umweltaktivisten für das Verhalten einzelner von ihnen (Fäkalabwürfe, Steinewürfe) fremdschämen sollten….

    Ausserdem gilt: Wenn die Polizei rechtswidrig anrückt, um mich aus meinem Baumhaus zu werfen, obwohl ich da – vom Grundgesetz geschützt – unbehelligt wohnen darf, dann darf ich mich dagegen sogar verteidigen!

    Ich will jetzt hier nicht dazu aufrufen und ich bin weiterhin dafür, dass die Abwehr passiv und friedlich sein sollte, wenn mensch sich dafür entscheidet, nicht zu weichen

    … aber das ist dann auch gar nicht mehr strafbar! Recht braucht dem Unrecht nämlich nicht zu weichen …

    Der Polizist wird dann froh sein können, dass er auf Weisung seines Dienstherrn gehandelt hat und insofern nicht belangt werden kann, wahrscheinlich… aber der/die Aktivist/in wäre jedenfalls freizusprechen…..

    Und genau das wünsche ich uns allen: Dass es den Menschen endlich wie Schuppen von den Augen fällt, wer hier die Repressiven und die Unterdrücker und wer die Wahrer des Rechts und der freiheitlich-demokratischen Grundordnung sind:

    Es möge herauskommen, dass:
    die Repressiven die Behörden des Landes NRW sind, die rechtswidrig und unverhältnismäßig Grundrechte verletzen und die Wahrer des Rechts all jene sind, die sich friedlich für den Wald einsetzen und in Baumhäusern wohnen wollen.

  6. Zuerst einmal vielen Dank dass ihr euch die Mühe gemacht habt und so ausführlich erklärt habt warum Polizisten im Wald gar nichts zu suchen haben ich habe gestern auch an dem Spaziergang teilgenommen und beim Vorübergehen an einem Kontaktbeamten gehört wie dieser sagte der Wald braucht jetzt erstmal seine Ruhe woraufhin ich zu ihm und den Menschen im Vorbeigehen sagte lasst euch nicht einlullen er führt sich auf als wäre er jetzt ein Waldhüter und kein Polizist Michael Zobel hat auch darauf hingewiesen dass die Aktivisten im Wald aus verständlichem Grund traumatisiert sind und keine Polizei dort sehen wollen woraufhin ich dazwischen gerufen habe dass ich auch keinen sehen will oder dass wir als Besucher auch keinen sehen wollen später hat Michael noch einmal darauf hingewiesen dass wir uns nicht spalten lassen dürfen in das gutbürgerliche Lager mit seinem angeblich so friedlichen Protest und die nicht gesetzeskonformen Waldbewohner sondern dass wir ein und dieselbe Meinung haben und es da keinen Unterschied gibt und jeder auf seine Weise versucht den Wald zu retten

  7. Ich war mit schon oft im Wald und habe viele Aktionen der Polizei mitbekommen und erlebt.
    Ich bin nicht zimperlich und wer mich angreift, der muss mit Gegenwehr rechnen.
    Auf der Aufbäumen Aktion nahm ich meine Mutter, meine Tochter und meinen Neffen mit.
    Die Polizei drosch willkürlich auf Menschen ein.
    Pfefferte und schleppte Menschen über den Asphalt.
    Meine Tochter hat das alles mitbekommen und wollte heim.
    Sie weinte und sie traute sich bis gestern nicht mehr in den Wald.
    Als sie gestern Mut auf dem Waldspaziergang war,sah sie die beiden Beamten und frug erschrocken, was wollen die denn hier?
    Geht das gleich wieder los?
    Das Kind ist 11 und hat nur einmal Gewalt von Beamten mitbekommen und ist trotzdem traumatisiert.
    Wie soll es denn den jungen Waldmenschen gehen die 365 Tage im Jahr, bei Wind und Wetter ,diesen Repräsalien ausgesetzt sind.
    Ich kann die Bewohner verstehen…

  8. Ich war schon oft im Wald und wer mich angreift, der muss mit Gegenwehr rechnen.
    Auf der Aufbäumen Aktion nahm ich meine Mutter, meine Tochter und meinen Neffen mit.
    Die Polizei drosch willkürlich auf Menschen ein.
    Pfefferte und schleppte Menschen über den Asphalt.
    Meine Tochter hat das alles mitbekommen und wollte heim.
    Sie weinte und sie traute sich bis gestern nicht mehr in den Wald.
    Als sie gestern mit auf dem Waldspaziergang war,sah sie die beiden Beamten und frug erschrocken, was wollen die denn hier?
    Geht das gleich wieder los?
    Das Kind ist 11 und hat nur einmal Gewalt von Beamten mitbekommen und ist trotzdem traumatisiert.
    Wie soll es denn den jungen Waldmenschen gehen die 365 Tage im Jahr, bei Wind und Wetter ,diesen Repräsalien ausgesetzt sind.
    Ich kann die Bewohner verstehen…

  9. Also wenn Ihr nicht einmal nach diesen massiven Polizeieinsätzen auch nur ein kleines Bisschen etwas Positives für die Kontaktpolizisten übrig habt (die Euch ja durchaus auch geholfen haben könnten), dann denke ich, ist das Konzept hier endgültig gescheitert. Ist für mich auch keine Schande für die Kontaktpolizisten, da an der Aufgabe, zwischen Polizei und Aktivistis zu vermitteln, jede*r scheitern würde, selbst der Bundespräsident, die Bundeskanzlerin, Jogi Löw oder Günther Jauch.

    Ihr besetzt eben den Wald, um ihn zu retten, und die Polizei muss ihn räumen, wenn ihr es aufgetragen wird. Da ist effektiv kein Verhandlungsspielraum, der zur Vermittlung genutzt werden könnte.
    Eure „Angst“ vor Spaltungsversuchen oder Ausspionieren durch die Kontaktbeamten halte ich aber für übertrieben.
    Die Kontaktpolizisten arbeiten unabhängig von den Ermittlungsbeamt*innen, und ausspioniert werdet ihr sicher auf anderen Wegen.

    Kommunikationsbeamt*innen machen sicher sehr viel Sinn bei Leuten, die im wirren Zustand Menschen entführt haben oder kurz davor sind, vom Dach zu springen. Aber mit Sicherheit nicht bei Euch, die ihr die Gegebenheiten bestens kennt und Euch absolut klar darüber seid, was Ihr tut.

    Überhaupt sollte die Polizei vielleicht eher mal intern an der Kommunikation arbeiten. Dass wiederholt Kettensägengeräusche über Lautsprecher abgespielt wurden, finde ich schon äußerst niveaulos und kontraproduktiv. Und dann war da ja auch noch die Sache mit den Vietcong-Tunnelsystemen (zugegeben wahrscheinlich nur von einem*r Polizeibeamt*in ausgelöst, aber egal). Ebenso ist unklar, warum es bei den Begründungen für die Einsätze irgendwie einen Sinneswandel gegeben hat. Früher war es ja immer der Eigentumsschutz, jetzt ist es ja drohende Gefahr.

    Dass die Bauministerin vorgeschickt wurde (wohl von der Landesregierung), um aus Brandschutzgründen die Baumhäuser zu räumen, ist einfach mega-peinlich. Und dann gibt es Verletzte und sogar einen Todesfall (ich bin ehrlich: ich hätte mit noch Schlimmerem gerechnet). Wie soll Kindern noch vermittelt werden, dass sich die Polizei für den Schutz von Leib und Leben einsetzt (was ja auch noch als Ziel der Räumungen ausgegeben wurde)?

    Fast entsteht der Eindruck, der größte rechtsfreie Raum ist der Polizeiapparat.
    Und auch ein Bereich, in dem Geld keine Rolle spielt.
    Also über 20 Mio. Euro zu verausgaben, weil verhindert werden muss, dass meinetwegen 150 Anarchist*innen vielleicht mit Feuerwerk ein Gerichtsurteil eines OVG feiern könnten und es davon Bilder geben könnte, das ist schon krass.

    Als ich in der Grundschule war, sind Polizist*innen noch in die Klassen gekommen zur Verkehrserziehung. Das hat sehr viel Sinn gemacht. Irgendwann wurde entschieden, dass dafür keine Zeit und kein Geld mehr da ist.
    Keine Ahnung, wer dafür verantwortlich war. Aber das war eine krasse Fehlentscheidung.

    Ihr profitiert natürlich schon auch von diesem Chaos. Also ob sich die NRW-Bauministerin nochmal zur Deppin mit dem Brandschutz-Argument machen kann, würde ich bezweifeln. Und so richtig gibt es momentan ja keinen einleuchtenden anderen Grund für weitere Räumungen.

    Also ich bin echt froh, dass ihr nicht so leicht von der Bildfläche verschwindet, weil ihr echt was bewegt.

    Ansonsten tut sich ja auch fast nichts. Die Kohlekommission bekommt nicht mehr auf die Reihe, als ein buntes Sammelsurium an Ideen zu präsentieren, die es vorher auch schon gab. Nur wird alles nochmal neu durchgemischt und dann bekommen wir das magische Ausstiegsdatum aus der Braunkohle präsentiert, worüber dann in der Folgezeit ähnlich wie bei den Klimazielen unendlich sinnlos diskutiert wird.
    Wie soll denn auch ein Datum wie 2035 festgelegt werden, wenn keine*r weiß, wie viel Einwohner*innen Deutschland dann hat, wie viel Elektrofahrzeuge es gibt, wie gut die Speichertechnologien sind, wie die Digitalisierung sich entwickelt, wie viel Strom exportiert werden kann/muss usw.?

    Auf juristischem Weg ist es im letzten Jahr (OVG) auch keinen Millimeter weitergegangen. Und die Landesregierung wird in den nächsten zwei Jahren weiter auf Zeit spielen, um die Regierungsmehrheit nicht zu gefährden.
    Also dass der Hambi vor 2025 gerettet ist, damit rechne ich nicht.

    Wer nur ein bisschen an die Zukunft denkt, muss euch einfach unterstützen, damit es voran geht.
    Ihr habt super Ideen, seid hervorragende Baumeister*innen, große Expert*innen zum Thema Klimaschutz und habt auch sehr gute Ansätze für einen gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Solidarität, der gerechten Verteilung von Allgemeinkosten und staatenübergreifendem Handeln.

  10. Lieber Peter,

    die Polizei muss den Wald gar nicht räumen, auch und vor allem dann nicht, wenn es ihr aufgetragen wird.

    Zunächst einmal: Wer ist hier die „Polizei“?
    a) es sind die einzelnen Vollzugsbeamten. Die können nicht so einfach sagen, sie räumen nicht, weil sie es für rechtswidrig halten …. oder? Ich bin zwar Juristin, gebe aber zu, da muss ich noch mal nachdenken. Ich habe gelernt, dass ein Beamter zwar remonstrieren kann, also seinem Vorgesetzten sagen kann: „Das geht nicht, das verstößt gegen die Grundrechte, und daher ist es rechtswidrig.“, aber er / sie muss trotzdem tätig werden …. wie gesagt, es ist schon lange her und vielleicht gibt es auch Ausnahmesituationen, wo ein Polizist/ eine Polizistin den Dienst verweigern darf … es würde mich überhaupt nicht überraschen, wenn das hier genauso eine Ausnahmesituation wäre! Aber machen wir uns nichts vor: Aktuell müssten die Vollzugsbeamten/innen da ziemlich viel Druck von ihren Kollegen und Vorgesetzten aushalten, wenn sie einfach den Dienst verweigern ….

    b) die „Polizei“, das ist die gesamte Behörde, und über die bestimmt der Polizeichef. Und über dem steht das Innenministerium…..

    Und jetzt mal die Frage: Wer verlangt eigentlich von der Polizei andauernd, dass sie die Baumhäuser und die besetzten verlassenen Häuser in den bedrohten Dörfern räumen soll?

    Ist das nicht das Innenministerium selbst? Oder kommen hier Anforderungen von einzelnen anderen Behörden (welche), die die Polizei dann laut Innenministerium auszuführen hat?

    Überall entscheidet das Innenministerium.

    Und noch mal zur Wiederholung: All diese Behörden – samt Innenministerium – sind an Recht und Gesetz gebunden und für sie gelten die GRUNDRECHTE als unmittelbar geltendes Recht!

    Das steht definitiv in unserer Verfassung.

    Und wenn die Räumung gegen Artikel 13 Grundgesetz – Unverletzlichkeit der Wohnung – verstößt, weil es erstens gar kein Gesetz gibt, dass diese Räumungen erlaubt und zweitens auch die Voraussetzungen des Artikel 13 Abs.7 Grungesetz nicht erfüllt sind – wir haben eben keinen Katastrophenfall im Wald (bzw. den haben wir erst dann, wenn die Polizei mit Hundertschaften anrückt, Bäume fällt, Tiere vertreibt, Knochen bricht, Unterholz wegräumt, Schmerzgriffe anwendet, Baumhäuser zu Fall bringt, Seelen verletzt und Flutlichtscheinwerfer auf den Wald richtet, und zwar WEIL DIE POLIZEI ANRÜCKT) – dann

    darf das Innenministerium einen solchen Polizeieinsatz überhaupt nicht erlauben.

    Und dann können die Polizisten endlich einmal zuhause bleiben, am Wochenende oder mit ihren Familien etwas Sinnvolles tun – einen Waldspaziergang machen, zum Beispiel, aber nur in echt ZIVIL und ohne Hintergedanken …… als echte Mitmenschen eben.

  11. Persönlich hatte ich bisher Glück mit den Beamten
    Wurde nicht kontrolliert und nicht zurück gewiesen

    War zugegeben nicht während der Räumung vor Ort dann sähe das bestimmt anders aus

    Wie auch immer
    Ich verstehe so langsam die pauschale Aussage „wir reden nicht mit den Bullen“

    Ich habe auf arte den Bericht gesehen mit den Kontakt Weidetierem und habe das nachempfunden was hier beschrieben wird mit netten mittelalten Personen denen man nur allzugern glaubt was sie versöhnlich über die Waldbesetzer sagen

    Dieser Bericht hat mir jedoch die Augen geöffnet

    Ich bin mehr als mittelalt und sage hier und jetzt
    NEIN zu den Weidetieren nicht hier, nicht jetzt und schon gar nicht im Wald wo ihr einfach zu viel Gewalt zugelassen habt

    Eure ausführliche Argumentation erscheint mir logisch und deshalb richtig

    Man kann nicht all das durchziehen und dann mit solchen Methoden versuchen die Wogen zu glätten und den Widerstand zu spalten

    Danke für dieses Statement !!!

    Polizisten denen etwas am „Hambi“ liegt sollten den Befehl verweigern und nicht als Kontaktbeamte gut Wetter machen

  12. Hallo „ich“,

    also ich kann gerne mal zusammenschreiben, was ich so aufgeschnappt habe.
    Mir fehlt aber das juristische Hintergrundwissen, das alles richtig einzuordnen.
    Die juristisch geprägten Kommentare hier im Forum lese ich mir immer ganz ehrfürchtig durch.

    Also offiziell hat die Polizei Aachen geäußert, dass sie bei der Räumung Amtshilfe für Behörden in Düren und Kerpen leistet.
    Im Vorfeld hatte es eine Anweisung der Ministerin Scharrenbach an diese Behörden gegeben.
    In der Begründung hat Ministerin Scharrenbach den Schutz von Leib und Leben angegeben.
    Konkret wurde bemängelt, dass Brandschutzbestimmungen nicht eingehalten wurden.
    Auch die Verlesung der Räumungsaufforderung vor Ort ist von den städtischen Behörden erfolgt, also nicht z. B. von einem Gerichtsvollzieher nach richterlicher Anordnung.
    Eine richterliche Anordnung hätte abgelehnt worden sein können (wohl wegen des geschützten Wohnraums).

    Die Zulässigkeit von Räumungen auf Veranlassung der Behörden ist aber von Gerichten bestätigt worden.
    Ich bin mir nicht sicher, aber ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass ein Abriss der Baumhäuser eigentlich nicht von den Gerichten genehmigt wurde.
    Ich denke mir das so, dass den Bewohner*innen erst hätte Gelegenheit gegeben werden müssen, den Brandschutz in Ordnung zu bringen (was aber denke ich unrealistisch gewesen wäre).
    Auch wegen des Naturschutzrechts (Haselmäuse in einigen Baumhäusern) wäre ein Abriss evtl. nicht zulässig gewesen.

    Ich gehe davon aus, dass der Grundsatz der Unverletzlichkeit der Wohnung nicht immer gilt. Bei Bombenentschärfungen, Hochwasser usw. dürfen Wohnungen ja notfalls auch geräumt werden.
    Die Polizei darf sicher Amtshilfe leisten, ohne jedes Mal beim Innenminister nachfragen zu müssen.
    Ob der Innenminister nur eingreifen kann oder evtl. muss, wenn es größere Gesetzeskonflikte gibt, weiß ich auch nicht.
    Innenminister Reul hat auf jeden Fall am Freitag nach dem Tod des Journalisten in einem WDR 2-Interview ausdrücklich betont, dass er nur im Namen der Landesregierung spricht (was dann denke ich so interpretiert werden muss, dass er selbst keine Verantwortung für die Einsätze bis zu diesem Zeitpunkt übernommen hat).

    Zusammnensortieren musst Du Dir das Ganze jetzt selbst.
    Ich hoffe, ich habe Dir trotzdem ein bisschen helfen können.

    • Lieber Peter,

      was Du beschreibst, zeigt doch vor allem, dass die Behörden ihre Willkür gegenüber den Baumhausbewohnern nicht begründen können.

      Artikel 13 Grundgesetz steht in der Normenhierarchie ganz, ganz oben.

      Und wenn dieses Grundrecht beeinträchtigt wird, ohne dass es durch ein verhältnismäßiges und angemessenes Parlamentsgesetz explizit erlaubt ist – meines Wissens gibt es kein „Wir dürfen Baumhäuser aus Wäldern rausräumen, wenn es der waldbesitzende Konzern verlangt.“-Gesetz – und ohne dass ein Fall es Artikel 13 Abs. 7 – also so eine Art Katastrophenfall – vorliegt, dann

      müssen die Behörden, und zwar alle, die Baumhäuser und deren Bewohner in Frieden lassen!

      Da beißt die Maus keinen Faden ab!

      Grundrechte binden die Gesetzgebung, die Verwaltung und die Gerichte als unmittelbar geltendes Recht, gemäß Artikel 1 Abs. 3 Grundgesetz.

      Daran kommen die nicht vorbei. Fertig.

      Die Polizeieinsätze sind die einzige Katastrophe, die ich hier erkennen kann.

      Und erst die Reaktionen darauf – wo sich die bedrohten Baumhausbewohner wehren – werden dann als Gewalt und ganz schrecklich dargestellt, als „Linksextremismus“.

      Dabei ist das doch einfach nur Notwehr, und die ist völlig LEGAL und RECHTMÄßIG.

      WENN ICH MEINE GRUNDRECHTE VERTEIDIGE UND DAFÜR ALS LINKSEXTREME GELTEN SOLL,

      dann bin ich ab jetzt auch „linksextrem“, und zwar aus vollem Herzen und mit beiden Beinen fest im Grundgesetz verankert.

      Lasst uns alle „linksextrem“ sein!

      Ich bin eine Linksextreme. Ich liebe nämlich das Grundgesetz und bin bereit, es mit allen rechtlichen und öffentlichen und legalen Mitteln zu verteidigen. So richtig extrem, und zwar immer! Und voll friedlich, damit sich die Mächtigen noch mehr in den Hintern beißen!

      Voll linksextrem bin ich. Ab jetzt.

      Ihr auch?

  13. Hier rechts neben diesem Artikel steht die Danksagung der Familie Meyn.

    Und da ich irgendwie Ehrfurcht habe, schreibe ich da jetzt nicht direkt drunter.

    Das war ein echt nett aussehender junger Mann. So strahlend.

    Es ist echt bedrückend, dass er nicht mehr am Leben ist. Immer sieht mich dieses Bild an … und keiner schreibt was. Wahrscheinlich haben die alle Ehrfurcht und wollen sich nicht so wichtig machen ….

  14. https://twitter.com/HambiBleibt/status/1061636385944276994

    Nicht zielführend und kontraproduktiv war der knapp 3wöchige kostensprengende, brutal und gewalttätig gegen Mensch, Tier und Natur gerichtete brachiale Zerstörungseinsatz für die Agressoren, die ihn anzettelten/ auslösten.

    Miteinander reden, im Gespräch (Dialog!!) bleiben, setzt Augenhöhe und faire Rahmenbedingungen voraus, die hier nie
    gegeben waren und damit keinerlei Legitimation haben.

    Im Übrigen ist es seitens der „Gelbe-Westen-Träger“ mehr als dreist, nach diesem wochenlangen Horror und der durch ihre Zunft ausgelösten Traumatisierungen dann vor laufender Kamera ihre Betroffenheit vorzutäuschen und vergangenen Sonntag erneut für Retraumatisierung zu sorgen.

    Wenn Mensch bestimmte Vorgänge/ Abläufe/ Dienstanweisungen nicht mehr vertreten kann bzw. möchte, hätte es entsprechende Mittel und Wege gegeben, die auch vereinzelt genutzt worden sein sollen…

    Schlichtungen, politische Mediationen wie z.B. bei Stuttgart 21 u.ä. dien(t)en i.d.R. ausschließlich dem einseitigen Interesse der Verfestigung des Machterhalts und Spaltung der Proteste!

    http://www.edition-av.de/buecher/strategische_einbindung.html

  15. Liebe Aktivistis,
    Ihr könnt mich für den folgenden Text steinigen, vermutlich gebe ich Euch am Freitag Gelegenheit dazu, aber das muss ich jetzt loswerden.
    Kann es sein, daß Ihr jetzt schwächelt? Oder wart Ihr etwa so naiv, zu glauben, dass Ihr den Leuten, die die Hebel der Macht in Händen haben, von den Bäumen aus eine lange Nase drehen könnt, ohne dass denen irgendwann mal der Geduldsfaden reißt?
    Diese Kreaturen drohen einfach mit Wohlstandsentzug in Form von Arbeitsplatzvernichtung, und schon spuren unsere Damen und Herren Politiker/innen, werden kreativ in der Auslegung bzw. Missachtung der Gesetze und zeigen Leuten wie Euch mal eben wo
    es lang geht.
    Soso, man/frau hat Euch geduzt, Euch gedemütigt, psychisch unter Druck gesetzt und sicherlich auch körperlich mishandelt. Habt Ihr etwa nicht gewusst, worauf Ihr Euch da einlasst? Das kann ich nicht glauben. Und bisher habt Ihr es „nur“ mit Polizisten zu tun gehabt. Erinnert Euch doch mal an den „Kameraficker“ von der privaten Seku-Truppe. Der hat nicht lange um Erlaubnis oder nach Recht und Gesetzt gefragt.Der hat jemandem einfach so ohne Not auf die Schnauze gehauen. Bereitet Euch lieber auch auf solche Situationen vor. Euer Standpunkt vom friedlichen Widerstand wird unterhalb eines gewissen geistigen Niveaus nicht mehr verstanden.
    Verteht mich bitte nicht falsch. Für mich seid Ihr Helden, ja, Ihr gebt mir sogar die Hoffnung auf eine Zukunft für meine Kinder und meine Enkel, und zeigt, dass Eure Generation noch viel mehr drauf hat, als zu chillen und zu shoppen.
    Und wenn es manchen von Euch jetzt richtig dreckig geht, dann kann ich das verstehen, aber Ihr solltet das nicht so propagieren, wie Ihr es hier tut und am Sonntag getan habt:
    Die „Polizeihanseln“ nicht mal ignorieren!
    Und uns Waldspaziergänger, insbesondere mich, sollte man nicht unnötig anranzen, weil er/sie ihre Hunde rufen. Wenn hunderte Leute durch den Wald traben, und eine/r davon nach seinen Hunden ruft, dabei evtl. ein Schreitrauma bei einer*em Aktivist/en/in auslöst, dann wird es für Herrn oder Frau Akitvistin höchste Zeit, sich eine Auszeit zu nehmen. (Gerne auch bei uns)
    Aber so, wie es am Sonntag lief und wie es hier in diesem Beitrag weitergeht, schadet Ihr der Sache. Einerseits zeigt ihr der Obrigkeit, dass Ihr langsam mürbe werdet, und andererseits könnte Verhalten, wie soeben beschrieben, den/die eine oder andere Unterstützer/in verprellen. (Mich nicht, ich hab ja gleich an Ort und Stelle Dampf abgelsssen).
    Ihr habt soviel erreicht. Bitte haltet durch. Und wenn es sein muß, sind auch im Nu wieder zehntausende Ökomob/se/innen zur Stelle. Ihr könnt Euch, zumindest was Unterstützung von Aussen angeht, auf uns verlassen.
    Gruß Jojo

    • „Kann es sein, daß Ihr jetzt schwächelt? Oder wart Ihr etwa so naiv, zu glauben, dass Ihr den Leuten, die die Hebel der Macht in Händen haben, von den Bäumen aus eine lange Nase drehen könnt, ohne dass denen irgendwann mal der Geduldsfaden reißt?“

      In einem Satz schreibst du, du siehst waldmenschen als Helden, du unterstützt sie und gleichzeitig haust so eine Kackscheiße raus. Anscheinend warst du während den Räumungen nicht im Wald, oder hast währenddessen komplett augen und ohren verschlossen, dass du so eine vedrehte einschätzung ablieferst. Deine Aussage ist vollkommen daneben, verletztend und respektlos gegenüber allen Menschen, die in den letzten Jahren im Wald durchgehalten haben.

      „Und bisher habt Ihr es „nur“ mit Polizisten zu tun gehabt. Erinnert Euch doch mal an den „Kameraficker“ von der privaten Seku-Truppe. Der hat nicht lange um Erlaubnis oder nach Recht und Gesetzt gefragt.Der hat jemandem einfach so ohne Not auf die Schnauze gehauen.“

      Die Polizei hat erfahrungsgemäß auch menschen „einfach so auf die Schnauze gehauen“, dabei ist aber der große Unterschied, dass sie oft ohne rechtliche Grundlage handeln, die meisten Handlungen im nachhinein als rechtswirdirg erklärt werden, und es für die Betroffenen Menschen so gut wie unmöglich ist, juristisch gegen polizei vorzugehen. Eine Strafanzeige gegen Polizei, die rechtswidrig deine knochen gebrochen
      hat o.ä. führt meistens nichts oder es kommt zu einer gegenanzeige. Secus dagegen sind meist unterbezahlte Mitarbeitende, die von RWE ausgenutzt werden und gegen die eine Anzeige wesentlich mehr Konsequenzen hat. Natrülich gibt es auch unter den secus menschen, die einfach bock haben zu prügeln und mit denen es immer wieder probleme gibt. Aber: es ist eine komplett andere story, wenn ein secu oder ein bulle dich zusammen prügelt.

  16. Was haltet ihr davon dass ich den Text oben warum keine Polizei im Wald erwünscht ist abschreibe und kopiere und beim nächsten Waldspaziergang an die BesucherInnen aus teile denn meistens sind es ja diejenigen die so etwas lesen die sowieso schon Bescheid wissen und Verständnis für die Menschen im Wald haben und ihre Traumatisierung durch die Polizei außerdem könnten sie sich dann schon ein Bild davon machen falls wieder solche Verbindungsbeamte dabei sind was deren tatsächliche Absicht ist nämlich die Bewegung zu unterwandern bitte gebt mir eine Rückmeldung dann würde ich mich um alles kümmern den Text abschreiben und kopieren und auch dann an die Menschen verteilen

  17. Amnesty startet jetzt eine Studie zur Körperverletzung im Amt – also v.a. durch Polizeibeamte -. Das ist wohl das Ergebnis dessen, was wir u.a. und vor allem im Hambacher Wald beobachten mussten:

    Exzessive Gewaltanwendung durch Vollzugsbeamte bei Festnahmen kommt regelmäßig vor.

    Hier ist der Link zur Studienbeginnsverkündung:

    http://amnesty-polizei.de/studie-zu-koerperverletzung-im-amt-startet/

  18. @Apfelkuchen,
    offensichtlich hast Du wenig über meinen Komentar nachgedacht, hast nicht verstanden, worum es mir mit meiner „Kackscheisse“ geht.
    Ich war durchaus oft im Wald, im Gegensatz zu den meisten Anderen, von Euch natürlich abgesehen, auch am ersten Tag der Räumung morgens um 3 Uhr, wo sich dann ausser mehreren Tausend Polizisteninnen noch weitere 13 Personen als Lachnummer vor der ersten Barrikade postierten. Ich habe an diesem Tag auch den letzten Rest Glauben an unseren Staat verloren, den ich mir bequemerweise immer noch bewahrt hatte.
    Auch seither und auch Gestern war ich wieder im Wald und sorge mit meinem Support für gute Laune.
    Was ich mit meiner „Kackscheisse“ ausdrücken wollte: Es geht der Gegenseite runter wie Öl, wenn Ihr rumjammert, von wegen „der hat mir weh getan“, das durfte der aber nicht.
    Diese Dinge zu benennen und soweit möglich zu dokumentieren und zu komunizieren ist völlig richtig. Aber nicht so wie hier und auf dem Waldspaziergeng geschehen.
    Ihr habt dem Kampf aufgenommen, und wenn Ihr es auch ernst meint, dann solltet Ihr die Repressionen auch ertragen. Auch wir haben seinerzeit in Kalkar und Wackersdorf (da war ich nicht dabei) mächtig Prügel bezogen. Ich weiss vovon ich rede.
    Wenn Du das nicht aushälst, dann mach einen anderen Job, aber erzähl mir hier nicht von Traumablabla. Dieser Begiff wird ja Heute sowieso schon für jeden Klacks hergenommen. Wenn Du wissen willst, was Trauma bedeutet, dann geh mal in ein Flüchtlingsheim.
    Nein ich will Eure Leistung nicht mindern oder gar banalisieren. Aber verdammt nochmal seid doch stolz auf das was Ihr geleistet habt und ertragt die Scheisse mit Stolz. Nur so könnt Ihr gewinnen.
    Vielleicht können wir das ja mal im Wald besprechen. Meinen Nick benutze ich auch dort, so wie überall seit 60 Jahren.
    Gruß Jojo

    • Lieber Jojo,

      Du scheinst ja ein echt harter Kämpfer zu sein… aber dürfen nur diejenigen gegen die Polizeirepression antreten, die ähnlich martialisch aussehen und dann noch Stärke markieren?

      Ich habe noch nie Polizeiprügel bezogen. Aber ich bin schon oft richtig wütend geworden.

      Ich bin Typ kleine 40jährige Frau, die mit Kochtopf und Holzlöffel Krach macht und ihre Meinung sagt und einfach nicht aufhört, zu reden…..

      Und ich bin der Typ, die gerne nachdenkt und ja, ganz viel über ihre Gefühle schreibt…

      Und hier muss ich Dir mal etwas sagen:

      Die Stärke des Rechts, der Gerechtigkeit und der Gefühle und das Recht auf Weichsein in dieser Welt setzen wir nur durch, indem wir

      weich sind.

      Und darüber reden. Und keine Angst haben und wenn wir welche haben, uns aneinander wenden, darüber reden, einander trösten –

      JE ÖFFENTLICHER, DESTO BESSER.

      Sollen doch alle, die auch Angst haben, weil es keine harten Kerle sind, wie Du, die in den Kampf ziehen und die Schläge mit zusammengebissenen Zähnen einfach ertragen können,

      diese Angst zugeben, miteinander verarbeiten, MUT FASSEN und weiter das sein, was sie sind – was wir alle im Innern sind:

      VERLETZLICHE MENSCHEN.

      UNSERE VERLETZLICHKEIT IST UNSERE STÄRKE.

      Auch Deine.

      Aber es ist natürlich schön für Dich, wenn Du viele Muskeln hast – hätte ich auch gerne…. da kannst Du bestimmt auch ein paar von uns helfen, wenn sie bedroht werden….

      Ansonsten beschützt uns vor allem unser Miteinander und unser Zuhören, unser Reden, unser Sanftsein und unser Lautwerden für unsere Rechte …..

      All das Gute in uns beschützt uns…. dann kommt bestimmt auch mal Hilfe von oben … (religiös darf mensch auch mal sein…)

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