Presseerklärung 27.09.18

LORIEN WEITERHIN WIDERSTÄNDIG, REUL WEITERHIN WIDERLICH

Ein weiterer Tag in dieser zähen, wochenlang andauernden Räumung durch Polizei und Staatsapparat für die Profite von RWE und der Kohlelobby ist vorbei.

Nach der Zerstörung von Oaktown, Gallien, Cozytown, Beechtown und Kleingartenverein ist Lorien die letzte Großbesetzung, um die noch gekämpft wird. Seit Tagen versucht die Polizei dort, die Menschen aus ihren Baumhäusern zu räumen.

Aber durch die große Unterstützung von Sitzblockaden, Stehblockaden und der Präsenz von vielen Menschen vor Ort haben wir erreicht, dass fast alle Baumhäuser noch stehen. TakaTuka ist das einzige Baumhaus, von wo die Kletterpolizei heute mit Hubsteigern Menschen “gerettet” hat und das im Anschluss wie Müll auf den Boden geschmissen wurde. Auch die Besetzung auf den Bäumen hat die destruktiven Vorhaben der Einsatzkräfte nicht einfach über sich ergehen lassen. Durch das ständige Besetzen der Traversen und des neuen Tripods, der in der letzten Nacht erbaut wurde, ist diese Besetzung noch immer am Leben.

Doch wie in den letzten Wochen ist die Polizei heute wieder sehr gewaltsam vorgegangen. Insbesondere die Menschen aus der Sitzblockade mussten das brutale Vorgehen der Polizist*innen am eigenen Leib erfahren. Einige wurden durch den Matsch gezerrt, die Nase gebrochen oder brutal an den Haaren gezogen. Beweisvideos dieser erschreckenden Aktionen verbreiteten sich rasch im Internet. “Wir sind friedlich. Was seid ihr?”, bleibt da nur noch kopfschüttelnd zu fragen.

Als Teil der Räumung haben sich immer offensivere Rodungen in den Gebieten der Baumdörfer etabliert. In den letzten Tagen wurden hunderte Bäume gefällt, um bei Lorien, wie auch schon zuvor in Oaktown, den Einsatzfahrzeugen noch mehr Platz zu verschaffen. Obwohl RWE erst ab dem 15. Oktober mit Rodungsarbeiten im 12.000 Jahre alten Hambacher Forst beginnen darf, macht dieser Energieriese immer wieder klar, dass er sich in Zusammenarbeit mit der Polizei problemlos über Gesetze stellen kann. Ob legal oder illegal, scheint für RWE keinen Unterschied zu machen. Der Bereich um die einsame Eiche, die das Baumhaus TakaTuka beherbergte, gleicht einem riesigen Parkplatz für ein Shoppingcenter, wie Menschen aus Lorien sarkastisch feststellten. Dieser komplett unnötige weitere Angriff auf die Natur zeigt mal wieder, wie egal RWE und der Regierung NRWs die Zukunft unser aller Leben auf diesem Planeten ist und dass sie einzig und allein der Maximierung ihrer eigenen Profite folgen.

Während unser Zuhause weiter zerstört wird, verbreitet die Regierung NRWs, insbesondere Innenminister Herbert Reul (CDU), immer wieder Falschmeldungen. So log Reul in seinen Aussagen im Innenausschuss zu dem Verhalten der Aktivisti nach dem tödlichen Unfall im Hambacher Forst. Anstatt “Scheiß drauf, Räumung ist nur einmal im Jahr” zu rufen, nachdem unser Freund tragisch von Beechtown abgestürzt ist, wie es Reul erzählte, zeigten Livestreams und Augenzeug*innen ein ganz anderes Bild der Situation. Herr Innenminister Reul, wir haben geschrien, wir haben geweint. “Mörder, Mörder, Mörder” klang es von den Bäumen, wie von den Menschen am Boden. Die Pietätslosigkeit und Respektlosigkeit der wiederholten Instrumentalisierung von Steffens Tod ist komplett inakzeptabel! Ihre Schuldzuweisungen sind nichts außer politisches Kalkül! Wir können nur unsere Fassungslosigkeit und Entsetzen über Ihre wiederliche Lügen wiederholt zum Ausdruck bringen.

Trotz dieser Verleugnungen und irrsinnigen Zerstörungswut geht der Kampf für den Erhalt des Hambacher Forstes und den sofortigen Kohleausstieg weiter. Wir sind viele, wir sind stark und wir sind immer noch hier. Ihr könnt uns aus unseren Baumhäusern räumen, aber die Bewegung zerschlagt ihr nicht. Ob durch Demonstrationen wie heute Abend oder durch Soliaktionen in ganz Europa, unsere Botschaft ist deutlich: Wir bleiben standhaft. Wir bleiben widerständig.

Hambacher Forst bleibt für heute und für immer!

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9 Kommentare

  1. Alerta! Hier geht’s wirklich um die Zukunft und ein schönes Leben. Alles ist gut so lang ihr wild seit. Kann leider nur solidarisch und in Gedanken dabei sein. Danke das ihr stark seit. Und bedenkt. Mit der Freiheit kommt die Verantwortung.

  2. Meine tiefe Bewunderung für euren Einsatz. Bin von der hartnäckig höchst widerwärtigen Haltung und dem mehr als rücksichtslosen Vorgehen der Landesgierung und des Konzerns entsetzt. Haben Anrufe und Briefe an RWE und Reul etc.noch Sinn? Man hat den Eindruck, die hören überhaupt nicht zu.

    • Danke dir auch für deine Taten gegen diesen Konzern. Ja, etwas tun macht immer Sinn. Aktiv sich etwas entgegenstellen hat einen Sinn. Mit Mitmenschen reden, RWE Strom boykottieren etc…. es gibt viele Wege in dem Widerstand!

    • Holla an alle weiblichen und männlichen und dazwischen sich befindenden Waldfeen und die es noch werden wollen,
      ich persönlich finde die Briefe auf jeden Fall sinnvoll! Gerne würde ich welche schreiben. Wer kann hier mal die entsprechenden Adressen nochmal posten und wie diese Einschreibensform heißt, dass die persönlich unterschreiben müssen bei der Ankunft? Ähm gerne auch die vorformulierten Texte vielleicht…?
      Thx!!!
      Freu mich drauf…

  3. liebe HAMBI-Aktivisten, ihr sprecht mir aus der Seele! war 2 Tage mit euch im Camp und im Wald und habe selten soviel positive Energie, Gemeinschaft und Einsatz für eine gute Zukunft gespürt. noch ehe ich bei Lorien richtig mithelfen konnte, hatte mich der Staatsapparat für 1 Woche ausgesperrt. Aber am 06.10. bin ich wieder da – und hoffe, dass noch tausende Andere kommen!

  4. Bleibt weiterhin standhaft! Ich wünsche euch viel Kraft und Ausdauer. Am Sonntag sind hoffentlich wieder viele im Wald. Guido

  5. Ich würde gerne die Pressekonferenz ansehen, finde aber keinen Stream.
    Ist sowas online, und wenn ja, wo?
    Wenn nein, kriegen wir einen?

  6. Tiefen Respekt und grosse Dankbarkeit für Euren Mut, die Kraft die Ihr einsetzt und das Ihr für so eine gute, wichtige Sache Euer Leben für uns alle auf Spiel setzt. Ich bedanke mich auch im Namen meiner Familie, und werde meinen Kindern, wenn sie etwas grösser sind, von Eurem Kampf für den Hambacher Forst erzählen ! Lasst Euch nicht unterkriegen !!

  7. Ich bin im Geiste und mit dem Herzen bei euch und den Bäumen!
    Leider leider gibt meine körperliche Verfassung es nicht her,
    vor Ort zu sein und mit euch zu kämpfen!
    Nichts was wir für die Schöpfung tun und erkämpfen ist jemals umsonst,auch wenn es äußerlich manchmal so scheint!
    Kraftvolle, wütende, traurige, entschlossene, und herzliche solidarische Grüße von einer Wendländerin.

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