Brief von Jus

Folgender Brief von Jus mit der Bitte um Veröffentlichung wurde uns gerade per Mail weitergeleitet. Übersetzung oben, Original unten.

„Compas! 21. September, Köln

Seit inzwischen 60 Tage werde ich festgehalten wegen Blockierung des Ausbaus des größten extreme-Energie-Braunkohletagebaus in Europa und seines größten CO2-Emittenten, der nicht nur die Zerstörung des Waldes verursacht. Ich trat und trete aber auch ein gegen die massiven sozialen und ökologischen Ungerechtigkeiten, unter deren Auswirkungen die Menschen im globalen Süden leiden.
Ich habe einen 23-tägigen Hungerstreik gemacht und habe dann den Hungerstreik so fortgesetzt: Fr.-So. keine Nahrung und zusätzlich kein Wasser am Sa.-So., um so die Aufmerksamkeit auf Klima-Ungerechtigkeit und Repressionen gegen ökologische und politische Aktivisten zu lenken. Während meiner Aktionen bekam ich das Essen in meine Zelle geworfen und getreten, das Licht wurde die ganze Nacht ein und aus eingeschaltet, das medizinische Personal bedrohte mich mit Zwangsernährung, schlug die Tür vor meiner Nase zu und bestand darauf, dass ich deutschsprachige Formulare unterschreibe, die ich nicht lesen konnte, während sie auch keine Übersetzungen bereit stellten, es wurden nach über 20 Tagen Hungerstreik Kommentare gemacht, wie, dass im Gefängnis gearbeitet (?!) werden sollte.
Jetzt, wo ich die Wochenendaktionen mache, erlebe ich eine Zunahme von Misshandlungen, wie Gefängnispersonal, das mich am Montag und Dienstag mit Hilfe von „vertrauten“ Häftlingen auf hungermangelhafte Diät setzt. Sie filzen meine Zelle und stehlen dabei (also ohne „offizielle“ Beschlagnahmung) Dinge wie Fotos und Artikel, die mit meinem Fall und Verteidigung zu tun haben und sie haben sogar gedroht, in meinen leeren Futternapf zu urinieren.
Da ich noch nie meinen zwei Großvätern begegnet bin, die mit viel Glück die Stalag I Kriegsgefangenenlager überlebt haben, nur um bald danach zu sterben (Jus stammt aus Polen), möchte ich die Solidarität und Unterstützung auf alle entrechteten und indigenen Kameraden ausweiten, die dieses gleiche Muster von Gewalt, Ausbeutung und Unterdrückung über mehrere Generationen hinweg erfahren haben. Dies wird jetzt immer noch deutlicher, mit der fortschreitenden Kriminalisierung von mehr Menschen und Formen des Protests und einem „Justiz“-System (Justitia = Gerechtigkeit!), das einmal mehr zu einer leeren Hülle verkommt und die Interessen von fossilen Brennstoff-Kapitalisten und Unterdrückern schützt.
In dieser harten Realität von Korruption und Repression möchte ich aufrufen zum Organisieren von Informationen und Büchern, zur Einrichtung einer Form intellektueller Unterstützung eines Gefangenenprojektes. Amorphous Books Across Bars (ABAB, Formlose Bücher durch die Gitter) ist ein kollektiver dezentraler Informationsaustausch im Gefängnis. Bitte unterstützt uns, indem ihr Zeitschriften, Broschüren und Zines von Privatadressen sowie Bücher aus Buchläden, von Großhändlern und Verlagen (die einzigen, die Bücher in Gefängnisse schicken dürfen), an:

Dariusz „Justice“ Brzeski
# 3236156
JVA Köln
Rochusstr. 350
50827 Köln
Deutschland

P.S. Ich verschicke Postkarten und informiere andere Gefangene über ABAB und weite Unterstützung aus. Etwaige Briefmarken, Postkarten, Spenden und Aufkleber zu diesem Zweck werden sehr geschätzt.

In Solidarität mit allen politischen Gefangenen, überall“

„Comrades ! Sept. 21 Köln

Having been detained now for 60 days for blockading the expansion of the largest lignite extreme energy mine in Europe and it’s largest CO2 emitter causing not just the destruction of the forest I was & am protecting but also massive social and ecological injustices to those suffering from its effects in the global south.
I have staged a 23-day hunger strike and continued Fri.-Sun. no food hunger strikes with no water on Sat.-Sun. to bring attention to climate injustice and repression against ecological and political activists. During my actions I’ve had food thrown and kicked into my cell, lights being turned on and off throughout the night, medical staff threatening me with force feeding shutting the door in my face and insisting that I sign forms in German that I could not read, not providing translations, with comments being made on 20+ day of hunger strike that’s that there should be work (?!) in jail.
Now with the weekend actions I am experiencing a crescendo of abuse with staff using the trustee inmates to put me on starvation deficient diet on Monday and Tuesdays. Raiding my cell and stealing (not even “officially” confiscating) items such as photos & articles related to my case & defense & even threatening to urinate in my empty food bowl.
Having never met two of my grandfathers who barely survived Stalag I prisoner of war camps, only to die soon after, I would like to extend solidarity and support to all disenfranchised and indigenous comrades who have experienced this same pattern of multigenerational violence and exploitation and oppression. Now becoming even more apparent with progressive criminalization of more and forms of protest and the “justice” system once again becoming an empty shell guarding the interests of fossil fuel capitalists and the oppressor.
In this stark reality of corruption and repression I would like to put out a call for organizing of info and books to prisoners project to set up a form of intellectual support. Amorphous Books Across Bars (ABAB) is a collective decentralized in prison exchange of information. Please support us by sending magazines, pamphlets and zines from individual addresses and books from bookstores, distributors and publishers (the only ones able to send these to prisons) to:

Dariusz “Justice” Brzeski
# 3236156
JVA Köln
Rochusstr. 350
50827 Köln
Germany

P.S. I am sending postcards and informing other prisoners of ABAB and extending support. Any stamps, postcards, donations and stickers towards that goal would be appreciated.

In solidarity with all political prisoners everywhere“

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3 Kommentare

  1. Ohne OED (Oxford English Dictionary)ist der Brief nicht ganz verständlich! Beispiel: „disenfranchised“!

    Kurt
    27.09.2015

  2. Gerade erst nehme ich zur Kenntnis, dass die Übersetzung folgen soll! Damit hat sich mein vorangegangener Kommentar erledigt!

    Kurt
    27.09.2015

    Edit: Die Übersetzung folgt, sobald jemensch eine angefertigt hat. Bislang scheint sich noch keinE FreiwilligeR gefunden zu haben 🙂

  3. Doch, ich. Kommt gleich

    Edit: Klasse, danke!

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