Jetzt: Rojava verteidigen! Berxwedan Jiyane!

Verhinderte Baggerbesetzung?!?

Wie an dieser Stelle schon berichtet wurde, gab es am Montag eine Konfrontation mit RWE-Securities im Hambacher Forst. Diese hatten eine Touristin aus England, die wohl auf einem Spaziergang die Zerstörung durch den Tagebau besichtigen wollte, ihrer Freiheit beraubt. Daraufhin waren ihr mehrere Aktivist_innen aus den angrenzenden Besetzungen zu Hilfe geeilt.
Auf die Frage, was der Gefangenen vorgeworfen würde, gaben die Sicherheitsbediensteten absurde Antworten: Sie unterstellten zum Beispiel einen Hausfriedensbruch – dieser ist im betreffenden Areal aber gar nicht möglich, weil es nicht durchgängig umzäunt und/oder beschildert ist. Außerdem verwiesen sie darauf, dass ihre flüchtigen Begleiter_innen angeblich Straftaten verübt hätten, was allerdings keine Rechtfertigung für ihre Festnahme ist. Insofern waren die Freiheitsberaubung, die Nötigung und die Körperverletzungen, die an ihr verübt wurden (und teilweise videodokumentiert sind), eindeutige Straftaten der Securities. Alle Maßnahmen zu ihrer Befreiung waren damit durch Nothilfe sogar auf legaler Ebene gerechtfertigt. Hätten wir nicht versucht, sie zu befreien, wäre das aus unserer Sicht unterlassene Hilfeleistung – und vor Allem völlig unsolidarisch.
Allerdings sind die Darstellungen von vier verletzten Securities auch komplett an den Haaren herbei gezogen. Im Gegenteil haben die Securities teilweise mit mehreren Dosen Pfefferspray gleichzeitig in die Menge gesprüht, ohne dass eine direkte Bedrohung für sie erkennbar gewesen wäre. Die zweite festgenommene Person wurde aus weniger als einem halben Meter gezielt ins Gesicht gepfeffert, während sie schon von drei Männern an einen Zaun gedrückt wurde und sich kaum bewegen konnte. Dies war möglicher Weise als Strafe dafür gedacht, dass sie versucht hatte, die andere Gefangene über ihre legalen Rechte in der BRD aufzuklären.
In verschiedenen Presseorganen (z.B. Kölner Stadtanzeiger, Aachener Nachrichten, Aachener Zeitung, Express) wurde die Falschmeldung verbreitet, dass die Aktiven versucht hätten, wieder einen der Schaufelradbagger zu besetzen. Auch diese Fehlinformation resultiert aus einer vorschnellen Übernahme der Pressemitteilung der Polizei – die Redaktionen von AN und AZ haben diese sogar einfach nur zum größten Teil kopiert. Es ist sehr bedauerlich und ein Trauerzeugnis für die deutsche Presselandschaft, dass die Falschmeldungen der Polizei unhinterfragt übernommen werden, ohne unsere Perspektive auf das Geschehen auch nur zur Kenntnis zu nehmen.
Von einer fehlgeschlagenen Baggerbesetzung kann keine Rede sein. Es ist geradezu beleidigend, welcher Dilettantismus uns da unterstellt wird. Die Dürener Polizei weiß inzwischen gut genug: Wenn wir etwas besetzen wollen, dann besetzen wir es auch. Sie weiß auch, dass der Ort des Geschehens etwa anderthalb Kilometer von der Abbruchkante des Tagebaus entfernt ist, und dass überhaupt keine Hinweise auf eine versuchte Baggerbesetzung vorliegen. Insofern muss von einer gezielten Irreführung der Öffentlichkeit ausgegangen werden. Es ist uns aber auch nichts Neues, dass die Polizei im RWE-Land genau so schnell die Lügen der Securities und sonstigen RWE-Angestellten übernimmt, wie die Presse die Falschmeldungen der Polizei unhinterfragt abdruckt.
Vor dem Hintergrund der großen Distanz zur Abbruchkante werden zwei Falschmeldungen besonders witzig: Erstens, dass die Aachener Nachrichten und -Zeitung titeln: „Aktivisten dringen in Tagebau Hambach ein“. Zweitens, dass der Express in seinem Übereifer noch eine Verhinderung der Besetzung „in letzter Minute“ erfunden hat.
Eine Videodokumenation, die unsere Version des Geschehens belegt, wird vorraussichtlich noch heute hochgeladen werden können. Wir empfehlen allen Zeitungen, die den Lügen von Polizei und RWE auf den Leim gegangen sind, zur Rettung ihrer eigenen Glaubwürdigkeit die unten stehende Richtigstellung zu übernehmen.

_______________

Pressemitteilung

Richtigstellung: Keine versuchte Baggerbesetzung, sondern Nothilfe

Am 07.04. wurde in der _____ (Zeitungsnamen einfügen) berichtet, dass am Montag eine versuchte Baggerbesetzung im Hambacher Forst durch den RWE-Sicherheitsdienst verhindert worden sei. Hierbei handelt es sich um einen Irrtum. Tatsächlich war der Auslöser der Konfrontation die Festnahme einer Touristin aus England durch den RWE-Sicherheitsdienst. Auf dem Blog der Waldbesetzungen (http://hambacherforst.blogsport.de) ist zu lesen, dass die Festnahme eine illegale Freiheitsberaubung war. „Hätten wir nicht versucht, sie zu befreien, wäre das aus unserer Sicht unterlassene Hilfeleistung.“, heißt es weiter. Die Aktiven üben außerdem scharfe Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit der Polizei, die einseitig die Darstellung des Sicherheitsdienstes übernommen hätte: „Die Dürener Polizei weiß inzwischen gut genug: Wenn wir etwas besetzen wollen, dann besetzen wir es auch.“ Dass vier Sicherheitsbedienstete teilweise schwer verletzt sein sollen, können sie sich nicht vorstellen. Im Gegenteil verurteilen sie das unnötig gewaltsame Vorgehen des Sicherheitsdienstes: Unter anderem sei einem Unterstützer, nachdem er schon von drei Männern gegen einen Zaun gedrückt wurde und sich kaum mehr rühren konnte, aus nächster Nähe Pfefferspray ins Gesicht gesprüht worden. Er hatte vorher versucht, die Gefangene aus London über ihre legalen Rechte aufzuklären.
Zum Beleg ihrer Darstellung stellen die Waldbesetzer_innen Beweisvideos in Aussicht. Wir werden weiter berichten.

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Richtigstellung

    In eurem Video ( Neuland Ablöseaktion ) wird die Behauptung aufgestellt das die Secus von der Firma Kötter sind, dies trifft aber nicht zu. Dort handelt es sich um Mitarbeiter der Firma Industrie und Werkschutz Mundt die ihren sitz in Frechen haben. Ich will dies nur anmerken da ihr ja so viel Wert auf Richtigstellung legt 😉 desweitern müsste euch aufgefallen sein das die Mitarbeiter der Firma Kötter grundsätzlich nur Dienstkleidung mit Firmenaufdruck trägt, genau so wie die Firmenfahrzeuge mit Kötter Aufdruck beschriftet sind, das könnt ihr auch an hand eures Bildmaterials bzw. euren Videos leicht feststellen. Die Aktion die dort stattgefunden hat seitens der Secus war nicht ok und deshalb finde ich sollte man auch die richtige Firma dafür Brandmarken und nicht die Firma die nichts damit zu tun hat. was auch für die Aktion am 06.04.2015 zählt

  2. Leute!
    Ich war am WE auf der Wiese und hatte zwei super Tage mit Euch,
    eine wirklich fette Gemeinschaft… Ich musste allerdings feststellen das einige Kollegen mit zuviel, übertriebenem Radikalismus an das Thema Umweltzerstörung rangehen. Es kann nicht sein, dass Gewalt ein legitimes Mittel zum Zweck wird!??
    Ihr zerstört damit die Idee des Pazifismus! Keine Gewalt! Dabei soll es bleiben!

  3. Ach ja! Euer Motto finde ich Super! „Kein Baum fällt“!
    Viel Glück weiterhin!

  4. Wie wichtig es ist, Übergriffe zu filmen, hat sich jetzt wieder in den USA gezeigt, wo ein rassistischer Cop einen schwarzen Autofahrer „in Notwehr“ erschossen hat, als eines seiner Rücklichter nicht funktionierte. Am Tag! Das Video einer Person, die zufällig vorbei kam, zeigt wie es wirklich war. Der Autofahrer fühlte sich bedroht, lief weg und wurde dann von 8 Kugeln getötet. So blieb der Staatsanwaltschaft unter dem massiven Druck der Bürgerrechtsbewegung nichts anderes übrig, als diesen Cop unter Mordverdacht zu verhaften. Ich ziehe den Hut vor der relativen Gelassenheit die ihr bewahrt, angesichts dieser organisierten Gewalttäter.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen