Räumungsdrohung für die Wiese ab 12.06. Weitere Infos hier

Solidaritätserklärung mit dem Autonomen Zentrum Köln aus dem Hambacher Forst

Mit dieser Erklärung zeigen wir uns solidarisch mit dem Kampf um’s AZ in Köln. Wir wollen diesen Kampf unterstützen mit einer Critical Mass am Sonntag, den 30 Juni von der Wiesenbesetzung (Losfahrt 16 Uhr) am Hambacher Forst ausgehend bis zum AZ in Köln Kalk. Denn ab dem folgenden Montag kann die Räumung stattfinden.

Vor nun mehr als 3 Jahren wurde die ehemals leerstehende Kantine in der Kalker Wiersbergstr. 44 besetzt. Seither ist dort ein Ort für unkommerzielle Politik, Kunst und Kultur entstanden und zu einem wichtigen Vernetzungsort für selbstverwaltete Strukturen geworden.

Es ist ein Ort entstanden, an dem wir zusammenkommen können, in einer sonst so anonymen, und isolierenden Welt. Dies sind Orte der Würde gegen den alltäglichen Verwertungszwang. Ob im Supermarkt oder bei der Wohnungsbesichtigung, stets ist unser Bezug zueinander einer, der sich auf Dinge, auf Waren bezieht. Nicht, wie es dem Menschen an der Supermarktkasse gerade geht, oder welche Bedürfnisse er_sie hat ist relevant, sondern alleinig, dass er_sie als Konsument_in dazu beiträgt aus Geld mehr Geld zu machen.
Selbstverwaltete Projekte, wie das AZ Köln brechen mit dieserLogik, schaffen Orte, an dem wir uns anders aufeinander beziehen können. Orte der Selbstorganisation und der Kreativität. Orte, an denen wir Dinge gestalten können, nicht weil sie sich lohnen im Sinne kapitalistischer Wertproduktion, sondern weil wir diese gestalten wollen.

Das widerspricht der kapitalistischen Verwertungslogik, die immer aggressiver darauf aus ist, keine solche Räume zuzulassen, in denen nicht jedes Bedürfnis und jede Handlung verwertbar ist, sondern sich offen gegen diese Logik organisiert wird. Deswegen soll das AZ nun weichen, wenn es nach den Interessen der Stadtverwaltung geht, die sich als Durchsetzer_in der Kapitalinteressen sieht. Interessant für uns ist übrigens, dass der Bürgermeister Kölns der die Räumung maßgeblich vorantreibt, Jürgen Roters, SPD, im Aufsichtsrat von RWE Power sitzt.

Jürgen Roters will das AZ abreißen, weil er an dieser Stelle gerne einen Grünstreifen hätte. Wenn Roters wirklich so auf Grünstreifen steht, haben wir einen Tipp für ihn: Anstatt das AZ abzureisen, könnte er sich unter seinen Kolleg_innen des RWE dafür einsetzten, dass der „Grünstreifen Hambacher Forst“ der einst ein ausgedehnter Wald war, und heute tatsächlich nur noch ein Grünstreifen ist, der die Dörfer Moshenich, Manheim und Buir vom Tagebau Hambach trennt – und den Großraum Köln von dem radioaktiven Feinstaub aus dem Tagebau. Wir fänden es einen guten Deal, sich dort für Grün einzusetzen und in Köln-Kalk für selbstorganisierte Kultur. Dass Roters sich in seiner Doppelfunktion dafür einsetzten wird glauben wir ehrlich gesagt nicht. Deshalb werden wir uns mit unseren Freund_innen vom AZ zusammentun und selber für beides kämpfen!

Das AZ bietet seit Jahren Räumlichkeiten für Vorträgen, Workshops, Konzerte, Umsonstladen, Seminarräume und mehr. Die Dynamik der Selbstorganisation, die im AZ herrschte hatte etwas inspirierenden und ansteckendes. Dass all das verschwinden soll, ist für uns unvorstellbar – und wir wollen es uns gar nicht vorstellen. Viel lieber wollen wir uns vorstellen wie es wäre, wenn Selbstorganisation zu einem vorherrschenden gesellschaftlichen Prinzip würde. Und da das nur in aktiven Kämpfen möglich ist, werden wir uns dem Kampf ums AZ anschließen, und gleichzeitig für zwei, drei, viele AZs kämpfen.

Der Nutzungsvertrag wurde von der Sparkasse Köln Bonn zum 30. Juni 2013 gekündigt. Ab 1.7.2013 ist die Stadt Köln neue Besitzerin des Gebäudes und plant, dieses abreißen zu lassen. Vom 28. Juni bis zum 07. Juli finden die gather and resist Tage im AZ statt. Beteiligt euch vielfach! Am 30. organisieren wir eine Fahrradtour von der Wiesenbesetzung ins AZ. Beteiligt euch auch daran. Wir fahren um 16 Uhr auf der Wiese los.

Lasst uns der Stadt klarmachen, dass sie sich mit einer Räumung des AZs nur Ärger macht!
AZ und Hambacher Forst bleiben!

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Hurra, so geht Faschismus, gegen die Gesellschaft, für ureigenste Interessen. Willkommen in der Realität.

  2. Das ist aber echt hochinteressant. War ja nicht anders zu erwarten von Willi, mit seinen fundierten Analysen der Besetzer*innen und des Weltgeschehens. Du schaffst es immer wieder, mit kurzen und prägnanten Sätzen, die auf den ersten Blick beinahe völlig wahllos erscheinen, das Gehirn eines jeden Lesers derart zu massieren, dass es sich vor Aktivität beinahe zu überschlagen beginnt. Auch bei mir wieder, die Fragen die dein Beitrag bei mir ausgelöst hat sprudeln nur so aus mir heraus.
    Was meinst du mit „die Gesellschaft“? Beziehst du da auch zum Beispiel die Leute ein, die durch die Kolonisierung weit weniger Privilegien geniessen, als du mit deinem ich vermute mal deutschen Pass? Zum Beispiel weil sie unter den Diktaturen zu leiden haben, die durch „Industriestaaten“ wie Deutschland aus „ureigensten Interessen“ etabliert und unterstützt wurden und werden, weil sie leichter zu kontrollieren sind? Beziehst du die vielen Menschen mit ein, die durch das Steigen der Meeresspiegel dank deinem geliebten Kohlestrom ihren Wohnort verlieren? Beziehst du diejenigen mit ein, die aufgrund vorangegangen Tatsachen in Staaten wie diesen hier zu Non-Citizens werden, wie die Hungerstreikenden Asylsuchenden in München (refugeetentaction.net)?
    Beziehst du Menschen mit ein, deren Lebensrealität sich von deiner unterscheidet, weil in der kapitalistischen Gesellschaft, die auf Konkurrenz beruht, die Einen lustiges Schokoladenwettessen machen, und die anderen verhungern?

    Und noch mehr fragen sprudeln aus mir heraus, es tut mir leid, ich kann gar nicht aufhören: wie definierst du Faschismus? Welche Merkmale muss eine Bewegung o.ä. aufweisen, damit du sie faschistisch nennst? Was wäre eigentlich, wenn die Mehrheit der Menschen so denken würde wie wir? Würdest du dann deine Meinung ändern oder würdest du deine Meinung Beibehaltung und damit „gegen die Gesellschaft“ sein und damit faschistisch? Ist also die einzige Möglichkeit, nicht faschistisch zu sein, mit der Masse zu schwimmen? Aber was passiert dann, wenn die Masse faschistisch ist wie es vor nicht all zu langer Zeit in diesem fortschrittlichen Staat hier geschehen ist?

    Und dann möchte ich dir noch danken Willy: Danke, dass du als eine*r der Wenigen hier auf diesem Blog nicht „ureigenste Interessen“ verfolgst. Die andern kommen alle mit so einem egoistischen Schwachsinn wie: „Kohlefeinstaub ist Radioaktiv“, oder: „die Klimakatastrophe verhindern“ oder „Dörfer sind nicht zum abbaggern da“ und so. Und du bleibst standhaft bei billigem Strom und viel Profit für RWE für ein konkurrenzfähiges Deutschland. Danke Silly, äh ich mein natürlich Willi.

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