Jetzt: Rojava verteidigen! Berxwedan Jiyane!

Heil Braunkohle?

Ein Kommentar zu den Ereignissen beim „Braunkohletag“ vor dem IHK-Gebäude am 16.5.13, wo von den demonstrierenden Gewerkschaftler*innen auch Nazi-Parolen skandiert wurden.

Aufgeheizt war die Stimmung am gestrigen Nachmittag auf dem Börsenplatz, wo sich mehrere hundert rotbekappte, zum Großteil jugendliche IG BCE – Gewerkschaftler*innen und ca. 30 Braunkohlegegner*innen gegenüberstanden. Sie hatten offensichtlich für den Tag von RWE extra freibekommen, wurden in Reisebussen angekarrt, befanden sich in ausgelassener Klassenfahrtstimmung und wurden vor Ort reichlich mit professionell gedruckten Schildern, Trillerpfeifen und Plastiktröten ausgerüstet.

Aufgestellt hatte sich diese Menschenmenge vor dem IHK-Gebäude, also dem eigentlichen Ort des Geschehens, sodass die eintrudelnden Politiker*innen und Lobbyist*innen von der Gegendemonstration (anfangs) kaum behelligt wurden. So bildeten sich die Fronten ca. 40m vom Gebäude entfernt: Auf der einen Seite die Klimaaktivist*innen mit Trommeln, Megafonen und Transparenten, auf der anderen Seite die wild trillerpfeifenden Gewerkschaftler*innen.

Der Versuch sich mittels Sprechchören wie „Euch lassen sie im Regen stehn, während sie die dicken Dinger drehn“ oder „In 20 Jahren ist ausgekohlt, dann schmeissen sie euch in den Müll. Den Bonzen seid ihr scheissegal- Auf sie mit Gebrüll!“ mit den (ausgebeuteten) Arbeiter*innen zu solidarisieren, wurde recht schnell aufgegeben angesichts der Vehemenz und des entwaffnenden Einfallsreichtums der zurückgeschleuderten Sprechchöre: „Braunkohle, Braunkohle, …“, „Hartz4, Hartz4, …“, „Assis, Assis, …“, „Geht zum Frisör, Geht zum Frisör, …“, und eigentlich recht treffend „Hier regiert die Braunkohle“.

So weit so schlecht, doch im Grunde nicht gerade überraschend. Wirklich besorgniserregend wurde die Situation erst, als plötzlich auch typische Neonazi-Sprüche vom Gewerkschaftsmob skandiert wurden. So hüpften sie zu „Wer nicht hüpft, der ist ein Jude“ auf und ab, bezeichneten Gegendemonstrant*innen als „Homos“ und die eine oder andere rechte Hand hob sich zum Hitlergruss. Dass es sich dabei nicht nur um blinde Provokation handelte, zeigten die von einigen Leuten zur Schau getragenen Nazibands-Fanartikel (Ein Freiwild-Shirt und ein Stahlgewitter-Käppi) und der Abschieds-Sprechchor: „Frei, Sozial, National“, ein typischer Neonazi-Spruch.

Anstatt sich gegen die Faschist*innen in den eigenen Reihen zu stellen und sie von der Demonstration auszuschliessen, feierten, skandierten und hüpften die übrigen RWE-Angestellten fröhlich mit. Es schien ihnen gar nichts Verwerfliches daran. Auch von der Demonstrationsleitung oder der Polizei erfolgte wie zu erwarten keinerlei Reaktion.

Es ist wahrscheinlich keine Ausnahme, aber doch erschütternd, wie weit rechts sich die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ verordnet. Dass nur ein Funke genügt, um aus demonstrierenden Gewerkschaftler*innen einen antisemitische- und homophobe Parolen brüllenden Mob zu machen.

Einen zusätzlichen bitteren Beigeschmack bereitet, dass es nicht das erste Mal ist, dass Nazis was mit Braunkohle am Hut haben. So wurde das Bergbaurecht zuletzt unter Hitler verschärft, um Enteignungen der den Tagebauen zum Opfer fallenden Flächen und Dörfern zu vereinfachen. Nazideutschland war bei seinem Kriegstreiben auf die „heimische“ Energie durch Braunkohle angewiesen. Damals wie heute wird Braunkohlestrom zur Herstellung von Kriegsgerät benutzt (u.a. von Rheinmetall). Damals wie heute wird den Vertriebenen erzählt, ihre Enteignung geschehe zum Wohle des „Volkes“.

In Kürze werden wir die Gewerkschaft IG BCE, den DGB und RWE in einem offenen Brief zur Stellungnahme auffordern. Auch wenn von dieser Seite nicht viel mehr als Lippenbekenntnisse zu erwarten sind, halten wir es doch für lohnenswert auf diese Weise die Zustände in der Gewerkschaft und im Unternehmen zu thematisieren.
Ansonsten bleibt uns nur, nach wie vor, dafür zu kämpfen, dass bald ein anderer Wind weht und dass wir bei der nächsten derartigen Aktion genug Menschen sind, um solchen Parolen entschlossener entgegenzutreten.

Scheiss Nazis!
Scheiss Braunkohle!

Und hier noch ein Artikel aus dem Schattenblick zum Protest gegen den Braunkohlentag.

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Zur Gegendemonstation der Gewerkschaften des „Rheinischen Brankohlenreviers“ aus Anlass des „Braunkohletages“ am 16.05.2013 bei der IHK Köln:

    Jeder Arbeitsplatz im „Rheinischen Braunkohlenrevier“ verhindert bzw. behindert die Entstehung von bis zu 10 und mehr neuen Arbeitsplätzen im Bereich der erneuerbaren Energien.

    Die Gegendemonstration der Gewerkschaften wird damit zur Gegendemonstration gegen die Interessen der Arbeitnehmerschaft, die die Gewerkschaften nach der Rechtsordnung zu vertreten haben. Ein Verrat der Arbeitnehmerschaft drängt sich geradezu auf.

    Kerpen-Buir, den 19.05.2013
    Kurt Claßen

  2. Einfach nur heftig! Das macht schon Angst…
    Danke für den tollen bericht.

  3. Sehr geehrte Gegner der Braunkohle,

    als Teilnehmer und ehrenamtlicher Ordner der IGBCE am besagten Braunkohletag möchte ich der o.a. Darstellungen dahingehend vehement widersprechen, dass unsere jugendlichen Teilnehmer sich an Neo-Naziparolen beteiligt haben, da sie an keiner Stelle dort gefallen sind. Weder wurde der Hitlergruß verwendet noch antisemitische Aussprüche getätigt. Das die Jugendlichen sich von ihnen haben provozieren lassen nd dann teilweise nicht politisch korrekt darauf reagiert haben, bitte ich zu Entschuldigen.
    Uns rechtschaffende Arbeitnehmer, die sich gewerkschaftlich organisieren und um und für ihre Arbeitsplätze und einen vernünftigen Weg in die Energiewende streiten als Mob zu bezeichnen, disqualifiziert sie für mich als ernstzunehmende Steiter für eine bessere Zukunft. Glückauf

  4. Na vielen Dank auch.
    So geht man also mit der Meinung Andersdenkender bzw. mit der von Teilnehmern der pro Braunkohledemo um. Hätte nicht gedacht, dass ihr die die Zukunft unseres Landes „mitgestalten“ wollt so intollerant seid.

    Glückauf
    Walter Butterweck
    Mitarbeiter in der Braunkohle und
    Gewerkschaftsmitglied der IGBCE

  5. Schon schade, dass Fakten so dargestellt werden wie es einem gerade schmeckt. Ebenso, dass Kommentare die kritisch sind einfach unkommentiert gelöscht werden. Dies ist ein Zeichen für sich!

    Besorgniserregend war die Sitation zu keinem Zeitpunkt. Sollten tatsächlich Sprüche wie „wer nicht hüpft, der ist ein Jude“ oder „Frei, Sozial, National“ gefallen sein, wäre die Polizei zu 100 % eingeschritten. Oder möchte man mit diesem Artikel der Polizei eine rechtsorientierte Handlungspolitik unterstellen?

    Arbeitsplätze fallen nicht vom Himmel und anstelle von Braunkohle nur noch regenerative Energien zu nutzen würde weitere tausende Arbeitslose bedeuten. Nie und nimmer kann 1 Braunkohle-Arbeitsplatz für 10 Arbeitsplätze im regenerativen Bereich stehen. Die Statistik die dies beweist würde ich gerne einmal sehen – vorzugsweise von einem externen ausgewertet!

    Ihr wollt die Zukunft sein? Ich schlage vor, einmal über den Tellerrand hinauszublicken. Strom kommt NICHT aus der Steckdose und Menschen die Freiwild hören sind nicht automatisch Nazis. Es muss nicht immer Schwarz oder Weiß sein!

  6. Euer Engagement in allen Ehren, aber das ist einfach die Unwahrheit!!!!
    Weder haben irgendwelche Mitarbeiter frei bekommen, noch wurde etwas in Richtung „Wer nicht hüpft der ist ein Jude“ oder ähnlicher rechter Scheiss skandiert!!!

    Ihr habt wirklich gute Ansätze, und die Grundidee hinter Eurem (notwendigen) Protest ist ganz famtastisch!
    Aber mit Eurem Vorfolgungswahn und vor allem mit den vorsätzlichen Unwahrheiten macht Ihr Euch sehr Unglaubwürdig!!

  7. Liebe Braunkohlegegner,

    als Teilnehmer und ehrenamtlicher Ordner der IGBCE am Braunkohletag bin ich über eure Berichterstattung wirklich erschüttert. Meine beiden Einträge von heute Morgen sind nicht sichtbar. Gefällt euch die Meinung Andersdenkender und Augenzeuge solch maßloser Lügengeschichten nicht. Ich wiederhole, dass es keine antisemitischen Äußerungen oder Handlungen noch Neonazi-Sprüche oder Bekundungen gab. Das sich unsere jungen Auszubildende durch einige Sprücheklopfer eurerseits haben provozieren lassen und sich nicht politisch korrekt geäußert haben, will ich hier nicht bestreiten. Aber uns Arbeitnehmer und Gewerkschafter als Mob zu bezeichnen finde ich eine bodenlose Unverschämtheit. Mir ist es bisher jedenfalls nicht eingefallen, Umweltaktivisten und Demonstranten als Pöbel anzusehen. Von Menschen die für sich in Anspruch nehmen die Welt zu verbessern, hätte ich mehr Toleranz den Andersdenkenden gegenüber erwartet.
    Glückauf!

  8. Hallo IGBCE,

    ich habe auf Seiten der Braunkohlegner am Braunkohletag teilgenommen und kann definitiv bestätigen, dass homophobe Sprechchöre stattgefunden haben (IGBCE-Jugend Alsdorf).
    Da ich etwas später kam und nicht die ganze Zeit vorne stand, kann ich zu den übrigen Vorwürfen nichts sagen.
    Besonders erschütternd fand ich, dass weder von den Demo-Ordnern, noch von den übrigen Gewerkschaftsmitgliedern darauf reagiert wurde.
    Anstatt solche Vorfälle zu leugnen, sollte die IGBCE sich lieber aktiv damit auseinandersetzen, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen und davon distanzieren.
    Andernfalls braucht man sich nicht darüber zu wundern, wenn so etwas auf alle anderen Gewerkschaftsmitglieder zurück fällt.
    In vielen Unternehmen sind Naziparolen ein Kündigungsgrund!

    Glückab und lasst die Kohle im Boden!

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen