Zur aktuellen Situation und Besetzung in Morschenich

Ergänzend zum Bericht über die Hausbesetzungen in Morschenich schreiben hier zwei Menschen aus dem Wald, die das Bedürfnis verspüren, sich im Nachhinein nochmal zu Wort zu melden. Wie immer ist das Folgende eine Formulierung von Einzelpersonen und nicht stellvertretend für den ganzen Wald.

Ein wichtiger Punkt antikapitalistischer Kritik setzt genau hier an:
Wenn ein Konzern ein ganzes Dorf besitzen kann, kann dieser auch bestimmen, was mit dem Dorf passiert.

Am Beispiel von Manheim und Morschenich, wo RWE Häuser, Geschichten, Schicksale umsiedelt, zerstört und anschließend neu vermarktet wird, wird die ganze Tragik offensichtlich, die durch die massive Zueignung des Großḱonzerns entsteht. Dieser besitzt in Form der Dörfer, des Hambacher Waldes und umliegender Wälder nicht nur wichtige Ressourcen, sondern verfügt auch über die Gestaltung von Lebensräumen und der ganzen Region. Solches Eigentum ist tatsächlich Diebstahl. . Denn selbst wenn der Konzern den Abbau der Braunkohle in der Region stoppt und stattdessen andere Pläne (Ansiedlung von Industrie etc.) verfolgt, stehen damit nicht die Bedürfnisse der noch hier lebenden Menschen im Mittelpunkt, sondern es geht einzig und allein darum, Profit zu vermehren. Diese Vorgehensweise wird seit jeher von der Landesregierung gestützt.
Das muss nun an dem Punkt ein Ende haben, wo sich endlich entscheidet, wie es mit den verbliebenen Dörfern weitergeht. Hierzu müssen vor allem die Menschen entscheiden dürfen, die trotz aller Einschüchterung und Zerstörung durch RWE in Morschenich ausgeharrt haben und noch immer darum kämpfen, ihr Zuhause zu behalten. Dass die bereits Umgesiedelten so scheinbar freiwillig weggezogen sind, liegt, soweit wir das mitbekommen, nicht selten am enormen Druck, der seitens RWE auf diese Menschen ausgeübt wurde und daran, dass Verschwiegenheits­klauseln unterzeichnet wurden.

Ein weiterer Punkt ist die in unseren Augen bewusste Politik, Migrant:innen in den vom Abriss betroffenen Dörfern anzusiedeln. Damit wird diesen Menschen die Chance genommen, ein dauerhaftes soziales Netz aufzubauen und ihnen wird aktiv politische wie soziale Teilhabe verwehrt. Wir stellen uns der mehr oder weniger offensichtlichen Marginalisierung geflüchteter Menschen entgegen, indem wir dieses Dorf wieder(beleben). Dies findet zum Beispiel statt, wenn wir uns wie an Ostersonntag geschehen auf dem Sportplatz von Morschenich mit DorfeinwohnerInnen zum gemeinsamen Fußballspiel verabreden oder einfach gemeinsam Zeit verbringen, Gespräche führen und uns im Hambicamp zu Kaffee und Kuchen treffen.

Wären die beiden besetzten Häuser nicht sofort und brutal von der Polizei geräumt worden, hätten diese in unseren Augen das Potential gehabt, zur Belebung Morschenichs und zum Austausch und Miteinander beizutragen. Ein selbstorganisierter sozialer Raum hätte entstehen wollen, der gemeinsames Lernen und Kochen sowie Straßenfeste und politische Aktionen hätte beherbergen können. Welchen Sinn hatte also diese ganze Polizeiaktion? Den gesetzmäßig untermauerten Diebstahl an Lebensraum durch RWE? Und wie soll es weitergehen?

Wenn doch alles darauf hindeutet, dass dieses Dorf stehenbleibt, machen die Abbagger-Arbeiten keinerlei Sinn, es sei denn wir glauben an die perfide Herangehensweise von RWE, die „neu entstandenen“ Baugrundstücke wiederzuverkaufen. Gegen solch sinnlose und in Anbetracht von Wohnungsnot in deutschen Städten nicht zu rechtfertigende Zerstörung sind wir in vielerlei Hinsicht machtlos, solange wir die vom Staat auferlegten Gesetze akzeptieren. Hier zeigt sich wie so oft die Frage nach Legalität und Legitimität – nur weil diese Quasi-Gentrifizierung und das gnadenlose Durchsetzen von Konzerninteressen in Form von Kapitalakkumulation durch Enteignung staatlich legal sind, sind diese noch lange nicht legitim! Zu dieser Beziehung zwischen Legitimität und Legalität ist uns an dieser Stelle auch noch wichtig, auf das Verhalten der Polizei bei der Räumung der besetzten Häuser hinzuweisen: Menschen, die auf Dächern leerstehender Häuser und auf der Straße saßen, wurden massiv von Polizist:innen körperlich angegangen. Das Vorgehen der Polizei war vielleicht legal, aus unserer Sicht aber keinesfalls verhältnismäßig und diente der reine Machtausübung der Beamt:innen. Aus friedlicher Sitzblockade und der Besetzung zweier Dächer gingen Menschen teilweise mit blutender Nase oder blauem Auge hervor.

Neben der symbolischen Bedeutung der Besetzung von Häusern steht hierbei auch im Vordergrund, leerstehenden Wohnraum gemeinsam zu nutzen und Freiraum zu schaffen. Sollte RWE also vorhaben, dieses Dorf abzubaggern, macht Besetzung als direkte Aktion nicht nur theoretisch sondern ganz praktisch Sinn! Wir werden uns der Weiterzerstörung von Morschenich widersetzen und freuen uns dabei über Unterstützung.

Menschen, die sich dahingehend vernetzen möchten, sucht gerne den Kontakt zu uns.

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Finde auch diese Aktion wieder sehr gut! Meiner Meinung nach verstößt das Enteignen von Hausbesitzern gegen die Menschenwürde.
    Gemäß Artikel 20 im GG greift in so einem Falle das Widersrandsrecht!
    Finde echt unnormal krass was ihr macht und hoffe echt, dass ich bei der nächsten Skillshare-Woche dabei sein kann und mit ich die Stellungen halten kann!

  2. Ich finde es großartig das ihr dort seid.
    Geflohene Menschen mögen die Deutschen angesichts der nicht bestehenden Not für völlig Irre halten,bewohnbare Häuser mit schönen Gärten zu vernichten.
    Und sie haben Recht. Und ihr habt Recht! Die Weltzerstörer haben aber leider so gründlich Köpfe gewaschen und Hirne weichgespült daß es fast keinem mehr auffällt welcher Wahnsinn sich dort Bahn bricht. DANKE ,DANKE euch mutigen Menschenkindern.

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