Reclaim the Hambi! – Reflektionen zu Strategie und Aufruf zu Aktionen

Einige Aktivisti der Besetzung haben diesen offenen Brief an alle geschrieben, die sich als Teil des Widerstandes fühlen:

Die letzten Wochen waren für alle von uns in und um die Besetzung des Hambacher Forstes aufregend, vor allem anstrengend und zermürbend. Die massive Präsenz von Polizei und RWE, ihr brutales Vorgehen, die Zerstörung unseres Zuhauses. Sie haben uns verletztend getroffen, sie haben uns eingesperrt, und haben uns so viel von dem genommen, was uns am Herzen liegt, und was uns so viele Jahre gebraucht hat, zu errichten. Aber seid euch sicher: all das war nicht umsonst!

Auch wenn die Besetzung, so wie wir sie in den letzten sechs Jahren gekannt haben, ihre letzten Tage erlebt: die Bewegung für den Erhalt des Hambacher Forstes und für den sofortigen Kohleausstieg war nie so stark wie jetzt gerade! Ihr könnt die Besetzung räumen, nicht aber die Bewegung!

Reflektion zu den letzten Wochen im Hambacher Forst

Die Räumung der Besetzung des Hambacher Forstes, der Höhepunkt, den viele von uns erwartet hatten, ist der größte Polizeieinsatz in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen und ein weiterer Höhepunkt in der langjährigen, vielfältigen Geschichte der Verteidigung unserer Besetzung.

Der Kampf zwischen Aktivisti einer starken und diversen Graswurzelbewegung und den Scherg*innen eines militarisierten Polizeistaates in den letzten Wochen gibt uns neue Erfahrungen. Wir wollen die Methoden und Taktiken reflektieren, um herauszufinden, wie wir von hier aus weitermachen.

In den letzten Jahren haben sich Baumhäuser und die Verwendung von Konstruktionen in Bäumen als Blockadestruktur, alternativer Wohnort und als Symbol unseres Widerstandes als höchst effektiv erwiesen. Aber nach den letzten Wochen der zerstörerischen Aktionen seitens der Polizei hat sich die Situation enorm geändert.

Wir wollen klarstellen: An diesem Punkt hilft uns das Bauen von Baumhäusern nicht in derselben Weise den Wald zu beschützen wie in den letzten Jahren. Vor der Räumung gab es über 60 Baumhäuser – unser Zuhause – welche eines nach dem anderen geräumt und zerstört wurden. Um unsere Besetzung und unser Experiment eines freien, selbstorganisierten Lebens anzugreifen, haben RWE und die Polizei breite Straßen in den Wald geschnitten. Wenn wir jetzt anfangen neue Baumhäuser zu bauen, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass diese innerhalb von Stunden oder Tagen geräumt werden. Das soll nicht heißen, dass Baumhäuser gar keine effektive Handlungsmöglichkeit darstellen. Aber wir finden es wichtig, diesen Erfahrungswert bei unserem weiteren Vorgehen im Kopf zu behalten.

In den Wochen der Räumung war es unglaublich schön zu erleben, wie viele vielfältige Blockaden, z.B. Tripods und Sitzblockaden, es geschafft haben, die Maschinen und Räumungsfahrzeuge von RWE und Polizei immer wieder komplett an ihrem Einsatz zu hindern und so ihre Arbeit effektiv unterbrochen haben. Unsere Freund*innen und Genoss*innen von Aktion Unterholz haben eine große Rolle dabei gespielt, diese Methoden an die vorderste Front des Kampfes zu bringen.
Diese für sonst weniger erfahrene Aktivisti leicht zugänglichen Methoden haben es großen Gruppen von Menschen möglich gemacht, aktiv Teil in der Verteidigung des Hambacher Forstes zu sein. Und sie haben unserer Bewegung geholfen zu wachsen.

Auch außerhalb des Waldes haben Aktivisti den Kampf vielfältig und effektiv unterstützt durch direkte Aktionen gegen die Kohle-Infrastruktur von RWE. Bei der #NiederAUSmachen Blockade des Kohlekraftwerks in Niederaußem, haben Kletteraktivisti, genauso wie Menschen in Lock-ons und auf einem Tripod, erreicht, dass das Kraftwerk auf 20% seiner normalen Leistung heruntergefahren wurde. Bei einer anderen Aktion haben #HambisImExil – Besetzer*innen, die davor aus dem Wald geräumt wurden – sich an die Schienen der Hambachbahn mit Lock-ons festgelockt. Die Strecke, auf der sonst ausschließlich Kohle von der Mine zu den Kraftwerken transportiert wird, wurde für mehrere Stunden lahmgelegt.
Diese autonomen, dezentralen Aktionen waren nicht nur effektiv darin, Polizeikräfte außerhalb des Waldes zu binden, sondern haben sich als erfolgreiche, direkte Attacken auf die Infrastruktur von RWE erwiesen.

Ein Aufruf zu eigenen Aktionen: Reclaim the Hambi!
Spätestens am 14. Oktober wird das Urteil im Verfahren zwischen Energieriese RWE und der Umweltschutzorganisation BUND stattfinden. Hier wird das Gericht über die Zukunft des Waldes entscheiden: Darf RWE die Rodung fortsetzen oder nicht? Wir glauben nicht an das deutsche Rechtssystem und erwarten daher, dass das Gericht zugunsten von RWE entscheiden wird. Dies würde den Beginn der Rodungssaison markieren – die Zeit, auf die RWE und die Regierung NRWs sehnlichst hinfiebern.
Deswegen rufen wir euch schon ab heute bis dahin alle dazu auf, euch selber zu organisieren, zusammenzukommen und euch vorzubereiten, um den Hambi an jedem Tag zurückzuerobern: RECLAIM THE HAMBI!

Mit kreativen und diversen Methoden können wir die Rodungsmaschinen auf dieselbe Art blockieren, wie wir es bereits mit den Räumungsmaschinen getan haben! Am 13. Oktober rufen wir deshalb zu einem dezentralen Aktionstag auf. Lasst uns parallel dazu ab dem 13. Oktober auch im Wald jeden Tag mit 20, 50, hunderten motivierten Menschen präsent sein und bauen, jede*r wie er/sie sich aktionsmäßig am wohlsten fühlt. Wer am 13. kommt kann auch gerne direkt bleiben, denn nach dem Urteilsspruch am 14. wird wahrscheinlich direkt mit der Rodung begonnen , die wir gemeinsam verhindern wollen! Mit Tripods, Barrikaden oder einfach mit unseren Körper können wir die vernichtende Rodungssaison stoppen und klarmachen, dass der Hambi für jede*n ist, nur nicht für RWE!

Unser Kampf ist nicht nur für den Erhalt des 12.000 Jahre alten Hambacher Forstes, es ist ein Kampf gegen RWE, fossile Energieträger und die kapitalistische Ökonomie, welche darauf aufbaut! Daher findet auch unser Kampf nicht nur innerhalb des Waldes statt!

RWE hat ihre Infrastruktur überall hier in der Region. Es gibt viele mögliche Ziele für Aktionen. Und wie wir es dieses Jahr mit #NiederAUSmachen und #HambisImExil erlebt haben, auch viele Möglichkeiten, Teile dieser “Maschine” abzuschalten! BLOCKIERT RWE!
Ob eigene Kleingruppenaktionen oder für offene Massenaktionen – worauf es ankommt ist, dass wir im und um den Wald präsent sind, unseren Protest zeigen und in Aktion treten!

Bereit machen für die kommende Zeit!

Um effektiv unseren Kampf im und um den Hambacher Forst fortzusetzen, müssen wir uns vorbereiten. Nutzt die Zeit von jetzt an bis zur Rodungssaison euch vorzubereiten, d.h. organisieren, Skills lernen, weitergeben und Aktionen planen – zusammen mit Freund*innen und Genoss*innen, in Bezugsgruppen oder zusammen mit lokalen Klima-Kollektiven.

Kommt schon jetzt zum Hambi und teilt Skills beim Hambicamp in Manheim. Aber auch in euren Städten ist dies möglich. Ob vom 3. bis 8. Oktober beim Skillshare in der Treburer Wald Besetzung bei Frankfurt, einem anderen Widerstandscamp, welches von der kommenden Rodungssaison bedroht ist, oder in selbstorganisierten Workshops: macht mit bei Blockadetrainings, Tripodbauen und Aktionsklettern. Unterstützung bekommt ihr von eurer lokalen Hambi Soli Gruppe oder Netwerken wie Ende Gelände, Robin Wood und Zucker im Tank. Auch Aktion Unterholz werden ihre Massenaktionen gegen die Rodung des Hambacher Forstes und die Gewinnung und Verbrennung von Braunkohle fortsetzen, und dafür auch Aktionstrainings anbieten (stay tuned).

Die kommende Zeit wird neu für alle von uns, aber wir sind überzeugt, dass wir der zerstörerischen Kraft von RWE zusammen Einhalt gebieten können! Lasst uns gemeinsam für eine bessere Zukunft kämpfen!

Der Hambacher Wald ist unser! Wir werden ihn nicht freiwillig verlassen! Reclaim the Hambi!

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5 Kommentare

  1. Danke!!!
    Ich bewundere euch!
    …und werde euch unterstützen

  2. Mann könnte es als Zufall betrachten, dass ausgerechnet am Samstag die Sonne so schön scheint oder man könnte 1 und 1 zusammen zählen und erkennen, dass alles miteinander verbunden ist und die Sonne am Samstag extra für UNS ALLE scheint und uns zulächelt, weil so viele Menschen einfach nur gute Energien hervorrufen, durch ihre Anwesenheit bei dieser Demo. Und je mehr Menschen Klarheit im Bewusstsein erlangen und je mehr sie die potentielle Kraft im Wirken der Liebe erkennen, desto eher kommen wir an den Punkt einer kritischen Masse, der es unaufhaltsam macht, dass die Wahrheit sich auf der Erde endgültig manifestiert. Wir sind alle Eins, wir sind alle Menschen und wir suchen alle unser Glück und die Liebe im Leben, darum sind wir alle wie Brüder und Geschwister (Jago).

    Ganz viel Liebe, Kraft, Glück und Durchhaltevermogen ❤️

    • Ergo hieße dies ja, unsere spirituelle Energie bestimmt das Klima @ love unites, daraus ließe sich ja schlussfolgern, dass RWE und ihre Machenschaften gar nicht für das Klima verantwortlich ist. Sehe ich übrigens auch so. Nichtsdestotrotz ist RWE ein profitgeile Schlange die jene spirituelle klimaenergie nicht positiv besetzt.

      • oje, da geht aber was durcheinander oder?!
        Die Liebe würde ich in ihrer Kraft ja nicht anzweifeln wollen, wohl aber, das alle menschen gleichviel davon abbekommen haben.
        Ist es nicht viel eher so, das sowohl der Kapitalismus als System des falschen Ansporns und auch die gesellschaftliche Alltagsrealität der überwiegenden Mehrheit krankhafte Züge aufweist? Von Traumatisierung und Wiederholungs-, bzw. Reinszenierungszwang? Opfer werden zu Tätern, um sich aus dem Stigma des opferseins zu befreien?
        Nichts gegen seelische gesundheit, aber sie lässt sich eben leider nicht verallgemeinern, bloß weil es schön wäre, wenn sich alle frei dafür entscheiden könnten. Dem ist leider nicht so. Wer, meist geschieht das in der Kindheit, traumatisiert wurde, kann sich selten und nur mit erheblichem Aufwand und Bewusstheit daraus befreien.

        Aber das Wetter war schön und ich sehe es gerne als Ansporn, wenn die Elemente ihre Zustimmung zu unserem Tun geben 🙂
        Liebe Grüße

  3. Was seid ihr nur für ein Haufen verblödeter Demokratieverweigerer! Man sollte sich für Euch nicht nur Fremdschämen, sondern euch professionelle psychologische Hilfe zukommen lassen. Aber wer so verblendet ist……

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