Späte Klarstellung

Am 20.01. erschien hier ein Artikel unter dem provokanten Titel “Greenpeace und BUND – Freunde der Kohlelobby”, unterzeichnet von Kurt Claßen und Tim Wiese. Darin wird insbesondere am Forderungskatalog von Greenpeace kritisiert, dass so wenig weitreichende Forderungen schon eher Lobbyarbeit für RWE seien. Kurz nach der Veröffentlichung gab es auf der Wiesenbesetzung ein Plenum der gerade anwesenden Personen, in welchem dieser Artikel sehr kontrovers diskutiert wurde. Dabei habe ich die Aufgabe übernommen, diesen Eintrag zu schreiben, um ein Paar Missverständnisse klar zu stellen, die sich möglicher Weise bei manchen ergeben haben könnten. (Sorry in die Runde, dass das so lange gedauert hat :-/ )

* Erste Klarstellung: Tim Wiese ist kein Gruppenpseudonym, mit dem mehrere unterschreiben oder das für eine „Gruppenmeinung“ steht. Dahinter steht lediglich eine Einzelperson, die viel Blogpflege betreibt und mit diesem Namen insbesondere ihre bestimmt-nicht-Konsens-Privatmeinungen markiert.
* Zweite Klarstellung: Die Meinungen aus dem genannten Artikel sind nicht repräsentativ für alle Wald- und Wiesenbesetzer*innen. Es bestand die Sorge, dass die zwar ausdrückliche Unterzeichnung durch zwei Einzelpersonen vor dem Hintergrund der heftigen Kritik, die in dem Artikel erhoben wird, ein Bisschen untergeht.
* Dritte Klarstellung: Auf dem erwähnten Plenum waren einige verärgert über die antidiplomatische Härte des Artikels. Abgesehen von der inhaltlichen Seite, wo es auch sehr unterschiedliche Einschätzungen gibt, fanden es Menschen einfach äußerst destruktiv für den Prozess eines entstehenden Bündnisses, solche Meinungen in aller Öffentlichkeit zu verbreiten und dafür unseren Blog als Forum zu verwenden.
* Vierte Klarstellung: Grundsätzlich können Artikel auf dem Blog nicht repräsentativ für „die Gruppe“ sein. Auf den Besetzungen leben ständig wechselnde Zusammensetzungen von Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen, Meinungen und Herangehensweisen – deshalb kann auch der Blog kein zentrales Organ irgendeiner Art von „Gruppenmeinung“ sein, weil es kaum möglich ist, eine solche gemeinsame Position verbindlich auszuhandeln.
Ich glaube, viele der Wald- und Wiesenbesetzenden finden aber auch sowieso die verbreitete politische Praxis fragwürdig, aus einer Menge von Einzelpersonen eine „Gruppe“ zu konstruieren, um dann ihre kollektive „Gruppenmeinung“ kundzutun. Hinter so einer mehr oder weniger demokratischen „Gesamtmeinung“ verstecken sich m.E. doch am Ende sowieso vor Allem die individuellen Meinungen einer internen Elite, zu der sich dann der Rest der Gruppe loyal verhalten darf.

Dieser Eintrag ist natürlich ebenfalls nicht repräsentativ für „die Gruppe“ 😉 Ich versuche mich an meine Erinnerung von dem Plenum zu halten, wo darüber diskutiert wurde. Dieses Plenum war allerdings genau so wenig repräsentativ für alle, die sich mit den Besetzungen in und um Hambacher Forst identifizieren, sondern die zufällige Menge von Menschen, die gerade anwesend waren. Und einen abschließenden Konsens gab es auch nicht, aber den haben wir auch gar nicht so gründlich gesucht. Muss ja auch nich immer.
Menschen, die sich eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Thesen aus dem Artikel wünschen, würde ich zu einem Besuch auf die Wiese einladen. Dort könnt ihr ganz viele verschiedene Einzelmeinungen diskutieren, die genau so wichtig oder unwichtig sind wie meine eigenen, eher unqualifizierten Vorurteile.

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6 Kommentare

  1. 27.02.2015

    Es ist mir nach mehr als einem Monat nicht bzw. nicht mehr erklärlich, wie der Zusatz zu meinem Vor- und Nachnamen: „Tim Wiese“, in den Beitrag vom 20.01.2015 gelangt ist.

    Von meiner Seite war dieser Zusatz nicht gewollt, er sollte gestrichen werden.

    Gruß
    Kurt Claßen

  2. Hambacher Forst

    Damit wollte dir wohl die Person, die deinen Beitrag eingestellt hat, inhaltlich zustimmen. Ich werde den Namen rausstreichen.
    grz

  3. 02.03.2015

    Gegen etwaige Zustimmungserklärungen hatte, habe und hätte ich keine Einwände. Mich persönlich hat im Übrigen der Zusatz „Tim Wiese“ nicht im Geringsten gestört.

    Gruß
    Kurt

  4. Die Klarstellung hätte nicht unbedingt sein müssen. Sie stellt nur klar, dass es inhaltliche Differenzen im Camp gibt – nicht das ideale Thema für einen Blog.Da aber Meinungsunterschiede dazu gehören, lieber einen zweiten, greenpeacefreundlicheren , Artikel daneben stellen.
    Mir hat der erste, provokante Artikel gut gefallen. Natürlich ist dabei wichtig, dass die Fakten richtig recherchiert sind. Aber die Greenpeace- Weichlinie muss es nicht sein.
    Schliesslich lautet die Forderung im Hambacher Camp „Braunkohleausstieg sofort“. Sonst würde ja auch der Kampf um jeden Baum im Hambacher Forst keinen Sinn machen.

  5. Ok… durchgegammelte Weltkriegs-Handgranaten in Barrikaden sind laut eurem Blog ok, aber nichtmal ne konsequente Kritik an NGOs wie Greenpeace und an Vereinnahmungsprozessen…

    Kopfschüttel.

  6. Hallo, für mich ist es sehr „interessant“ das diese informationen online gestellt wurden.Eine gruppe die ohne meine anwesenheit dies klarstellt, danke. Wie ich weiter damit umgehen soll kann ich nicht sagen. Da diese nach meinem verständnis intern zu klären sind wie dieser text. Einige unannehmlichkeiten hat dieser text sowie die auseinandersetzung für mich jetzt schon bedeutet. Ich werde meine radikalen einstellungen nicht zurück nehmen oder sie von moderatoren/gruppen zensieren lassen. Fakt ist das mit den großorganisationen wie Grennpeace, BUND und etc. meinerseits keine zusammenarbeit gesucht sowie erwünscht ist. Sie sind teil dieser kapitalistischen gesellschaft. Ihre forderungen sind reformistisch aber keinesfalls radikal und revolutionär. Tim

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