Ein etwas anderer Jahresrückblick

Wie viele Todesfälle gab es im Jahr 2012 durch die Luftverschmutzung der rheinischen Braunkohleindustrie? Wie viele Menschen starben im Jahr 2012 für die reibungslose Stromversorgung von Sonnenstudios, Kosmetikindustrie, Werbeindurstrie, Plastikscheiss-Erzeugungsindustrie, und anderem Krempel allein durch den Feinstaub? Wieviel Tote hat der Staub auf dem gewissen, der anfällt wenn der Strom erzeugt wird den Rheinmetall braucht um damit ihre Mordwerkzeuge herzustellen, mit denen in Mali und auf der ganzen Welt gemetzelt wird?

von Ronja

Todesfälle und Erkrankungen durch Braunkohleverstromung in der Europäischen Union

Todesfälle durch Luftverschmutzung+*: 32,6 je Terawattstunde
Schwere Erkrankungen durch Luftverschmutzung++: 298 je Terawattstunde
Leichte Erkrankungen durch Lufverschmutzung+++: 17.676 je Terawattstunde

Diese Zahlen stammen aus der Studie „Electricity generation and health“ von Anil Markandya, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der englischen Universität Bath und Paul Wilkinson (London School of Hygiene and Tropical Medicine) aus dem Jahr 2006

Ich will das mal übertragen auf das Rheinische Braunkohlerevier. Natürlich stimmen die Zahlen die dabei rauskommen so nicht eins zu eins, aber die Größenordnung dürfte hinhauen und das Ausmaß der Luftverschmutzung verdeutlichen. Die Zahlen in der Tabelle sind Durchschnittswerte, im Einzelfall hängt es von der Besiedlungsdichte und anderen Faktoren wie Kühlturmhöhe etc. ab.
Jedoch wird das Rheinische Braunkohlerevier sich kaum weit (wenn überhaupt) unter diesem Durchschnitt bewegen. Das Einflussgebiet der Kraftwerke und Tagebaue ist verhältnismäßig dicht besiedelt,** “die Braunkohlenkraftwerke sind z.T. schon seit Mitte der 50er Jahre am Netz und dies mit Wirkungsgraden von etwa 30 %“ so der bund
In Puncto Feinstaub werden Dank der hiesigen Braunkohleindustrie regelmäßig Grenzwerte überschritten.
Die RWE Power AG „weigert sich (…) beharrlich, neue Kraftwerksblöcke mit modernster Filtertechnik auszustatten. Aus Kostengründen soll so z.B. in den BoA-Blöcken 2 und 3 in Neurath der klassische Elekrofilter eingebaut werden. Dabei gibt es längst auch für Kraftwerke wesentlich effizientere Filter.“

Im Jahr 2012 wurden in der brd 158,0 Terawattstunden*** durch Braunkohleverstromung erzeugt. (Das sind übrigens 6,9 Terawattstunden mehr als letztes Jahr, von wegen Brückentechnologie und so…) Davon kommen 102,0 Terrawattstunden aus dem Rheinland.

Wieviele Menschen hat also der deutsche und der rheinische Kohlestrom im letzten Jahr auf dem Gewissen? – Ein Jahresrückblick, ohne Sekt; ich hoffe Ihr habt Verständnis. Den Sekt kann ja Spelthahn zusammen mit seinen RWE-Freunden schlürfen, während wir weiter unsere unalkoholisierten Ärsche bewegen um was dagegen zu machen.

Hochgerechnet und auf ganze Zahlen gerundet ergeben sich:
Todesfälle: Rheinland: 3326; brd: 5151
Schwere Erkrankungen: Rheinland: 30.396; brd 47.084
Leichte Erkrankungen: Rheinland: 1.802.952; brd: 2.792.808

Bei diesen Zahlen darf Mensch nicht vergessen, dass die Todesopfer durch die Klimakatastrophe diese Zahlen schon lange weit übertreffen. Bedenkt Mensch zudem, dass die regionalen Produktionsstätten der Waffen- und Rüstungsproduzentin Rheinmetall ihren Strom durch rheinischen Braunkohlestrom bezieht, steigt die Zahl der Toten ins unüberschaubare. Eines unzähliger Beispiele ist Mali.****
Die Klimakatastrophe tötet schon jetzt Millionenfach. Eines von unzähligen Beispielen sind die verheerenden Dürren in der USA und Indien letztes Jahr. Die Folge war ein drastischer Anstieg u.a. der Maispreise. Wer zählt die Toten? Achja, Tote können keine zahlenden Kunden sein, warum also die Toten zählen?

Fußnoten
*
„+Includes acute and chronic effects. Chronic eff ect deaths are between 88% and 99% of total. For nuclear power, they include all cancer-related deaths.
++Includes respiratory and cerebrovascular hospital admissions, congestive heart failure, and chronic bronchitis. For nuclear power, they include all non-fatal cancers and hereditary eff ects.
+++Includes restricted activity days, bronchodilator use cases, cough, and lower-respiratory symptom days in patients with asthma, and chronic cough episodes. TWh=1012 Watt hours.

At the generation stage the main eff ects arise from the emissions of primary small particles (less than 2・5 μm or PM2.5) and the creation of secondary small particles (less than 10 μm or PM10). Sulphur dioxide and nitrogen oxides emerge as important in this context because they contribute to the creation of secondary particles, in chemical oxidation involving atmospheric gases. Direct health eff ects of sulphur dioxide and nitrogen oxides are much less pronounced and are not included in the main estimates reported above.“ Anil Markandya und Paul Wilkinson, „Electricity generation and health“, 2006

**“Because of the long-range dispersion of the pollutants, some eff ects can be felt more than 1000
km from the source.“ ebd.

***vorläufig geschätzter Wert durch den DEBRIV Bundesverband Braunkohle

****Aus der Januarausgabe der Graswurzelrevolution: „Wann, ob und wie auch immer die Militärintervention kommt, ob nach einem langen Ausbildungsvorlauf erst spät im zweiten Teil des Jahres 2013 (offiziell wird eine eventuelle Verzögerung mit der Regenzeit in Mali begründet) oder gar nicht – die Waffenexporteure reiben sich derweil in jedem Fall die Hände.
Sie machten und machen Geschäfte gleich an drei Fronten. Erstens läuft noch immer der Transporthandel ausgereifter Waffen und militärischen Geräts aus Libyen, das 2011, als sich der Bürgerkrieg entwickelte, mit Waffen vollgepumpt wurde.
Zweitens wird neben dem Drängen, bei der Militärintervention aktiv mitzumachen, nunmehr Algerien als einzige Schutzmacht der Region mit funktionierendem, diszipliniertem Militär, blind hochgerüstet.
So wurde erst kürzlich bekannt, dass eine Rheinmetall-Tochterfirma innerhalb der kommenden zehn Jahre gleich 1200 „Fuchs“-Radpanzer in einem eigenen algerischen Werk herstellen will.
Und die Bundesregierung genehmigte zudem 2011 die Lieferung von weiteren 54 Fuchs-Panzern für 195 Mio. Euro sowie Geländewagen und Lkw im Wert von 286 Mio. Euro. Noch 2010 hatte Berlin für Algerien lediglich Waffenhilfe von 19,8 Mio. bewilligt.“

Dieser Beitrag hat 11 Kommentare

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  2. gut recherchierter artikel =)

  3. @ Ronja
    Dabei sollte man natürlich wissen, mit welchen abenteuerlichen statistischen Taschenspielertricks solche Zahlen zustande kommen.
    Es wird eine vermutete Luftverschmutzung je TWh heran gezogen. Die vermutete Luftverschmutzung führt vermutlich zu einem 0,x Jahren früheren Ableben. Das multipliziert man mit der Bevölkerungszahl und dividiert die Zahl mit der durchschnittlichen Lebenserwartung. So kommt man dann auf die angeblichen X Todesfälle. Allerdings lässt sich mit anderen Vermutungen auch genau das Gegenteil belegen.

    Noch ein kleiner Hinweis:
    Die Wetterextreme werden nicht mehr sondern eher weniger, wie z.B. Hurricane http://www.nhc.noaa.gov/pdf/nws-nhc-6.pdf oder auch Hochwässer http://real-planet.eu/hochwasser.htm. Somit fällt die Klimakatastrophe wohl aus. Das könnte sich allerdings ändern, wenn die globale Abkühlung weiter geht. http://www.woodfortrees.org/plot/hadcrut3vgl/from:2002/plot/hadcrut3vgl/from:2002/trend

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  5. Heiliger Stohsack, Lügendetektor, das war echt ein bisschen zu offensichtlich.

    Du hast auf die Seite Woodfortrees verlinkt und dort auf ein Diagramm, welches die durchschnittlichen Jahrestemperaturen als Abweichungen vom Durchschnittswert zwischen 1961 und 1990 darstellt. Dort hast du einen Zeitraum gewählt zwischen 2002 und heute. In diesem Ist ein leichter Rückgang der Durchschnittstemperaturen wahrzunehmen.
    Jetzt muss ich doch schon mal die Frage stellen, ob du diesen Zeitraum bewusst manipulativ gewählt hast, oder ob du selbst auf derartig manipulativ gewählten Statistikfetzen hängen bleibst. Auch wenn zweiteres zutriffst, solltest du dir die Frage stellen, weshalb das so ist; welche interessen dich dazu bewegen, genau die Stückchen rauszupicken, die den Eindruck entstehen lassen könnten, es gäbe keine Klimakatastrophe? Ist das, weil es dir angenehmer ist und wenn ja, warum ist dir das angenehmer? Wirtschaftliche Interessen oder doch eher die Hemmung schmerzhafte selbstreflexive Gedanken in das Hirn zu lassen? In anderen Worten: Entspricht es einer fürsorglichen Liebe zu deinem Hirn, dass du es abschotten möchtest von allem Unangenehmen und Schmerzhaften, es behüten möchtest vor all zu großen Veränderungen, die es möglicherweise verunsichern könnten, oder doch eher einer fürsorglichen Liebe zu deinem Geldbeutel? Oder beides?
    Jedenfalls, unabhängig von deinen Motiven, möchte ich mal empfehlen folgendes Diagramm zu betrachten – das ist das Diagramm, aus dem du deinen Ausschnitt gewählt hast, ein Diagramm des hardCRUT 3 des Met Office – der nationale Meteorologische Dienst der UK. Bei diesem Diagramm ist nur der Zeitausschnitt ein anderer.

    http://www.metoffice.gov.uk/hadobs/hadcrut3/diagnostics/comparison.html

    In der Tat, dieses Diagramm besagt, dass seit ungefähr genau 2002 (nanu- was für ein Zufall, das ist ja genau da wo der von dir ausgewählte Zeitraum beginnt) ein leichter Rücklauf zu beobachten ist. Jedoch das Gesamtbild eine ganz andere Sprache spricht. Tatsächlich ist dort zu sehen, dass seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ein drastischer Aufwärtstrend besteht – selbstverständlich nicht linear sondern mit Schwankungen.

    schaut mensch sich ein bisschen auf der seite des met office um, deren Statistiken du dich bedient hast, ist es doch etwas überraschend, dort dinge zu lesen wie:

    „How do we know the world has warmed?

    The 11 indicators shown below have been compiled by the Met Office Hadley Centre for this purpose. They draw on the work of over 100 scientists from more than 20 institutions and provide, in one place, a holistic view of our climate from the depths of the oceans to the high atmosphere.

    In the long-term, seven of the indicators are rising and four are declining. Each of the indicators is consistent with the land surface temperature records and shows long-term warming.

    Rising indicators

    Air temperature over land
    Sea-surface temperature
    Marine air temperature
    Sea-level
    Ocean heat content
    Specific Humidity
    Tropospheric temperature in the „active-weather“ layer of the atmosphere closest to the Earth’s surface

    Declining indicators

    Arctic sea-ice September extent
    Glacier Mass
    Spring snow cover in the northern hemisphere“

    Das Met Office bildete übrigens eine Arbeitsgruppe im IPCC unter John Houghton, der seine Sicht über die Erderwärmung mit deutlichen Worten beschreibt:

    „As a climate scientist who has worked on this issue for several decades, first as head of the Met Office, and then as co-chair of scientific assessment for the UN intergovernmental panel on climate change, the impacts of global warming are such that I have no hesitation in describing it as a „weapon of mass destruction““

    „Ich als Klimawissenschaftler, der Jahrzehntelang an diesem Thema gearbeitet hat, erst als Kopf des Met Office, dann als Co-Chair of scientific assessment für den IPCC, sehe die Auswirkungen der globalen Erwärmung so, dass ich keinen Zweifel darin habe sie als eine Massenvernichtungswaffe zu bezeichnen.“

    Du wählst also aus den Statistiken eines Instituts, das in der Gesamtheit seiner Studien eine Erderwärmung attestiert, exakt und ausschliesslich den Ausschnitt, der so ausschaut, als gäbe es diese Erderwärmung nicht.
    Mit deiner selektiven und höchst durchschaubaren Statistikverwertung reihst du dich übrigens wunderbar ein in die übrigen ach so kritischen Klimawandelbezweifler_innen.

    Ein als Lügendetektor getarnter Lügner kann gefährlich sein, aber auch nur wenn seine Tarnung halbwegs gut ist….

  6. @ Ronja
    Hier liegt scheinbar ein riesen Missverständnis und jede Menge Unkenntnis vor.

    Beim Klima ist es immer eine Frage des Betrachtungszeitraums, seit 10 Jahren wird es kälter (trotz Rekord-CO2-Ausstoß), seit 100 Jahren wird es zum Glück wärmer, weil vor gut 150 Jahren die kleine Eiszeit zu Ende ging (da begann auch die instrumentelle Temperaturmessung). Seit 1000 Jahren wird es wieder kälter, da wir uns damals im mittelalterlichen Klimaoptimum (Optimum = gut) befanden. Seit 10000 Jahren wird es wieder wärmer, weil kurz davor die letzte Eiszeit endete. Seit 125000 Jahren wird es wieder kälter, da wir uns damals in der Eem-Warmzeit befanden. Je nach dem, welchen Zeitraum man wählt, kann man das Eine oder das Andere nachweisen. Was allerdings unstrittig und historisch belegt ist, ist die Tatsache, dass die Menschheit von den Warmzeiten profitiert hat. Darum ist es Unsinn zu behaupten, mir wäre eine Abkühlung „angenehmer“. Das Gegenteil ist der Fall. Ich hoffe und wir alle sollten hoffen, dass die Erwärmung bald weiter geht. Zur Klimakatastrophe kommt es, wenn sich das globale Klima weiter abkühlt.

    Ich kenne keine Klimawandelbezweifler, denn jeder weiß wohl, dass sich das Klima immer gewandelt hat und hoffentlich immer wandeln wird. Wäre es anders, sollten wir uns Sorgen machen.

  7. @Lügendetektor: Willst du uns die ganzen Klimakriege besonders in Afrika, und die daraus folgenden abermillionen an Klimaflüchtlingen jetzt ernsthaft als gute Sache verkaufe. Es redet ja niemand davon, dass es kälter werden soll, es geht darum eine RADIKALE Form des Klimawandels abzuschwächen, um mehr Menschen die Möglichkeit zu geben, sich entsprechend auf die Veränderungen einzustellen und ein gewisses Ausmaß an Katastrophe zu verhindern.

    Ich frage dich: Welche Interessen vermutest du eigentlich hinter einer vermeintlichen „Klimalüge“? (Die Interessen derjenigen die den Klimawandel als unbedeutend zurückweisen, sind siehe Beispiel Hambacher Forst ja mehr als offensichtlich.)

  8. Es ist sinnlos, sich mit dem auch nur zu unterhalten. Wie andererorts schon gesagt wurde, ist ignorieren das nervenschonendste. Und das nicht, weil man zu feige für eine Diskussion wäre, sondern weil man noch halbswegs bei Verstand bleiben will. Und das geht bei einer Unterhaltung mit unserem lieben Herr „Lügendetektor“ nicht.

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