[Deutsch]
Die Megamaschine muss sich stetig ausbreiten, sonst kollabiert sie. So kam es, dass der Hambacher Wald (an sich schon ein Überbleibsel eines viel größeren, alten Waldes) durch die Ausbreitung eines riesigen Kohletagebaus fast komplett zerstört wurde. Nur ein kleiner Teil des Ökosystems blieb übrig, und auch das nur auf Grund des starken Widerstandes, der sich um die Waldbesetzung seit 2012 etablierte.
Der Hambi ist ein zentraler Ort für antikapitalistische und radikale Umweltkämpfe in Europa gewesen. Die hier entstandene Besetzte Zone, ist in ihrer Größe vergleichbar mit der ZAD Notre-Dame-des Landes oder mit Exarcheia in Athen. Auch diente der Hambi als Ausgangspunkt für viele andere Landkämpfe in Deutschland, wovon Lützerath oder der Dannenröder Wald die bekanntesten Beispiele sind.
All diese hier genannten Orte des Widerstands wurden seit dem geräumt. Aber der Hambi ist bis heute ein autonomer, gesetzloser Raum wo wir tun was wir wollen. Statt von außen zerschlagen zu werden, wurde der Hambi schlicht vergessen – sowohl von Gefährt*innen als auch von der Gesellschaft – seitdem der angebliche Kohleausstieg verkündet wurde. Es wäre ein komischer Schluss für diesen Kampf in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.
Der Hambi wurde nie “gerettet”. Statt direkt gefällt zu werden, ist er verurteilt zu einem langsamen Tod. Angrenzend befindet sich der größte Tagebau ganz Europas, der sich stetig weiter ausgebreitet und dem Wald das Grundwasser stiehlt. Die Region soll weiter ausgebeutet werden & in ein Öko-Yuppie-Resort verwandelt werden, sogar mit einem Yachthafen. Und außerdem ist der Staat, in Zeiten der Militarisierung und verstärkter Gier nach Ressourcen, nur eine Wahl davon entfernt den Kohleausstieg zu vergessen und den Rest des Waldes platt zu machen.
“Von der Kohle zur KI” betitelt die Umstrukturierung der Macht, die sich in der Region rund um den Hambacher Tagebau abspielt . Microsoft baut mehrere Rechenzentren an der Ostseite des Tagebaus und versucht damit das “Silicon Valley Europas” zu etablieren.[1] In Jülich, auf der Westseite des Tagebaus, wurde vor kurzem Europas leistungsfähigster Computer eingeweiht – ein Symbol für Deutschlands Einstieg in das Rennen der KI-Aufrüstung.[2] Noch näher an der Besetzung, in Morschenich-Alt, träumt der lokale Bürgermeister davon den “Ort der Zukunft” zu bauen, einen Hotspot für neokoloniale Tech-Firmen.
Jetzt ist nicht die Zeit den Hambi zu vergessen. Wir rufen alte und neue Freund*innen auf zu uns zu kommen: Zieht her, beteiligt euch am Wiederaufbau der Besetzung. Das Leben im Wald mit allem Wandel in den Jahreszeiten kann herausfordernd sein. Aber es bietet auch einmalige Möglichkeiten soziale & physische Strukturen aufzubauen, befreit von den Regeln die von uns in der Außenwelt abverlangt werden.
Unsere Tür ist immer offen. Mit diesem Aufruf laden wir euch aber besonders zu einem Event diesen Frühling ein. Dort wollen wir Strukturen renovieren, die Strukturen abbauen, die abgebaut werden müssen, und vielleicht etwas Neues bauen, abhängig von unseren Bedürfnissen zu dieser Zeit. Auch werden wir Müll einsammeln im Wald und von den Bäumen die einmal besetzt waren.
Wie bei unseren vielen Skillshares soll es auch dieses Mal Raum geben für Workshops, Beiträge und was sonst noch geteilt sein will. Es ist auch eine gute Gelegenheit über unsere Vorstellung für die Zukunft der Besetzung zu reden. Und am 14. April gibt es guten Grund zu Feiern: den 14. Geburtstag der Besetzung!
Tolle Mitbringsel für uns sind: Baumaterialspenden, besonders Planen (LKW-Planen, keine Gewebe-Planen, die vergiften wenn sie sich zersetzten den Wald), Werkzeug und natürlich veganes Essen für die KÜFA.
Für Anarchie und Hochverrat!
einige Waldbewohner*innen
p.s.: Wir laden euch ein, den Aufruf zu Übersetzten und in weiter Ferne zu verbreiten.
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[English]
The megamachine must expand constantly or else collapse. So it came to be that the Hambacher Forest, already a leftover from a much vaster ancient woodland, was almost completely destroyed by the expansion of a huge coalmine, the largest in Europe. Only a small portion of the habitat was spared, owing to fierce resistance centred around numerous occupations of the forest, starting in 2012.
The Hambi has been a focal point for anti-capitalist and radical ecological struggle in Europe. The autonomous zone opened up here is comparable in size to the ZAD of Notre-Dame-des-Landes and Exarcheia in Athens. Hambi also served as a key predecessor for many other land struggles in Germany alone, of which Lützerath and the Dannenröder Wald are but the two best known examples.
All the sites of resistance explicitly mentioned here, however, have since been evicted. Yet Hambi remains autonomous to this day, a lawless place where we can do what we want. Rather than being crushed outright, Hambi has mostly been forgotten about – both by comrades and broader society – since the supposed coal-exit was announced. It would be a strange conclusion for this struggle to wither into irrelevance.
The Hambi was never “saved”. Instead of being logged directly, it was sentenced to the slow-death of having its ground water stolen by a toxic pit which continues to expand. There are plans to further exploit the region by turning it into an eco-yuppie tourist resort, complete with a yacht harbour. And in times of militarisation and increased resource scarcity, the state is only an election away from forgetting about the coal-exit and finishing off what remains of the woodland.
Moreover, the Hambach Mine is at the centre of power’s restructuring, in its own words “from coal to AI”. Microsoft is building multiple data centres on the east side of the mine, attempting to establish what some are calling the “Silicon Valley of Europe”.[3] On the west side, in Jülich, the most powerful computer in Europe has recently been installed, symbolising Germany’s entry into the AI arms race.[4] Even closer to the occupation, in Morschenich-Alt, the local mayor rattles on about building the “village of the future”, a hotspot for neocolonial tech firms.
Now is not the time to forget about the Hambi. We are calling on friends old and new to join us here, settle in, and participate in the regeneration of the occupation. There are challenges to living in a forest through the seasons. But it is also a unique living opportunity, in which structures – social structures as well as physical infrastructure – can be built free from the rules imposed by the outside world.
The door is always open to outsiders. Though with this call we invite you specifically to an event this Spring. It would be a great moment to renovate structures, deconstruct those which need it, and maybe also to build something new, depending on our priorities at the time. There is trash to collect, too, including from trees which were once occupied.
This will also be a moment to propose workshops and other happenings, as we have done at skillshares here many times before. It would be a good opportunity to talk about visions for the future of the occupation. And on April 14th, we have the 14th anniversary of the occupation itself to celebrate.
Donations of building materials would be great, especially tarps (truck tarps, no woven tarps please, they poison the forest). Tools would also be nice. Feel free to bring some vegan food for the collective kitchen.
For anarchy and high treason!
some forest dwellers
p.s. We invite you to translate and spread this call far and wide.
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[1] https://news.microsoft.com/de-de/ki-rechenzentren-fuer-das-rheinische-revier-und-ganz-deutschland-microsoft-stellt-plaene-in-nrw-vor-und-startet-qualifizierungsoffensive/
[2] https://www.fz-juelich.de/de/aktuelles/news/pressemitteilungen/2025/supercomputer-jupiter-erreicht-rekord-rechenleistung-in-europa
[3] https://www.datacenterdynamics.com/en/news/microsoft-to-build-data-center-in-elsdorf-germany/
[4] https://www.fz-juelich.de/en/news/archive/press-release/2025/jupiter-supercomputer-propels-european-computing-power

