Aktion Marximale Verwirrung

Gestern, am 15.10. wurden die Tagebaue und Kraftwerke von RWE bestreikt. Es ist unklar, ob der halbwilde Streik so geplant war oder ob die Blockade der Werkseinfahrten und Zufahrtsstraßen spontan passierte (so stellt es die Gewerkschaft offiziell dar, um nicht für die Leitung einer unangemeldeten Versammlung belangt werden zu können).

Leider hatten die Streikposten kein Durchhaltevermögen, so dass sie ab 11:00 Uhr der Aktionsgruppe Marximale Verwirrung das Feld allein überließen, obwohl ihre Mahnwache bis 14:00 Uhr angekündigt war.

Die Aktionsgruppe Marximale Verwirrung war mit einem Banner mit der Aufschrift „RWE-Bonzen enteignen – 300.000€ Abfindung für jeden Kumpel“ (Bild folgt) und Flyern mit dem kurz vor der Räumung erschienenen Offenen Brief an die Angestellten von RWE und die IGBCE vor Ort, um die Angestellten des Tagebaus an die großen Bergarbeiter*innenstreiks von 1997 zur erinnern und ihnen Unterstützung bei (gern auch wilden) Streiks anzubieten, wenn sie die übertriebene Loyalität zu ihrem Arbeitgeber überwinden und anfangen, für gute Abfindungen und einen Sozialplan zu streiken. Der Sozialplan muss jetzt erkämpft werden, wenn die RWE-Angestellten nicht plötzlich auf der Straße stehen wollen – sei es in zwei, fünf oder 20 Jahren. Denn die Manager werden Abfindungen erhalten und sich ohne den Druck von der Straße einen Scheißdreck um ihre Arbeiter*innen kümmern.

Da es auf einem toten Planeten keine Jobs gibt, muss der Kohleausstieg jetzt kommen – ob er sozialverträglich gestaltet wird, hängt von der Streikkraft der Kumpel ab.

Sowohl gestern am Tagebau als auch heute in Niederzier gab es Arbeiter*innen, die uns angepöbelt haben. Aber auch sehr konstruktive Gespräche – und eine offizielle Einladung, auch morgen ab 7:00 Uhr am Bahnhof Buir das Gespräch zu suchen. Wir haben versprochen, da zu sein und bringen Kaffee und einen Ankettworkshop mit.

Update 17.10.: Wir waren zu spät. Zwar waren noch viele Interessierte an der Mahnwache, als wir wie versprochen um kurz nach neun mit Ankettworkshop, Bannermalutensilien und Frühstück auftauchten. Jedoch fürchtete der Anmelder der Mahnwache um unsere Sicherheit, da noch eine Demonstration mit ca. 200 Kumpel durch den Ort Richtung Mahnwache zog. Aus diesem Grund luden wir ihn und alle an Streikunterstützung interessierten auf das Camp in Manheim ein.

Und auch wenn zu befürchten ist, dass einige Demoteilnehmer*innen nicht schnell genug verstanden hätten, dass wir auf ihrer Seite stehen, finden wir es prinzipiell sehr lobenswert, dass sie mittlerweile so auftreten, dass die Polizei mit zehn Wannen und Kamerawagen vor Ort war. Falls hier noch weitere Repression (in Form von böser Post etc.) auftritt, vermitteln wir gerne Fachanwält*innen mit Erfahrung u.a. von G20. Auch das Legalteam ist unter 030 340 60 313 auch für die Kumpel da.

Folgender Flyer hing leider nur kurz an der Mahnwache:

Streikunterstützung

Für wilde Streiks!
Für einen sofortigen Sozialplan!
Für 300.000€ Abfindung für jeden Kumpel!

  • Blockadetraining
  • Klettertraining
  • Workshop Pressearbeit
  • Rechtshilfe
    • Workshop Versammlungsrecht
    • Polizeikontakttraining
    • Ermittlungsausschuss
  • Demosanitätsdienst
  • psychosoziale Notfallunterstützung
  • weitere Workshops möglich

Meldet euch bei
streik@nullriseup.net

Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Und, wie war der frühmorgentliche Austausch?

  2. Alle Bagger stehen still, wenn euer starker Arm es will! Coole Aktion von den Kumpels. Keine Kohle für den Vorstand! Lasst euch statt Antworten nicht wieder die obligatorische Flasche Jaegermeister in die Hand drücken! Seit 30 Jahren wissen alle vom Kohleausstieg und was hat der Vorstand gemacht: nuescht, außer die eigenen Taschen noch schnell vollgestopft und den Kumpels von SPD, FDP und CDU noch ordentlich paar Jobs und Geschenke ruebergeschoben. Ansonsten Augen zu und weiterbaggern, kreative Ideen bei hochbezahlten Manager-Nieten Fehlanzeige, lieber noch Ommas Haeschen schnell plattmachen solange dafür sichere Staatsknete winkt. Jetzt werden die Kumpels gegen möglichst hohe Abfindung verschachert, nein nicht fuer die Kumpels, sonder einen Abfindung vom Steuerzahler fuer den Konzern, damit der dann grosszuegigerwise die Landschaft nicht weiter zerstoert. Klimaschutz beim Klimagamgster teuer erkauft. Und wo geht die Kohle dann hin? Na ratet mal ihr trieb RWE Anhaenger … in wessen Taschen … na? aber Euch werden sie glauben machen die Aktivisti seien an allem Schuld. Das sagt der Indemann, der sich mit diesen Methoden besser auskennt als ihm Lieb ist.

    1. Nun ist es also geschehen. Einige irregeleitete „Arbeiter“ und „Gewerkschafter“ suchen das Haus einer Frau auf die sich für Bürgerrechte einsetzt und bedrohen sie und ihre beiden Kinder! Eine Frau die für die Situation der RWE-Mitarbeiter null -ich wiederhole null, d. h. gar keine- Verantwortung trägt. Dafür demonstriert man im Sinne des milliardenschweren Konzerns und des millionenschweren Vorstands! Tiefer kann man als Arbeiter, Gewerkschafter und Gewerkschaft wohl kaum mehr sinken.

  3. Für den Vorstand von RWE kommt der Kampf um den Hambi sogar ganz gelegen. So kann man die sowieso bald anstehenden Entlassungen den Aktivisten anhängen.
    Der größte Teil der Arbeitnehmer von RWE wird den Winkelzug natürlich durchschauen. Die sind ja nicht blöd. Denn auch die Schließung von zwei Blöcken des Kraftswerks Niederaußem wurde vor dem Rodungsstopp bekanntgegeben.

    Aber es wird auch unbelehrbare Hitzköpfe geben. Passt deshalb gut auf euch auf.

  4. Als alter Gewerkschaftler kann ich nur sagen: darauf habe ich schon lange gewartet. Vorsichtige Kontaktaufnahme zwischen Aktivisten und RWE Leuten. Denn dieser brave Verein der da so tut, als würden sie die Arbeitnehmerinteressen vertreten, hat genauso wie RWE Angst vor dem notwendigen und unvermeidbaren Strukturwandel. Angst vor Mitgliederverlust.
    In den erneuerbaren Energien steckt ein VIELFACHES an Arbeitsplätzen von der gesamten Braunkohle. Jetzt schon. Und was heißt denn noch mal das E in IGBCE? Sind da denn nicht auch viele mögliche Gewerkschaftsmitglieder? Theoretisch ja. Aber das sind oft Handwerksbetriebe, da ist der Organisationsgrad meistens nicht so hoch. Und wenn, dann sind sie eher in der IG BAU. Also geht es einfach um Macht, um Mitgliederzahlen. Also stricken sie fleißig mit an diesem Märchen: Braunkohle ist unverzichtbar, wenn es Probleme gibt dann sind die Aktivisten schuld, oder gerne auch die Grünen. Aber wenn wir nur zusammenhalten, wird das Schiff schon nicht untergehen. Sie sagen: Die Speichertechnologien sind noch nicht so weit und natürlich, es gibt einige Tage ohne Sonne und Wind.
    Allerdings, allein schon die norwegischen Pumpspeicher reichen gegen diese Dunkelflaute vollkommen aus. Viele dar saubereren Gaskraftwerke sind eingemottet. Die brauchen übrigens auch Fachkräfte. Wie das gesamte Handwerk auch.
    Liebe Kumpels, lasst euch nicht länger verarschen! Ich kenne eine ganze Reihe von ehemaligen Bergleuten aus dem Ruhrgebiet aber auch aus Alsdorf. Die haben schon hinter sich, was ihr noch vor euch habt. Von denen findet KEINER gut, was diese Arbeiterverräter bei euch veransatlten.
    Ein guter Sozialplan, darum geht es tatsächlich. Und Umschulung. Wer einen Bagger fahren kann, kann auch einen Bus fahren, und die werden dringend gesucht. Nur mal als Beispiel.

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