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KAMPF UM DEN WALD

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KAMPF UM DEN WALD
Von TIM
Teil 1/3

Ein Dreiteiler über Bäume, luftige Höhen, eine Räumung und darüber, was ich damit zu tun habe.
All dies geschah vor nicht allzu langer Zeit in den Bäumen des Hambacher Forst bei Köln.
Der kommende Text soll Menschen einen Einblick in meine Gedanken, Gefühle und Emotionen ermöglichen. Einen Einblick in eine Situation, in der ich mich befand und wie sie zu stande kam.

Der Hambacher Forst.

Der Hambacher Forst gehört mit seinem einzigartigen Ökosystem zu den letzten großen Mischwäldern in Mitteleuropa. Von seinem ursprünglichen 5.5oo Hektar sind heute noch nicht einmal mehr 1.000 Hektar vorhanden. Der Wald wird von RWE, einem der größten deutschen Energiekonzerne, abgeholzt. In den kommenden Jahren soll er ganz dem Braunkohle-Tagebau Hambach weichen. Der Hambacher Forst, einst Bürgewald genannt, hat eine über mehrere Jahrhunderte alte Geschichte. Mit seiner einzigarten Vielfalt an Flora und Fauna bietet er vielen Lebewesen ein zu Hause. In den jetzt noch stehenden Resten finden sich Stieleichen und Rotbuchen, die über 200 Jahre alt sind. Er bittet vielen Zugvögeln jedes Jahr einen Zwischenstopp und wird mitunter von Waldkäutzen, Fledermäusen und Haselnussmäusen bewohnt.
Der Tagebau Hambach ist mit seiner Größe von ca. 8×10 Kilometern und einer Tiefe von fast 500m der größte in Europa. Das gesamte Rheinische Braunkohlerevier umfasst 3 Tagebauten und mehre Kohlekraftwerke sowie Kohleveredelungsanlagen. Sie verarbeiten jährlich ca. 100 Mio. Tonnen Kohle. Für die Braunkohleförderung mussten in den letzten 70 Jahren Tausende ihre Dörfer verlassen und weitere Dörfer stehen vor der Zwangsumsiedlung.

Teil 1.

Der Anfang.

Vögel fliegen am Fenster vorbei. Der Wald erwacht aus seinem Winterschlaf und die ersten Bäume fangen an, ihre Blätter zu zeigen. Das Leben am Waldboden ist im vollen Gange. Ameisenstraßen bahnen sich ihren Weg zu tausenden durch das Laub, über Totholz und an den Baumstämmen in die Höhe. Kräuter mit saftigen, grünen Blättern schießen überall aus den Boden. Schneeglöckchen bilden einen grünen Tepich mit weißen Blüten. Es ist der 27. März 2014, wir liegen im Bett und rauchen gerade die erste Zigarette des Tages – 20 Meter über dem Boden in einem mit Stroh isolierten Baumhaus in Monkey Town im Hambacher Forst. Unser Zuhause ist eine ca. 200 Jahre alte Rotbuche mit dem Namen Testimo. Wir genießen die Sonnnestrahlen, die durch das Fenster auf uns herabfallen.
Wir vernehmen leise und stumpf klingende Stimmen unter dem Baumhaus. Ich schaue aus dem Fenster und sehe: “…….Polizei , RWE“.
Sie ziehen durch den Wald und sperren großflächig den Bereich um die Baumhaüser ab.
“Räumung!”, schießt es durch die Synapsen meines Kopfes. Mein Puls fängt an zu rasen, ich zittere, kann keinen Gedanken fassen. Gelähmt in einem mir kurz scheinenden Moment. Heute soll es soweit sein. Sieben Monate lebe ich hier in den Bäumen und heute soll es zu Ende sein. Schluß, aus und vorbei. Ich fasse meine derzeitigen Gedanken und drücke sie weg. Nach draußen, telefonieren, Funkgerät einschalten, Anwalt und Presse kontaktieren. Du musst frühstücken und trinken jagt es mir durch den Kopf. Ein wenig Müsli, Tee, der letzte Kaffee und eine Zigarette hier oben in Testimo. Die anderen Bäume kommunizieren uns die selben Gedanken. Heute wird geräumt.
Polizist_innen ziehen in ihren Zügen, wie Ameisen wirkend von hier oben, gehörig in Reih‘ und Glied durch den Wald. Ich lege mir die vorgefertigten Handfesseln an meinem linken und rechten Arm an. Suche Teddy und verwahre ihn nach kurzem Knuddeln in meinem Rucksack. Alles, was in meinen Rucksack passt, wird reingestopft. Die Regensachen, Teller, Besteck, Taschenlampe, das kleine Stopp-Kohle-und-Atom-Tranzparent von der Wand, bis hin zu meinem Lieblingsbeil und Latthammer. Den für die Räumung zusammen gepackten Rucksack ziehe ich unter dem Bett hervor und kontrolliere seinen Inhalt: Wasser, Schokolade, Nüsse, Obst, Geld für zwei Anrufe aus der Polizeiwache oder dem Gefängnis, Handynummern, dicke Klamotten und Handschuhe.
Das kann ein langer Tag werden, denke ich mir. Desweiteren kann es noch dauern, bis die Polizei hier auf 20m Höhe ankommt. Kletterpolizist_innen kommen mit ihren herausstechenden Uniformen sowie Ausrüstungsgegenständen auf dem Testimo zu. Meist sind sie schon mit einem Gurt bekleidet, haben sie einen festen ohne Visier bestückten Schutzhelm auf dem Kopf oder haben erstmal nur ihren Ganzkörperoverall an. Vom Bundesland sowie Polizeieinsatzbereich abhängig unterscheiden sich auch oft Farbe und Beschriftung der Uniformen. Sie stehen jetzt schräg unter mir und beratschlagen sich bestimmt, wie sie es jetzt am besten anstellen, zu uns rauf zu kommen.
Aus der Funke spricht eine Stimme und informiert uns, dass sich gerade schweres Gerät seinen Weg durch den Wald bahnt. Es dröhnt und knackt, als sie die Wege planieren und auffüllen. Sie bereiten so den Waldweg für andere Maschinen vor, damit diese sie befahren können. Das Geräusch der Fräse, einiger Kettensägen und das Rattern von Maschinen nehmen wir im Hintergrund wahr. Sie machen alles dem Erdboden gleich, um eine passende Startposition für die Hebebühnen zu schaffen. Ich sehen nur wenig, da sich alles bisher im vorderen Bereich von Monkey Town abspielt. Mehrere Augen berichten mir über Funk, was sich in dem, für sie sichtbaren Bereich abspielt oder was sie hören. Forstarbeiter_innen fräsen die Buchenhecken um die bewohnten Bäume um, fällen Bäume um neue Wege und Flächen zu schaffen.
Drei Hebebühnen werden vorgefahren und aufgebaut. Es wird sich so langsam auf den eigentlichen Einsatz vorbereitet, die drei Personen im vorderen Bereich von Monkey Town aus den Baümen zu holen.
Ich schaue aus dem Fenster, blicke auf die Äste und Zweige von Testimo. Die Sonne wärmt mich und lässt mich kurz vergessen, dass unter mir hunderte von Polizist_innen stehen, unterstützt von riesigen Maschinen und Gerätschaften, um ein Ziel zu verfolgen: Uns mit allen Mitteln hier raus zu holen.
Die Technische Einheit der Polizei macht sich auch so langsam bereit. Diese wird meist zum Knacken von Lock-Ons, das heißt Vorrichtungen, an denen sich ein Mensch festketten kann, Einreißen von Hütten sowie zum Fahren von Maschinen wie Hebebühnen, verwendet.
Wir hören noch, wie uns gesagt wird, dass sie dabei sind, in die ersten Bäume hochzusteigen und kurz darauf Funkstille. Das war das letzte, was wir von den drei Baumbewohner_innen im vorderen Bereich von Monkey Town gehört haben.
Wir können jetzt nur vermuten, was dort geschieht. Das dröhnen von Kettensägen und anderem Werkzeug dringt durch den Wald bis hin zu Testimo.
Eine Fräse auf Ketten bahnt sich ihren Weg zu uns hin. Sie zerstückelt alles, zerkleinert Wurzeln, Lebewesen und ihre Behausungen. Eine Schneise der Vernichtung wird erst zu Testimo, danach in Richtung des zweiten Baumhauses in ca. 150m Nähe gefräst. Ich sehe, wie Forstarbeiter_innen mit Kettensägen bewaffnet Bäume, die sie hindern, verstümmeln, umgesägen und zerstückeln.
Ich mache mich auf dem Weg in die Krone über mir, um ein Metallrohr, die Hängematte und Windschutz anzubringen. Dies tue ich auf 25m über den Boden. Immer wieder tauchen Polizist_innen unten auf und beraten sich. Als ich alles erledigt habe, klettere ich wieder zum Baumhaus hinab. Wir sitzen zusammen, essen Schokolade und hören Musik, als uns eine Idee durch den Kopf schießt. Diese wird gleich umgesetzt. Wir kombieren das Mikro von dem Megaphon mit der Box vom einem Radio mit Hilfe von Gaffa, einem stabilen Allzweckklebeband. Dann richten wir das Megaphon zu den anderen Bewohner_innen in den Bäumen. Zwischendurch werden die Forstarbeiter_innen und Polizist_innen direkt mit Hilfe des Megaphons angesprochen. Schon bekannte RWE-Mitarbeiter_innen bekommen Pfiffe und die Sirene zu hören. Meistens endet dies mit Antworten wie: “Wir kriegen euch schon”, lachen, “ich befolge meine Befehle” und Anweisungen sowie irgendwas mit “dies ist Eigentum von RWE”.
Ok. Das mit dem Hirn abschalten und alles nachplappern scheint mir hier ein weit verbreitetes Problem heute zu sein. Gleichschaltung des Denkens, alles andere wird geräumt, umgesiedelt, verhaftet oder eingesperrt. So wie ich gerade. Ich passe nicht in das Schema. Springe aus der gesellschaftlichen Logik heaus. Stelle mich queer. Bin unbequem.
Ich sitze auf dem Balkon von der Plattform und im Hintergrund spielt die Musik. Schaue dem Treiben unter mir gespannt zu. Rufe den Polizist_innen unter mir zu, dass sie noch eine Nackenverspannungen bekommen, wenn die so weiter zu mir rauf schauen. Ja, ich hier oben, ihr da unten.
Schon eine andere Sicht. Ich schaue auf euch herab. Genieße die Aussicht um mich herum, die Bäume, die sich tagtäglich verändern. Klettere in meinen Gedanken hoch in die Krone, zu dem Ort, wo sich das Metallrohr befindet. Wärend der ersten Tage der neuen Waldbesetzung Anfang September 2013, kurz nach dem Klimacamp in Manheim, einem Dorf, das dem Tagebau Hambach ebenfals weichen soll, hatte ich ein längeres Gespräch mit Aktivist_innen aus vielen Teilen der Erde. Wir redeten über Sich-Festketten und die daraus bereits entstandenden Erfahrungen. In diesem Gespäch stießen wir auf dem Begriff “Liebe” und diese zur Natur zu zeigen. Ich meinte, dass Festketten auch Liebe sei. Das Gefühl, mit etwas verbunden zu sein, mitzufühlen und etwas zu schützen.
Es war eine längeres und sehr interessantes Gespräch, voller Liebe, Hingabe und Romantik. Dies an einem Ort wie dem Hambacher Forst, der neuen Besetzung. Das Gefühl, etwas hier gerade in diesem Augenblick zu bewegen. Da kam das Wort Testimo. Es bedeutet soviel wie “In Liebe” im katalanischen. Ein Wort, das beim Aussprechen Ruhe und Ernsthaftigkeit zeigt, stehend für Hingabe und vieles mehr. Es wurde dieser Begriff in den kommenden Tagen oft verwendet. Am letzten Tag vor der Abreise schrieb mir eine der Personen “Testimo” auf mein Metallrohr. Seitdem habe ich das Rohr an mir getragen und wusste, ich werden es benutzen, wenn der Tag kommt.
Mit dem Gefühl “Ich liebe die Natur, bin ein Teil von ihr und was du liebst, zerstörst du nicht” ging ich durch die Monate. Es ließ mich nicht los. Jeder Tag war ein neuer. Hier im Wald ist immer etwas los, ich muss nur meine Augen aufmachen, den Klängen lauschen und mit der Hand den Baum berühren. Ich habe eine Verbindung mit meiner Umgebung aufgebaut, erkunde sie, bewundere und respektiere sie.
Das Dröhnen und Krachen der zu Boden fallenden Bäumen, löst immer wieder ein unangenehmen Impuls meiner Nervenbahnen im Körper aus, der vom Fuß ausgehend über den Rücken in die Arme wandert.
Eine auf Ketten fahrende Hebebühne macht sich auf dem Weg zum zweiten besetzten Baum neben mir. Dieses Baumhaus befindet sich noch im Aufbau und besteht derzeit aus einer Plattform. Zwischen diesem und Testimo wurden spezielle Seile, teils Walkways und teils Traversen gespannt. Diese ermöglichen uns das Hin- und Herbewegen zwischen den einzelnen Bäumen, ohne auf den Boden zu müssen. Ein sozusagen eigens geschaffenes Netz aus Wegen und Plattformen. Insgesamt wurden in dem hinteren Bereich von Monkey Town sechs Bäume erklommen, um eine Verbindung zwischen der Plattform und Testimo zu schaffen. In dem Baum auf halber Strecke hängen Stämme für eine weitere Plattform.
Unter diesem wird gerade von Kletterpolizist_innen mit Hilfe von einer großen Zwille (bigshot) ein Seil reingeschossen. Nach mehrmaligem Probieren hängt das Kletterseil und ein Polizist macht sich an dem Aufstieg. Oben angekommen kappt er die Walkways, sowie die Matterialschlingen an denen die Bäumstämme hängen. Es regnet Baumstämme und Seile.
Ein mit Steigeisen (mit Metallhacken bestückte Schuhe) ausgerüsteter Kletterpolizist macht sich auf dem Aufstieg, direkt an dem Baum neben Testimo, um uns den letzten Walkway zu kappen. Damit besteht nicht mehr die Gefahr, dass wir in andere Bäume klettern werden. Die zweite Bewohner_in macht sich auf dem Weg über den Walkway, um den Polizist in Empfang zu nehmen. Sie reden lange. Verständnis, aber Gehörigkeit dem Chef und der Stadt gegenüber. Die meisten der Polizist_innen sind nicht das erste Mal im Hambacher Forst im Einsatz. Seit dem am 14. April 2012, als die ersten Aktivist_innen während des “Wald-statt-Kohle”-Fests die Bäume erklommen haben, kam es zu unzähligen Einsätzen. Sei es wegen Schienenblockaden, weil bis zu hunderte von Menschen sich auf die Gleise der Kohleeisenbahnstrecke setzen. Wegen immer wieder stattfindenden Camps, Konzerten oder anderen Veranstaltungen. Oder als Unterstützung bei der Beseitigung von immer wieder neu errichteten Barrikaden auf den Waldwegen. Zur Durchführung von Durchsuchungen oder wie jetzt die Räumung der 3. Waldbesetzung. RWE und ihre Anhängerschaft brauchen ihre Unterstützung, denn sie selbst trauen sich selten alleine durch den Wald oder in die kommenden vom Bagger gefressenen Dörfer. Sie wissen, dass ihnen die Gegend hier nicht wohl gesonnen ist, dass ihnen kein fruchbarer Boden bereitgestellt wird damit sie ihn verderben können. Sie, der Grund für lebensfeindliche Verhältnisse. So können Probleme schnell aus dem Weg geschafft werden, wenn menschen gleichzeitig von RWE, Polizei und Politik Geld kriegen und mitreden. Genauso wie sie, die von ihnen geschaffene Zerstörung von Leben, mit der Schaffung von künstlichen „Fakten“ totschweigen. Sie propagieren die Sicherung von Arbeitplätzen aber hinterlassen einen toten Planeten. Sie sagen wir sollen arbeiten gehen um die Familie zu ernähren und den Kindern eine Zukunft zu ermöglichen. Dass sie selbst diese Erde für uns, unsere Kinder und deren aller Kinder vergiften und zerstören, erwähnen sie mit keinem Wort. Es ist ein schleichender Mord, den ihr an euch selbst und noch mehr an denen nach euch verursacht. Keine Jobs auf einem toten Planeten. Liebe gewerkschaftler_innen, Genoss_innen, die sich immer noch an das Großkapital, sowie die SPD klammern. Weniger Arbeit für alle, statt mehr Arbeit für alle. Dann haben alle Zeit für sich, der Familie, den Kindern, sich zu beschäftigen und gemeinsam den Hambacher Forst zu erkunden.
RWE ist verantwortlich für bleibende gesundheitliche Schäden. Sei es durch die Feinstaubbelastung, die erhöhte Radioaktivität, den psychischen Druck den sie auf betroffene Menschen ausüben. RWE ist verantwortlich für Schäden an den Häusern durch das Abpumpem des Grundwassers, für verminderung der Lebens- und Wohnmbedingungen. Ebenso wird die Existenz von zahlreichen Bäuer_innen durch das großflächige Abpumpen des Grundwasser bedroht. Da beschweren sich sogar die Bäuer_innen in Belgien. Überlegst du dagegen zu Klagen wird es durch die gerichterlichen, lang andauernden Verwaltungsakten manchmal Jahre kosten bis ein Urteil gesprochen wird. Dadurch wird das Handeln von Betroffenen erschweren und meistens unmöglich gemacht. Gutachten erstellen von RWE bezahlte Prüfer_innen. Diese bezeichnen die Staubbelastung als völlig unbedenklich. Schäden an Ökosystemen werden als „im Rahmen“ dargestellt. Bei erhöhten Schwermetallwerten soll/brauch Mensch sich keine Sorgen machen, denn der Grenzwert wird angepasst.
“Ihr habt doch selber nen Bergbauschaden”. Zahlen verdrehen, Statistiken gestalten und dies in Dimensionen angeben, dass ich mir dies selten Vorstellen kann. Schaut euch das Loch hier an; Dass dass nicht ohne Folgen von sich geht, ist doch vorprogramiert.
Unter mir wird die auf Ketten fahrende Hebebühne positioniert. Sie wird mehrmals umgestellt sowie ihre Stützauflageflächen verändert. Es scheint als hätte sie ein paar Probleme. Da fängt wohl das Gerät an zu bocken. Ein_e Techniker_in wird rangeholt. Dies sind Probleme im Betriebsablauf wie ich sie begrüße. Wir steigen aufwärts in Testimos Krone. Es mag an die 15 Grad sein. Die ersten Kletterpolizist_innen stellen sich für den Aufstieg in die Kabine am vorderen Ende der Hebebühne auf.
Eine kühle Briese streift durch mein kurzes Haar. Die Krone schaukelt ruhig und sanft. Ein letzter Blick in Richtung der künstlich aufgeschütteten Sophienhöhe, die aus den letzte Resten des Waldes empor ragt. Mit ihren Absetzern, die den sogenannten Erdabraum aus dem Tagebau Hambach aufschütten. Die zwei großen Bagger mit ihren hohen Türmen, die auf der ersten Kante des Tagebaus Tagtäglich die Erde fressen. Egal ob Wald, Straße oder Dorf. Alles verschwindet ins Nix. Nur alte Karten, Straßenschilder oder Straßen die auf einmal im Nichts enden, erinnern noch an die ursprünglichen Orte.
Gegen dies stelle ich mich, dewegen bin ich hier und werde dies jetzt tun. Ich stecke beide Arme um den Baumstamm in das Metallrohr. Testimo mein Freund.
Klack macht es und das Schloss ist zu.

Die weiteren beiden Teile in den kommenden Tagen Online gestellt und stehen dann zu freien verfügung.

Den Text “ Kampf um den Wald” wird am Samstag den 12.April 2014 von mir auf der Wiesen-Besetzung bei Buir, zum dort stattfindenen Waldfest vorgelesen.

Tim

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Dieser Beitrag hat 12 Kommentare

  1. Die Sophienhöhe hat ein deutlich höheres ökologisches Potential als der Hambacher Forst und wird auch von der Bevölkerung hervorragend angenommen.
    Wer sich eine Zigarette anzündet und sich Gedanken über „bleibende gesundheitliche Schäden“ durch den Tagebau macht, ist schon reichlich daneben. Der Eindruck wird durch das übrige sentimentale Geschreibsel bestätigt.
    Das die Braunkohle für eine bezahlbare und zuverlässige Energieversorgung benötigt wird, ist unstrittig und wurde im Dezember noch einmal höchstrichterlich bestätigt.

  2. Braunkohle im Tagebau abzubauen und dann zu verglimmen tötet Menschen und macht sie Krank. Punkt.
    Braunkohle stellt sich gegen die Energiewende und dient nur dem Geldmachen. Noch nie wurde so viel Strom exportiert!
    Und vergessen sie nicht die Lebewesen, die erst mal 500 Jahre Ruhe in einem unberührten Biotop brauchen um sich dort wieder ansiedeln zu können. Aber es wird ja alles zerstört! Und die Tiere werden vor allem abgeknallt oder verhungern, weil jedes Jahr ein Stück ihres Lebensraumes zerstört wird.
    Klar, es gibt Alibiumsiedelungen.
    Sie, ja Sie sind nicht feinfühlig genug, mit dem Planeten umgehen zu können. Gehen Sie doch erstmal raus an die Natur bis sie gemerkt haben warum sie überhaupt leben können. Weil es viele Bäume gab.

  3. @ lügendetektor,

    Es ist zu bemerken das sogenannnte Kommentare von „sich Kritisch hinterfragenden“ Menschen, meist dort zu lesen sind wo emotionalgeladene Texte online gestellt werden. Komentare die ich in der letzten „Hier“, dem Magazine von RWE gelesen habe. Mag es sein das genau dieser Emotionale Bereich der ist, wo sich viele mit angestrochen fühlen. Gefühle zu äüßern ist eins, sie zu verschriftlichen damit die öffentlichkeit erfährt wie sie zu einem Handeln geworden sind, was ganz starkes. Es ist immer wieder schwer mit Menschen,Familie über die Situationen ihrer Zwangsumsiedlungen, Enteignungen zu sprechen. Meist erreicht dies eine Ebende in dennen wir anfangen zu Weinen. Dein Dorf aus den Kindheitstagen exestiert nur noch in den Fotoalben der Eltern.Viele menschen haben sich bis heute nicht abgefunden mit diesem Groß Projekt und werden dies auch in zukunft nicht tun. Mein Hut ab an euch da drausen in den anliegenden Dörfern, den Menschen auf dem Protest Camp bei Buir und dennen die bald wieder in die Bäumen klettern.Mein Dank.
    Wir sehen uns am 26.04 im Wald.
    Grüße Maxi

  4. @Klarsteller
    Dafür, dass Braunkohle im Tagebau abzubauen krank macht und Menschen tötet, gibt es keine Anhaltspunkte, zumindest bei uns nicht. Nicht einmal die Feinstaubgrenzwerte wurden bei uns im Gegensatz zu vielen anderen Stationen in den letzten Jahren gerissen. Dafür, dass Rauchen krank macht und tötet gibt es zig Belege.
    Die Braunkohle wird noch viele Jahrzehnte benötigt, denn mit erneuerbaren Zufallsstrom lässt sich kein Netz betreiben. Auch der Exportüberschuss des Stroms resultiert aus dem erneuerbaren Zufallsstrom, denn der wird vorrangig eingespeist, ob er gebraucht wird oder nicht. Oft genug muss der dann ins Ausland abgeleitet werden, wenn´s gut geht kostenlos, oft aber muss noch Geld obendrauf gezahlt werden. Auch diesen Unsinn der Energiewende zahlt der Stromkunde.
    Wie schnell sich die Natur den Lebensraum zurück holt und wie gut sich Arten etablieren, die früher nie eine Chance bekommen hätten, lässt sich gerade in den Braunkohle-Rekultivierungen erkennen. Dafür gibt es in den Rekultivierungen viele Bäume, Sukzessionsflächen, wechselfeuchte Standorte, Wasserflächen. etc. Gehen Sie mal raus und schauen Sie sich diese Bereiche an. Das sind heute anerkannte Naherholungs- und Naturschutzgebiete.

  5. Wunderschön zu lesen. Bedrückend und ermutigend zugleich!
    Der 26. wird ein Tag für die Liebe und Freiheit:) Ich freu mich euch Affen zu sehen! :):)

  6. Hier einige Texte von der Bürgerinitative Netzwerk Bergbaugeschädigter über (Fein-) Staub, mit Gutachten, Links und weiteren Informnationen.
    http://www.netzbege.de/presse/staub.html
    Du kannst dich weitergehend Informieren über die Folgen der Kohleverstromung und die Ziele des Netzwerkes.
    Haltet durch, bleibt stark.
    Klaus

  7. Sich eine Zigarrette anzuzünden ist eine persönliche Entscheidung,
    auf einer Erde aufzuwachsen, die von wenigen Profiteuren in kurzer Zeit nachhaltig Zerstört wird, ist eine Zwangsjacke!
    Zwangsjacken zerreißen!

  8. T., der Bericht hat´s in sich… RWE-Trolle aus der Zeit der zweiten Waldbesetzung kriechen erneut aus der Mottenkiste, ohne neue Argumente*… und die „ganz besonders grüne Gentechnik“ der NSU-Sicherheitsesoterik die sich mit ihren verstrahlten Krokodilstränen hier einschleimen will frisst endlich das Musikvideo an dem sich schon ihr Internetcafe-Mörder verschluckt hat*… fehlen nur noch antifaschistische Fuchsschwänze und abstürzende Bundeswehrflugzeuge*

  9. @Klaus
    Die Studien sind statistische Taschenspielertricks, die keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand halten. Nicht einmal die Feinstaubgrenzwerte wurden in den letzten Jahren gerissen.

    @unnötig
    Die Profiteure einer zuverlässigen und bezahlbaren Energieversorgung sind wir alle. Die Zerstörung ist nur temporär. Wie man an den Rekultivierungen sieht, wird das Land wenige Jahrzehnte später der Natur ökologisch aufgewertet zurück gegeben.
    Es ist bemerkenswert, wenn man die objektive Gefährdung durch Rauchen harmloser ansieht als die subjektive Gefährdung durch die Braunkohlegewinnung.

  10. „Subjektive Gefährdung durch Braunkohle“
    …hast Du dir das Loch mal angesehen? Jeder Mensch mit Hirn kapiert, dass das absolut nach Tod und Verderben schreit.

    „Die Zerstörung ist nur temporär“
    Auf dem Boden des Tagebaus kann ohne menschliches Zutun niemals mehr irgendwas wachsen, das ist absolut lebensfeindliches Gebiet.

    „…wird das Land wenige Jahrzehnte später der Natur ökologisch aufgewertet zurück gegeben“
    Ja, so ca. 2090 wenn das Kohleloch dann ganz allmählich mal mit Wasser aufgefüllt ist, dann haben wir da Deutschlands zweitgrößten See, in dem wahrscheinlich kein einziges Lebewesen existieren kann und Du sicherlich niemals mehr baden gehen wirst. Die Natur ökologisch aufzuwerten ist glaube ich die Aufgabe der Natur. Das kann die auch ganz gut ohne uns.
    Wir GEBEN der Natur das Land ZURÜCK. Wer sind WIR denn, dass wir es uns einfach so NEHMEN dürfen und damit tun und lassen können was wir wollen? Der Mensch stellt sich als priviligiertes Lebewesen mal wieder an die Spitze der Nahrungskette und nimmt sich jegliches Recht heraus, den Planeten mit Füßen zu treten. Richtig widerlich.

    Liebe und Solidarität!!

  11. Der „Lügen-Detektiv“ wird schon wieder bei seiner Lieblingsbeschäftigung gestellt, und das gleich dreifach: Wenn die Feinstaubbelastung kein Problem wäre dann bräuchte es keinen passiven Staubschutz mit Besprinklerung. Wenn die angedrohte Retortenlandschaft lebensfähig wäre, bräuchte sie keine bezahlten Propagandatrolls „à la Lügenhalde“. Und wenn es tatsächlich darum ginge die Belästigung durch Zigaretten-Emissionen der durch Kraftwerks-Ausstöße menschlich nachvollziehbar gegenüberzustellen, dann bräuchte es dazu keinen fs-vergifteten „Objektivismus“. Der lügende „Detektiv“ wird selbst am Strommarkt als Sperrmüll eingestuft.

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