Interview mit Luna

„Wenn all unsere Strukturen verschwunden sind, […], dann hat der Staat und RWE eine autonome Zellenstruktur, hat absolut unberechenbare Strukturen die von überall agieren, dann geht es eigentlich erst richtig los“

Interview einige Wochen vor der Räumung mit Luna, unter anderem über den Widerstand, Repression, die Gewaltfrage, und die Bedeutung des Kampfes im globalen Kontext:

„es ist ein nichtakzeptabler Zustand , dass Gewinne im globablen Norden über Menschenleben im globalen Süden gestellt werden“

Äußerst sehenswert!

Presseerklärung 13.09.2018

Massenräumung der Hambacher Forst Besetzung, große Solidaritätsproteste

Heute hat der Kampf um den Hambacher Forst einen sich seit langer Zeit ankündigenden Höhepunkt erreicht.

Früh am Morgen hat die Polizei ihre Einsatzkräfte aus ganz Deutschland mobilisiert. und fingen an, mit Räumungspanzern, Wasserwerfern, Kletterpolizist*innen und technischen Einheiten die bisher größte Eskalation vorzubereiten: das Fortfahren der Räumung des Besetzungscamp für Klimagerechtigkeit.

Es war von Anfang an klar (auch weil uns bis dahin Informationen darüber erreicht hatten), dass der Tag den größten Polizeieinsatz in der Geschichte NRWs mit sich bringen würde.

Die Polizei kam von der Secustraße über den Osteingang, bei der Deathtrap/Lollipop Besetzung und musste erst eine Sitzblockade katholischer und evangelischer Pilgerer räumen, bevor sie mit der Räumung der ersten Barrikade beginnen konnten, was einige Stunden dauerte. Nachdem sie die BesetzerInnen der ersten Barrikade (Ein Tripod und ein Monopod) festgenommen hatten und einen protestierenden Menschen gewaltsam angegriffen hatten, konnten sie mit der Räumung der zwei Bäumhäuser am Eingang (Deathtrap und Lollipop) weitermachen. Kurz nach Mittag drang die Polizei in den nördlichsten Teil der Besetzung (genannt “der Norden”) ein. Dort begannen sie Menschen aus Hängematten sowie Baumhäuser zu räumen. Die Räumung wurde den ganzen Tag über fortgesetzt und die Polizei war in allen Teilen des Waldes sehr stark präsent.

Als Protest gegen die Räumung der Waldbesetzung, die gewaltvolle Eskalation der Polizei und die Rodung des Waldes trotz des offiziell verkündeten Rodungsstopps bis zum 14. Oktober, lief eine Demonstration von 1600 Menschen aus dem nahen Dorf Buir Richtung wald. Ein weites Spektrum von Menschen aus der ganzen Region, Kinder genauso wie Senioren zeigten ein starkes Zeichen der Solidarität mit den AktivistInnen des Hambacher Forstes. Als die Demonstration die Mahnwache erreichte, verbot die Polizei der Demonstration weiter zu gehen. Entgegen der Anweisungen der Polizei fuhr die Versammlung fort, sich in Richtung des Wiesencamps zu bewegen und eine Gruppe von ca. Hundert Leuten schaffte es so, durch die Polizeiketten zu brechen und mit Unterstützung der “Aktion Unterholz” in den Wald zu gelangen, um dort die Ausrüstung von Polizei und RWE zu blockieren.

Auch wenn heute die ersten Baumhäuser geräumt und AktivistInnen verhaftet wurden, auch wenn jetzt gerade Teile des einzigartigen Ökosystems dieses Waldes zerstört werden, war die Botschaft dieses Tages so klar und hell wie ein Lagerfeuer in der Nacht: Die Bewegung ist stark, wird immer weiter gegen die Ungerechtigkeit des Staates und den Energieriesen RWE kämpfen und wird sich auf jeden Fall weiter für Klimagerechtigkeit im rheinischen Braunkohlerevier und in ganz Deutschland einsetzen!

Soliaktionen und Demonstrationen

14.September

14:30 Essen, Willy-Brandt-Platz, Mahnwache

14:00 – 16:00, Dresden, Prager Straße: Solidemo HambiBleibt

17:00 – 19:30 Demo von Buir Bahnhof zum Wald

17:00 Hambi Solifest und Konzert in Düren an der Christuskirche hinter dem Stadtcenter

18:00 Kassel, Königsplatz: HambiBleibt Asamblea am Obelisken, Infos, Empörung, Wut und Mut kanalisieren

18:00 Stuttgart, Schlossplatz: Solidemo Hambacher Forst und Kohlausstieg

18:00 Hambi Bleibt! Demo in Frankfurt, Kaisersack, ab 19:00 Mahnwache mit Aktionen am Willy-Brandt-Platz.

18:00 Cottbus, Altmarkt am Brunnen: Mahnwache

15. September

13:00 Köln/Buir Aktion Unterholz (Treffpunkt zur Anreise 13 Uhr Hbf Köln)

14:00 Osnabrück, Theodor-Heuss-Platz: Endcoal Demonstration in Solidarität mit dem Hambacher Forst

15:00 Pödelwitz bei Leipzig, Kirche: Pödelwitz und HambiBleibt Soliaktion

20:00 Backnang bei Stuttgart, Mühlstraße 3, Juze: Solikonzert

16. September

11:30 Hambacher Forst: Wald statt Kohle, Waldspaziergang

12:00 Hambacher Forst: Aktion AufBäumen gegen Kohle

15:00 Freiburg, Platz der alten Synagoge: Demo für den Erhalt des Hambacher Forstes

14:00 Paris Place de la Concorde: Soutein pour le foret d’Hambach Demo

19. September

14:45 Köln, Kinderdemo vor der RWE Verwaltung (14:45h Treffen an der Haltestelle Marsdorf / Stüttgenhof und dann gemeinsam zum RWE Gebäude ziehen)

18:00 Kiel, Asmus-Bremer-Platz

18:00 Uhr Tübingen, Marktplatz, Demo übers Lustnauer Tor zum Epplehaus

Falls eure Veranstaltung hier aufgeführt werden soll, bitte eine Mail an hambacherforst@riseup schreiben.

PRESSEMITTEILUNG 13.09.18

GROSSES POLIZEIAUFGEBOT IM HAMBACHER FORST, BAUMHAUSRÄUMUNGEN.

Dieser Morgen markiert den ersten Tag des wahrscheinlich größten Polizeieinsatzes in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. In den frühen Morgenstunden betrat eine große Menge Polizei den Hambacher Forst. Dies bestätigt die Information, die schon groß durch die deutsche und Internationale Presse ging, dass die gewaltsame Räumung des Hambacher Forstes heute weitergeführt wird.

Hier haben für nun sechs Jahre in Folge Aktivist*innen aus ganz Europa den Wald besetzt, um die Rodung des 12.000 Jahre alten Waldes zu stoppen und die Ausdehnung des größten Braunkohletagebaus Europas im Besitz des Energiegiganten RWE und somit eine der größten Quellen von Treibhausgasen zu blockieren.

Der vorgeschobene Grund für die Räumung wird ein hohes „Brandschutzrisiko“ genannt und das Fehlen von Feuerlöschern. Diese irrwitzige Begründung der Räumung (Feuerlöscher wurden in den letzten Wochen als Gefahrengut beschlagnahmt)  folgt dem absurden „Aufräumen des Waldes“ als Grund für die vorherige Räumung der Bodenstrukturen und der brutalen Staatsgewalt in ihrer selbst ernannten „Gefahrenzone“.

Aufgrund der jetzigen Situation erwarten wir die baldige Räumung von über 50 Baumhäusern. Dies würde die massive Zerstörung von Unterholz und Bäumen bedeuten, um die schwere Maschinerie, die für die Räumung benötigt wird in den Wald zu bringen. Somit würde der Rodungsstopp, welcher bis zum 14. Oktober halten sollte, gebrochen. Dies wäre nicht nur ein Angriff auf das einzigartige Ökosystem des Hambacher Forstes, Nein auch ein Angriff auf den autonomen Lebensraum, welcher dort innerhalb der letzten sechs Jahre geschaffen wurde, und nun mit massiver Gewalt seitens der Polizei geräumt wird. Dies setzt die Repression gegenüber Klimaaktivist*innen, Unterstützer*innen und nationaler sowie internationaler Presse fort.

Der Einsatz hochmilitarisierter Polizeikräfte des Staates NRW gegen die größte Bewegung für Naturschutz und Klima Gerechtigkeit in Deutschland ist das stärkste von vielen Beispielen von Polizeigewalt gegen den legitimen zivilen Protest im Rheinischen Braunkohle Revier.

Verantwortlich für diese Attacke gegen Nonkonformismus und Bürgerrechte ist der Innenminister von NRW Herbert Reul (CDU), welcher seine Machtposition innerhalb des Staates für die Interessen des Energie giganten RWE und die Kohle-Lobby nutzt, was ganz eindeutig die Korruption des Deutschen Frei-Markt Kapitalismus zeigt.

Die Räumung der Besetzung wird vermutlich die längste der deutschen Geschichte, wie sie sich entwickeln wird ist noch unklar, aber vorherige Einsätze der Polizei zeigen ein klares Bild von Polizeigewalt. Die Repression wird aber die Aktivist*innen nicht stoppen, weiter friedliche wie militante, kreative und bunte Aktionen zu starten, welche das volle Spektrum der Bewegung zeigen.

Leila, eine Aktivistin aus dem Hambacher Forst, sagt: „Der Abbau von Braunkohle, und die daraus resultierende Zerstörung der lokalen Landschaft, Natur, und des globalen Umwelt muss aufhören. Nicht morgen, nicht übermorgen, sondern Heute! Ganz egal welche Waffen Ihr auf uns richtet, egal mit wie vielen Einsatzkräften und egal mit welcher „Legitimation“ eurer Regierung, wir werden weiter kämpfen für einen Ausstieg aus Fossilen Energien und der ausbeutenden Ungerechtigkeit des kapitialistischen Systems. RWE hat zwar Geld, aber wir haben die Bewegung! Wir werden nicht aufgeben bis der Wald sicher, der Tagebau geschlossen, und euer Ausbeutersystem abgeschafft ist!
Der Hambacher Forst bleibt, heute und für immer!“

*Einladung zur gemeinsamen Pressekonferenz zur Räumung im Hambacher Forst*

Kerpen-Buir, 13. September 2018. Heute Vormittag beginnt die
Landesregierung mit der Räumung im Hambacher Forst. Begründet wird diese
abrupte Maßnahme mit Brandschutzregelungen, die in den kürzlich zu
baulichen Anlagen umdefinierten Baumhäusern nicht gegeben seien. Landes-
und Bundesregierung wollen sich aus der Verantwortung ziehen. Die
Bauministerin Ina Scharrenbach soll nun die Legitimation für den
RWE-Konzern und die von der Landesregierung befehligte Polizei bringen,
um noch vor der offiziellen Rodungsperiode unwiderrufliche Fakten
schaffen. Damit beginnt heute eine bundesweite Massenmobilisierung.
Tausende Menschen werden sich in den nächsten Tagen mit Demonstrationen,
Sitzblockaden und Waldspaziergängen für den Erhalt des Waldes einsetzen.

 

Die Initiative Buirer für Buir, Aktivist*innen der Besetzung im
Hambacher Forst, Ende Gelände und die Aktion Unterholz laden heute zu
einer gemeinsamen Pressekonferenz ein. Diese findet um 14:30 Uhr im
evangelischen Gemeindehaus, Bahnstraße 42 in 50170 Kerpen-Buir statt.

Die heutigen Räumungsarbeiten sind ein erneuter Höhepunkt der Eskalation
im Konflikt um den Hambacher Forst erneut zu. Die Räumung soll den
Widerstand in und um den Hambacher Forst brechen. Denn der Wald und
seine BewohnerInnen sind in den letzten Jahren zu einem
Kristallisationspunkt für die Umweltbewegung und AktivistInnen und
BürgerInnen vor Ort geworden. Deshalb will Innenminister Reul im Namen
der Landesregierung den Großeinsatz der Polizei nun schnellstmöglich
durchzusetzen.

 

Für heute, den 13. September um 16 Uhr ist eine Demonstration gegen die
Zwangsräumungen und für den Erhalt des Hambacher Forstes angekündigt.
Die Besetzer*innen des Waldes stellen sich darauf ein, die Räumung der
über 60 Baumhäuser über mehrere Wochen zu verhindern. Ende Gelände
kündigt für den 25. – 29. Oktober Blockaden von Kohleinfrastruktur am
Tagebau Hambach an. Ab dem Wochenende wird Aktion Unterholz mit zivilem
Ungehorsam die Zerstörung des Waldes aufhalten.  

 

Zu den heutigen Entwicklungen äußern sich Vertreter*innen des breiten
Protestspektrums wie folgt:

„Die Eskalation des Konfliktes durch RWE stellt für Buir einen tiefen
Einschnitt in unsere Lebensqualität dar. Neben dem Wald und unseren
Nachbarorten verlieren wir auch unseren Frieden. Der Hambacher Wald, für
uns Symbol einer zukunftsorientierten Gesellschaft, droht nun zum
Mahnmal für die Zerstörung unserer Zukunft zu werden. Wir fühlen uns von
den Verantwortlichen in Bund und Land alleine gelassen – vergessen.“, so
Andreas Büttken von der Initiative Buirer für Buir.

 

„Wir verteidigen den Wald gegen RWE und Innenminister Reul. In den
Bäumen kämpfen wir für Klimagerechtigkeit und gegen den Kapitalismus. Es
wird kein Leichtes, uns aus dem Wald zu kriegen.“, sagt Aktivist Momo
von der Waldbesetzung im Hambacher Forst.

 

„RWE überschreitet mit der Räumung eindeutig eine rote Linie für das
Klima. Es ist ein Skandal, dass die Landesregierung hier Konzern-Profite
und nicht das Klima schützt. Wir fordern den Kohleausstieg als
Sofortmaßnahme für globale Klimagerechtigkeit“, sagt Karolina Drzewo,
Pressesprecherin des Bündnisses Ende Gelände.

 

„Die Zerstörung des Hambacher Forsts ist untragbar. Wir werden deshalb
ab diesem Wochenende mit Aktionen massenhaften zivilen Ungehorsams die
Räumungen und Rodungen von Polizei und RWE verhindern. Durch diese
Aktionsform nehmen wir unsere Zukunft selbst in die Hand.“, so Jan Pütz
von der Aktion Unterholz.

 

*Kontakt:*
Für Hintergrundgespräche, Interviews oder bei Fragen stehen wir Ihnen
jederzeit gerne zur Verfügung.

Buirer für Buir: Gerhard Kern, 01733660030, info@nullbuirerfuerbuir.de

Hambacher Forst Waldbesetzung: Momo, 01631425943, press_hambachforest@nullriseup.net

Ende Gelände: Karolina Drzewo, 0152 04560800, presse@nullende-gelaende.org,
ende-gelaende.org

Aktion Unterholz: Jan Pütz, 0177 996957489, presse_unterholz@nullriseup.net,
aktion-unterholz.org

 

Die Pressekonferenz findet um 14:30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus,
Bahnstraße 42 in 50170 Kerpen-Buir, statt.

Der Hambi ist satt – danke!

Hallihallo!

In den letzten Wochen ist – unter anderem angsichts der aktuellen akuten Situation – die Solidarität mit der Waldbesetzung extrem angestiegen! Täglich kommen Menschen zum ersten Mal in den Wald und wollen gerne wissen, wie unterstützt werden kann. Eine der häufigsten Antworten: Bringt gerne Essen, Räumungsessen, frisches Obst, Gemüse.. Gesagt, getan, und so haben wir im Wald gerade wirklich vieeel Essen. Durch die sonnntäglichen Waldspaziergänge bei denen zuletzt über 1000 Menschen im Wald waren, kamen vegane Köstlichkeiten en masse zu uns. Vielen Dank dafür, das nimmt der Besetzung eine große Last ab!

Jetzt sind wir im Moment jedoch mehr auf Sachspenden angewiesen, sonst platzt die Besetzung essenstechnisch aus allen Nähten.Durch die fiesen Polizeikontrollen wird das reinbringen „waldfremder Gegenstände“ wie z.B. Hammer, oder Klettergurte, oder Maiskolben (….) erheblich erschwert. Doch ihr seid bestimmt gewieft genug, um euch was einfallen zu lassen! Eine aktualisierte Liste der benötigten Sachspenden findet ihr hier .

Zudem werden gerade akut filmfähige Handys mit micro sd gesucht, um die Räumung aus eigener Sicht zu dokumentieren.

Also, kommt alle und lasst uns gemeinsam die Räumung und Rodung verhindern!

Demo von Buir zu Hambacher Forst Heute Donnerstag 13th 16Uhr

MIT DER BITTE UM WEITERLEITUNG

Gegen Zwangsräumungen und für den Erhalt des Hambacher Forsts!

Demo von Buir zum Hambacher Forst
HEUTE Donnerstag, 13.09.2018, 16 – 18:30 Uhr
Mit Beschluss der NRW-Bauministerin von Mittwoch, 12.09.2018, sollen
alle Baumhäuser im Hambacher Forst mit sofortiger Wirkung geräumt
werden. Anlässlich dieses unverantwortbaren Großeinsatzes der Polizei,
welcher durch RWE und die Landesregierung von NRW veranlasst wurde,
rufen wir zu einer Demonstration auf um ein deutliches Signal des
Widerstands zu setzen. Wir werden die Räumungen nicht hinnehmen; wir
stehen mit vielen Menschen für den Erhalt des Hambacher Forsts!

Unter dem Vorwand des Brandschutzes hat die NRW Landesregierung nun
scheinbar einen Grund gefunden, die unliebsamen Baumhäuser räumen zu
lassen. So will sie den Weg freimachen für die Profitinteressen von RWE,
die direkt für Umweltzerstörungen und Klimawandel verantworklich sind.
Nach Barrikadenräumungen und der Durchsuchung des Wiesencamps, nach der
Ausrufung eines „gefährlichen Ortes“ und der Schikanierung von
Anwohner*innen ist dies der Höhepunkt der Eskalation.

Während wir einen einmaligen Hitzesommer erlebt haben, Wälder in ganz
Europa brannten und uns die Ausmaße des Klimawandels eindrücklich
gezeigt wurden, soll nun im Rheinland ausgerechnet ein einzigartiger
Wald der klimaschädlichen Braunkohle weichen.

In den letzten Tagen wurde klar, dass eine Rodung des Hambacher Forsts
keine gesellschaftlichen Mehrheiten hat. Die Landesregierung und RWE
ignorieren die lauten Stimmen, die sich dagegen stellen: von Teilen der
Kohlekommission, von ver.di oder der Polizeigewerkschaft, von Kirchen,
von Umwerltschützer*innen und von Bürger*innen.

Gemeinsam werden wir mit Vielen kraftvoll in einem Demonstrationszug zum
Hambacher Forst ziehen und für den Erhalt dieses besonderen Waldes und
für Klimagerechtigkeit protestieren.

Gemeinsam werden wir die Rodungen verhindern und den Hambacher Forst retten!

Startort: Buir Bahnhof
Zeit: 16:00 Treffpunkt, 16:30 Uhr Beginn der Demo
Abschlusskundgebung: ca. 18:30 Uhr

Zuganreisen:
Aachen:
15:18 Uhr Gleis 6 nach Horrem und dort Umstieg in die S19 um 16:01 Uhr
Bonn:
15:02 Uhr Gleis 2 nach Köln Hbf und dort Umstieg in die S19 um 15:40 Uhr
Köln: 15:40 Uhr von Gleis 11
Düsseldorf:
14:58 Uhr Gleis 16 nach Köln Hbf und dort Umstieg in die S19 um 15:40 Uhr

Achtung: An allen Bahnhöfen von Dortmund bis Duisburg gibt´s bereits Polizeikontrollen, die alles beobachten, was sich in Richtung Aachen und Mönchengladbach bewegt! Passt auf euch auf!

Reformen, Repression und Empowerment

Dieser Text enthält -wie jeder andere Beitrag auf dem Hambacher Forst Blog- die Meinung der Person, die ihn geschrieben hat und ist nicht repräsentativ für die ganze Besetzung. Der Kampf um den Hambacher Forst ist eine vielfältige Bewegung, in der unterschiedlichste Meinungen und Ansätze nebeneinander existieren.

*Triggerwarnung: In diesem Text werden Szenen staatlicher Gewalt beschrieben.

Dieser Text ist nicht für die Masse. Die Masse ist träge, bietet keinen Raum für Emanzipation. Die Organisation ist Bewegungsmanager*innen vorbehalten, die auf eine möglichst große Zahl hoffen, die ihren realpolitischen Forderungen hinterherlaufen. Die Motive der Individuen, die verschiedenen Charaktere, gehen in der Masse unter. Die Masse berührt nur die Oberfläche. Sie vermag es nicht in die Tiefe der freiheitsraubenden, autoritären Strukturen vorzudringen. Im Bezug auf die Besetzung des Hambacher Forstes lautet die Forderung der Masse: Kohleausstieg. Bewegungsmanager*innen verbringen ihre Zeit damit, mit den manipulativen, systemtreuen Propagandamedien und den staatlichen Akteuren (Kohlekommission-Verhandlungen) zu reden. Der Kampf gegen Sexismus, der Kampf gegen gesellschaftliche Geschlechtskonstruktionen, der Kampf gegen Autoritäten; die gesamte Komplexität des Kampfes gerät unter die Räder der Reformist*innen. Die ermutigende Gegenwehr der vergangenen Tage gegen die Marionetten von Staat und Konzern verblässt in der Flut an Pressemitteilungen, Tweets und Tickernachrichten. Im Unterschied zur letzten Rodungssaison wird Militanz im Zusammenhang mit dem Hambacher Forst als Mittel weniger infrage gestellt. Das ist eine positive, wenn auch überfällige Entwicklung. Hingegen gefährlich ist die versuchte Vereinnahmung der Militanz für reformistische Ziele. Das geschieht durch die Ignoranz der vielfältigen Motive, die hinter der Militanz stehen. Dieser Text ist für Individuen. Es ist ein Versuch den Mut der Wenigen zu würdigen: „Mollis und Steine, gegen Bullenschweine!“ (slime – wir wollen keine Bullenschweine) Trotz der Überlegenheit der Bullen sowohl bei der Waffenausrüstung als auch in der Anzahl, konnten die Bullen mehrfach von entschlossenen, mutigen Gruppen aus dem Wald verjagt werden. Schöne Ereignisse, die zeigen, dass es möglich ist sich gegen den Staat zu wehren! Für den Staat bleiben zwei Antwortmöglichkeiten: Zugeständnisse und Repression. Im Rahmen der Hambacher Forst-Besetzung folgte zunächst die Repression. Zunächst wurde der ALF-Bus (Teil der Kücheninfrastruktur der Besetzung) beschlagnahmt nachdem die Insassen und die kritischen Beobachter*innen mit Bullenknarren bedroht wurden! In den folgenden Tagen wurde die Bullenpräsenz in und um den Wald herum erhöht. Der Wald wurde zum Gefahrengebiet erklärt. Als ein Bulle vom Stein erwischt wurde (hoffentlich liegt der*die noch im Krankenhaus), zog ein anderer die Waffe und bedrohte die Aktivist*innen damit und rief verzweifelt: „Kommt doch!“ Innerhalb weniger Tage bedrohten Bullen bereits zum zweiten Mal Aktivist*innen mit ihren Waffen. Eine weitere Situation ist bekannt, bei der ein Mensch im Rahmen einer Kontrolle ebenfalls mit einer Waffe bedroht wurde. Wann werden sie abdrücken? Das scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Hinterecker – Kontaktbulle, Manipulator und Spalter – meinte in einem Interview, dass es dasselbe wäre mit einer Pistole zu schießen, wie wenn Menschen mit Zwillen schießen! Keine Repression ohne schwachsinnige Staatspropaganda. Umso wichtiger, ihr nicht auf den Leim zu gehen. Als Zweck der Razzia des Wiesencamps vor dem Hambacher Forst, wurde die Suche nach Molotov Cocktails angegeben. Am Ende wurden viele Werkzeuge, Trinkkanister und Handy‘s mitgenommen und Gebäude teils beschädigt. Ein Durchsuchungsbefehl ist vor allem ein Verwüstungsbefehl und soll zeigen, dass selbst das eigene zu Hause vor dem Staat nicht sicher ist. Im Rahmen der Wiesenrazzia kam noch die Festnahme von einigen Aktivist*innen für einige Stunden in der Gefangenensammelstelle (Gesa) in Aachen hinzu. Generell hat die Anzahl der Menschen, die in den letzten Tagen in die Gesa gesteckt wurden stark zugenommen. Sicherlich auch eine Folge der Gefahrengebiet-Politik. Mal mehr mal weniger werden Menschen auf dem Weg zur Besetzung auf Personalien kontrolliert, durchsucht und vom Staat unerwünschte Gegenstände werden willkürlich beschlagnahmt (z.B. Klettermaterialien, aber leider auch Zwillen). Das Gefahrengebiet dient der Kriminalisierung der Besetzung und wird vor allem für illegalisierte Menschen, Menschen ohne Pass oder Menschen mit offenem Haftbefehl das Risiko erhöhen zur Besetzung zu kommen. Aber auch für alle anderen sind diese alltäglichen Kontrollen entwürdigend. Die Aufzählung dieser repressiven Maßnahmen soll nicht als Jammern à la „Der Staat missachtet unsere demokratischen Rechte, jetzt werden wir sie uns einklagen“ missverstanden werden. Die demokratischen Rechte gibt es eh nur so lange wie sie dem Staat nicht gefährlich werden, damit alle an die schöne heile Welt glauben. Wenn der Staat diese Rechte bricht, hat er bereits etwas von dem demokratischen, bürgerlichen Schein-Dasein eingebüßt. Wo die Fassade bereits angekratzt ist, da gibt es gute Chancen diese Kratzer zu Rissen werden zu lassen. Und genau dann läuft die Repression ins Leere: wenn die Angriffe gegen den Staat weitergehen und sich noch ausweiten. Wenn es um Repression geht, dann darf UP3 (Unbekannte Person) natürlich nicht vergessen werden. Sie wurde im Frühling 2018 willkürlich festgenommen und in Haft erstmal isoliert: keine Zustellung von Briefen und auch keine Genehmigung von Besuchen. Mittlerweile kommen Briefe endlich an. Besuche werden genehmigt, aber nur unter Anwesenheit einer*s teuren Dolmetscher*in. Der Gerichtsprozess fand nach mehr als 4 Monaten Haft unter massiver Polizeipräsenz im und außerhalb des Gerichtsgebäudes in Kerpen statt. Vielleicht hatte der Staat Angst aufgrund stattgefundener Sabotageakte (einmal wurde das Gerichtsgebäude mit Scheiße beschmiert, ein anderes Mal wurde Buttersäure durch den Briefkasten gespritzt). Ziemlich sicher wollten sie so ein Exempel statuieren und Aktivist*innen einschüchtern. Das Urteil am Ende: 9 Monate Haft. UP3 wird also bis Dezember diesen Jahres in Haft sein, also schreibt UP3 auf englisch (unbekannte Person III / Samantha Hattonen, JVA Köln, Rochusstraße 350, 50827 Köln). Und lest ihre offenen Briefe die auf dem ABC Rhineland Blog regelmäßig veröffentlicht werden. Hier ein kleiner Ausschnitt aus einem Brief: Ich kämpfe mit meinem ganzen Ich, ich gebe alles von mir zu den Sachen und Leuten, die ich liebe. Jeder Teil meines Kopfes, meines Herzens und meiner Seele. Ich mache keine halben Sachen, Schätzchen. Kein Funken, meine Liebe ist ein Lauffeuer. Also, wenn, aus welchem Grund auch immer, wir getrennter Wege gehen, weiß ich, dass ich nicht mehr geliebt haben konnte. Ich habe nicht mehr tun können. Ich liebe leidenschaftlich, tief, verrückt, vollumfänglich, rein, mit allem von mir. Und deswegen bin ich für meine Liebe im Gefängnis. (Übersetzung) “I fight with all of me. I give all of me to the things, the people, I love. Every part of my head, my heart and my soul. I don’t half ass my love. Not a spark, my love is a wildfire. So if, for any reason, we go our separate ways, I know I couldn’t have loved more. I couldn’t have done more. I love passionately, madly, deeply, completely, purely, with all of me. And so I am in prison for my love.“ (Zitat aus dem offenen Brief #34 von UP3, gefunden auf abcrhineland.blackblogs.org)

Bisher ist der Staat mit den Kriminalisierungsversuchen des Protest weitestgehend gescheitert. Menschen sind solidarisch mit den Besetzer*innen, bringen Essen oder unterstützen den Widerstand anderweitig. Zudem haben die repressiven Aktionen des Staates den Zusammenhalt innerhalb der Besetzung gestärkt. Es war selten klarer, wer der Feind ist. Geräumte Barrikaden werden wieder aufgebaut und untereinander wird aufeinander geachtet und emotionaler Support geleistet. Allerdings wurden in letzter Zeit auch Kontakte mit Nichtregierungsorganisationen (NGO‘s), Parteien und Kommunisten geknüpft. Diese Zweckbündnisse sind gefährlich. Der Feind meines Feindes macht ihn noch lange nicht zu meinem Freund. Warum sollte ich mit Leuten kämpfen, die mich verraten werden sobald ihre Ziele in greifbare Nähe rücken?

Die Razzia auf der Wiese ging leider auch mit systemimmanenter Kritik und Verhalten einher. So wurden die Cops mit „Wo wart ihr in Chemnitz?“ angebrüllt. Dieser Ausruf implizierte den Wunsch nach mehr staatlicher Präsenz bei den faschistischen Übergriffen, die sich in Chemnitz ereigneten. Die dahinterstehende Haltung lautet: „Wenn der Staat Faschisten kontrolliert ist er cool, er ist nur scheiße, wenn er es bei Antifaschist*innen, Autonome und Anarchist*innen tut. Diese Kritik geht absolut nach hinten los, denn sie legitimiert staatliches Vorgehen, es kritisiert nur die spezielle Art des Vorgehen. Als ob autoritäre Kackscheiße (Faschismus) mit autoritärer Kackscheiße (Staat) bekämpft werden könnte. Es braucht eine selbstorganisierte Gegenwehr, kein #wirsindmehr-Konzert. Aber das ist ein anderes Thema.

Bei der Razzia setzten die Bullen ein Ultimatum fest, innerhalb welchem bestimmte Gebäude zerstört werden sollten, weil sie über die Grundstücksgrenze der Wiese hinausgehen würden. Diesem Ultimatum wurde gehorsam Folge geleistet. Unter dem schwachen Vorwand mensch könnte das als Baumaterial benutzen, wurde die Bullenarbeit abgenommen.

Alles in allem eine sehr komplexe Gesamtlage, die keine einfachen Antworten und/oder schnelle Lösungen zulässt. Die massive Bullenrepression ist sehr nervenaufreibend für alle. Da ist es wichtig ehrlich über Emotionen zu reden, ehrlich über Ängste zu reden und der Wut Raum zu geben. Aber auch der Liebe. Love and rage!

PRESSE MITTEILUNG ZUM 11.09.18

Über mögliche “Sicherheitsstreifen” und einen angeblichen Molotov Angriff

Die Regierung von NRW, nutzt wie es scheint, jeglichen Vorwand, um ihre Zerstörung des 12.000 Jahre alten Hambacher Forstes zu legitimieren.

Uns erreichten Informationen, dass die Polizei, trotz des Rodungsstopps bis zum 14ten Oktober, es in Betracht zieht so genannte „Sicherheitsstreifen“, entlang der L276 auch bekannt als Secu Straße zu roden. Das würde bedeuten, dass die Polizei mehrere Meter breit, das gesamte Unterholz des Waldrandes rodet.

Der Hintergrund ihrer Entscheidung mehrere hunderte Quadratmeter zu roden, ist ein angeblicher Angriff auf Rodungsmaschinen von RWE, mit Steinen und einem „Molotov Cocktail“, am frühen Morgen des 10ten Septembers.

Die Beweislage in Bezug zu diesem angeblichen Angriff ist jedoch fragwürdig.

Ein*e Journalist*in, welche sich an dem sogenannten Tatort befand, erläuterte kurz darauf:

„Auf dem Boden war eine Art Flüssigkeit, aber es waren nirgends Scherben, Flaschen, oder irgendwelche anderen Behälter zu sehen. Normalerweise entfernt die Polizei keine Beweise, wenn sie den Tatort fotografieren, aber es war nichts zu finden.“

Die übertriebene Berichterstattung über diesen vermeintlichen Angriff, welcher nur oberflächliche Schäden an RWE Equipment und keine Personenschäden nach sich zog, ist nicht mehr als eine Ablenkung von den wahren Tätern, nämlich den Energie Riesen RWE, den Staat NRW und seine Prügeltruppe, angeführt von Innenminister Herbert Reul (CDU).

In den vergangenen gewaltvollen Ausschreitungen in und um die Hambacher Forst Besetzung, ist klar, welche Seite Schuld trägt. Bis jetzt hat die Präsenz der Polizei zu mehreren Angriffen auf Aktivist*innen, Unterstützer*innen, und Presse Vertreter*innen (darunter auch der Fahrer einer mobilen Küche welchem mit vorgehaltener Waffe gedroht wurde und einer/einem friedlichen Aktivist*in, welche*r aufgrund eines gebrochenem Arm in ein Krankenhaus verbracht werden musste) geführt.

Verantwortlich, für diese Gewalt, ist der Innenminister von NRW Herbert Reul (CDU), welcher die Waffen des Staates nutzt um die Interessen des Energieriesen RWE sowie der Kohle Lobby zu schützen und dabei die Zivilrechte, des freien Protestes, der Versammlungsfreiheit und der Bewegungsfreiheit angreift.

Alle Angriffe gegen RWE und ihre vom Staat gesponserten Beschützer*innen, entstehen somit im Kontext der Selbstverteidigung, gegen RWEs Zerstörung der Natur, von Lebensräumen, dem Weltklima, sowie dem Brutalen Vorgehen der Polizei gegen den Zivilen Protest beziehungsweise der gesamten Klimagerechtigkeitsbewegung.

Obgleich nicht alle Beteiligten im Kampf um den Erhalt des Waldes und dem unverzüglichen Austritt aus der Kohle, den militanten Taktiken einiger autonomer Aktivist*innen zustimmen, so ist es doch offensichtlich, dass eine große Vielfalt von Widerstandstaktiken von unschätzbarem Wert ist, und nicht nur legitim sondern auch notwendig für den Erhalt des Hambacher Forstes.