Offener Brief an die Polizei

Liebe*r Polizist*in,

Im Hambacher Wald verlieren die Bäume ihre letzten Blätter. Das Licht, der Wind, der jetzt immer beständiger nach Winter schmeckt, streift durch die Kronen.
Ihr redet von Mechanismen, die in Gang gesetzt wurden und jetzt nicht mehr aufzuhalten sind. Das Urteil ist gefallen.
Sonne wird erbarmungslos auf den Boden scheinen, der jahrtausendelang kühl und feucht war, beschützt von einem komplexen, ruhig im Wind tanzenden Blätterdach. Nach dem ihr die Bäume gefällt habt, die Büsche aus dem Boden gerissen habt, beginnt das Sterben unter der Erde. Verworren mit den Wurzeln der uralten Bäume lebt der Boden, leben Pilze, Mikroorganismen, Würmer, die die so selbstständig und stark wirkenden Eichen am Leben gehalten haben. Sie sterben noch bevor der Bagger die Erdschichten zerreißt.
Ich hasse dich nicht, liebe*r Polizist*in, die Du mein Baumhaus räumen wirst. Du tust mir leid. Es tut mir weh. In den meisten Dingen sind wir uns ähnlich. Wir beide lieben den Geruch von frisch aufgebrühtem Kaffee. Den ersten sonnigen Tag im Frühling. Herbstblätter. Woher kommt dieser winzige Unterschied, der macht, dass Du in Uniform die Interessen eines Konzern durchsetzt und diesen Wald zerstörst und ich hier auf einem Baum sitze und mich darauf vorbereite, mich an ihm festzuketten?
Du tust mir dafür leid, dass Du Deine eigene Erde zerstörst. Es würde mir unbeschreiblich weh tun, dies zu tun, nichts dagegen zu machen. Ich verstehe, dass Du kein*e Anarchist*in bist, dass Du vielleicht Freiheit und Solidarität für blauäugige und kitschige Idealvorstellungen hältst, die nicht erreichbar sind. Aber keine Weltanschauung kann rechtfertigen unseren Lebensraum zu zerstören. Deswegen kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass Du das was Du tust mit reinem Gewissen machst. Einem kollektiven Wahnsinn zu folgen und dich selbst als ohnmächtiges Zahnrädchen in einer riesigen Maschinerie zu betrachten, ist schrecklich. Aber es ist keine Ausrede.
Deswegen rufe ich Dich auf, den Einsatz im Hambacher Wald zu verweigern. Noch ist es nicht zu spät, Verantwortung für Dein Handeln zu übernehmen. Noch haben wir gemeinsam eine Chance diese Erde zu retten.
Selbst im Grundgesetz, dessen Rechte und Errungenschaften wir Menschen zu verdanken haben, die sich gegen die herrschende Ordnung stellten und für Gerechtigkeit einstanden, ist Dein Recht verankert, Widerstand zu leisten. Wenn Du Dein Handeln damit rechtfertigst, dass Du eine demokratisch getroffene Entscheidung durchsetzt, dann sei Dir bewusst, dass das Gesetz, auf dem der Braunkohleabbau fußt, seinen Ursprung nicht in der Demokratie hat. Es kommt aus der Nazizeit. Viele Verbrechen an der Menschlichkeit wurden von Menschen begangen, die nur ihren Dienst getan haben.
Verweigere den Einsatz. Mach es für Dich selbst. Dein Gewissen ist nicht käuflich. Die Natur ist nicht bestechlich und ihre Zerstörung können wir nicht rückgängig machen. Du wirst Dein Handeln nicht rückgängig machen können.

Eine Baumbesetzerin

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29 Kommentare

  1. Schöne Worte aber die wird kein Polizist lesen, und wenn.. . dann wird er die schnell vergessen sobald sein Arbeitstag wieder anfängt. Er wird seinen Arbeitsplatz dafür nicht aufs Spiel setzten falls er Familie hat die er ernähren muss.

  2. kritisch*e freund*innen

    Sicherlich lesen auch Polizist*innen hier mit… und sie sind Menschen, also haben sie ein Gewissen. Bei manchen Menschen meldet es sich früher, bei anderen später – die haben dann ein Problem noch unbeschwert glücklich zu sein.

  3. Anja Clusmann-Kötting

    Viele Polizisten sind sicher genauso traurig wie ihr (ich übrigens auch, dass das Verwaltungsgericht Köln so entschieden hat und einem Unternehmen erlaubt den Hambacher Forst zu roden. Es ist vor allem nicht zu verstehen, da die Kohle als Energieträger über kurz oder lang verschwinden wird. Dennoch: Denkt daran, dass Polizisten ihren Job machen müssen. Es wird nicht berücksichtigt, was sie für eine Überzeugung haben, sondern sie wenden geltendes Recht an! Versucht auf Gewalt zu verzichten, damit die Situation nicht eskaliert!

  4. Dieser poetisch anmutende Brief spricht eine Sprache des Friedens – im Einklang mit sich selbst und spricht von der Trauer über Zerstörung und Gewallt, sei es aus Mutwillen oder Unwissenheit, oder ?

    Es geht nicht um „die“ Einzelnen… es geht um ein Zeichen unserer „Wohlstandsgesellschaft“ in Anbetracht des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes bereit zu sein umzudenken, verantwortlich zu handeln, umzustrukturieren – statt an vom Klimawandel betroffene Menschen und Ländern „Ablass“ zu zahlen.

  5. Ihr vergesst dass die Polizisten nur ihren Job machen.
    Wahrscheinlich gibt es unter den Beamten welche, die genau so über den Wald denken wie ihr.
    Trotzdem… alles Sinnlos was da jetzt ins rollen kommt von Seite der „Waldschützer“.
    Dabei wird es in diesem Krieg keine Gewinner, sonder nur Verlierer geben.
    Hab gehört, in Frankreich gibt es noch Atomkraftwerke… geht da hin und legt die still!!!!
    LG ein Naturliebhaber und Realist

    • Gut geschrieben. Geht in die Länder wo Natur zerstört und nicht wieder aufgeforstet wurde. Da wo die Mafia die Wälder illegal rodet. Geht nach Kanada, Brasilien oder Russland.

      • Das verstehe ich nicht ganz Sky. Wir sollen als Umweltschützer*innen um die ganze Welt fliegen, dabei die Umwelt zerstören, obwohl die Natur gerade vor unseren Augen schlimmstens vernichtet wird?
        Der Hambacher Tagebau ist das grösste Kohleloch Europas. RWE ist für über 30% aller CO2-Emissionen von Deutschland zuständig, gleichviel wie der gesamte motorisierte Verkehr im Land und speist nur 12% der Energie ins Netz.
        Es ist jetzt Zeit dieses unglaubliche Verbrechen an der Natur zu stoppen. Hier jetzt und überall auf dem Planeten. Sky kämpfst du auch für eine Zukunft unserer Kinder?

    • Check mal Paragraph 36, sogenannte Beamtenparagraph;)

      • Sorry, die 1.Antwort sollte an Anton sein, was für tolle warme und wunderbare Worte!! Ich bin sooooo dankbar für jede u jeden von euch die den mut haben unser aller leben zu schützen, unsere Luft, unseren Wald!, unseren Planeten!!! Ich sende viel liebe, kraft, Ausdauer, mut, wärme und peacepower! Danke <3

  6. Also mensch sollte anmerken, dass dieser Brief nur die Meinung einer Einzelperson ist.
    Ich sehe das ganze Anders. Nach dem die Bull*innen mich mehrfach verprügelt haben und mich teilweise damit geärgert haben, dass jetzt Bäume fallen spüre ich einfach nurnoch Hass wenn ich die Cops sehe, manchmal auch Angst.

    Gewalt erzeugt Gegengewalt!

    • Mike, Du sagst es: Gewalt erzeugt Gewalt. Lass es, trotz Deiner Erfahrungen. Denke an Ghandi oder Mandela. Haben sie nicht die Welt ein wenig zum Guten gewendet?

    • Lieber Mike,

      Ich kann deinen Hass gegen die Polizei bestens nachvollziehen. Ich kämpfe schon seit 26 Jahren als Aktivist immer wieder an forderster Front für unsere Natur und Menschrechte, sowie gegen Kapitalismus und habe leider auch schon enorme physische Polizeigewalt an meinem eigenen Körper erlebt. Trotzdem habe ich es geschafft fast immer friedlich zu bleiben. Da bin ich heute sehr stolz darauf.

      Wie du selbst geschrieben hast, erzeugt Gewalt Gegengewalt. Auf dieses unreife, kindliche Spiel dürfen wir uns als Umweltaktivist*innen aber nicht einlassen, falls bei uns wirklich der Schutz der Natur oberste Priorität hat und wir von der Bevölkerung ernst genommen werden wollen.

      Die Polizei und vor allem konservative Medien und unsere Gegner*innen warten nur darauf, dass wir uns provozieren lassen und zurückschlagen, damit sie die Umweltaktivist*innen zu „Recht“ als Ökoterroristen bezeichnen können. Viele Medien berichten sehr einseitig und verzerren die Realität. Vor allem in den letzten Wochen haben aber sehr viele Medien positive Berichte über unseren Protest gezeigt. Wir sind angewiesen darauf, dass die Bevölkerung mit uns zusammen einen Bewusstseinschritt vollzieht und mit uns eine friedlichere, respektvollere Welt für alle aufbaut.

      Lasst uns den Medien keinen Anlass geben, negativ über uns zu Berichten und Aktionen strategisch gut durchdenken, ob sie dem Schutz vom Wald auch wirklich dienen. Ich denke das ist und bleibt uns grösster Trumpf.

      Hambi bleibt!

  7. Das ist für mich (subjektiv) ein wunderschöner Brief. Habe jahrelang an mir gearbeitet um Bilder zu vergessen wie zum Beispiel :“eine Bullenwanne fährt voll über die Füße eines am Boden sitzenden Menschen. Oder Helikopter fliegen über einen Demokessel und schießen aus den offenen Türen Tränengasgeschosse in den Kessel…in der Mitte etwa 20 Polizist*innen ohne Gasmasken, drum herum Menschen wie meine Mutter die sie schützen wollen von aufgebrachten Bürgern die der Polizei nichts gutes tun wollten.“ Bilder zu vergessen wie ich eingekesselt werde und Menschen um mich herum zusammen brechen und denen von Seite nicht geholfen wird. Bilder wie; Polizisten einzelne abgreifen zu Boden reissen und auf sie einknüppeln, wehrlose ohne Waffe, blutend, schreiend und weinend. Bilder vergessen wie Wasserwerfer voll mit ihrem Strahl auf Menschen mit Kindern auf ihren Schultern spritzen. Ja das ist ein wunderschöner Brief und ich werde wiederkommen den es geht mir auch um Bilder wie die Freunde; Käfer, Blumen, Schmetterlinge, Bäume und Gräser verschwinden. Als ich ein Kind war und die Strasse vor meiner Haustür (Einöde) immer breiter. Ich hab noch oft die Heimat in der ich aufgewachsen bin besucht, nichts ist geblieben. WIR brauchen sie so sehr die Biodiversität und Genetische Vielfalt…und da kommt RWE und will den Hambacherforst platt machen? Ich komme wieder und hab an mir trainiert manchmal 8 Stunden am Tag.Als kleiner Junge habe ich mir geschworen die zu beschützen und für jene Sprachrohr zu sein die keine Stimme haben. Keine Stimme haben weil ihr sie nicht hören könnt/wollt. Tut ihnen nichts den Bäumen und denen die drauf wohnen. Ich Bitte Euch.
    Mit lieben Gruß

  8. Christoph Allemand

    Vielen lieben Dank für diese beeindruckenden Zeilen. Mit sanfter Sprache decken sie das ganze Dilemma auf, das diese Welt hat. Entscheidungen werden getroffen und gleichzeitig legitimiert nicht auf Grundlagen der Ratio und des Herzens. Nicht zum „Wohlergehen Aller Menschen“ sondern lediglich auf der Grundlage von Shareholders Interessen….
    So sehr mich die Zeilen in ihrer Klarheit ermutigen, so traurig stimmt mich das ganze Thema im Ganzen. Der Wald ist für sich genommen schützenswert, er ist aber auch ein schmerzhafter Fokus unseres kranken, unsinnigen System.
    Danke für diese Zeilen.

  9. Dear Police,

    In the Hambach Forest, the trees lose their last leaves. The light, the wind that now tastes more and more like winter, roams through the crowns.
    You are talking about mechanisms that have been set in motion and are now unstoppable. The verdict has been passed.
    Sun will shine mercilessly on the ground, which has been cool and moist for thousands of years, protected by a complex canopy of leaves dancing calmly in the wind. After you have felled the trees and have torn bushes from the ground, the earth will begin to die under the ground. The soil lives in symbosis with the roots of the ancient trees, living fungi, microorganisms and worms that kept the oak trees alive, which seem so independent and strong. They die before the excavator tears through the layers of earth.
    I don’t hate you, dear police as you destroy my tree house. I pity you. It hurts me. In most things, we’re alike. We both love the smell of freshly brewed coffee. The first sunny day in spring. Autumn leaves. Where does this tiny difference come from, which makes you in uniform desirous to assert the interests of a corporation and destroying this forest while I sit here on a tree and prepare myself to chain myself to it?
    I pity you for destroying your own earth. It would hurt me indescribably to do this, to do nothing against it. I understand that you are not an anarchist, that you may consider freedom and solidarity to be naive and kitschy ideals that are not attainable. But no ideology can justify destroying our own habitat. So I just can’t imagine you doing what you do with a clear conscience. It is terrible to follow such collective insanity and to see yourself as an unconscious cog in a huge machine. But it’s no excuse.
    That’s why I call on you to refuse to take part in the operation in the Hambach Forest. It is not yet too late to take responsibility for your actions. We still have a chance to save the earth together.
    Even in the German Basic Law, whose rights and achievements we owe to people who opposed the ruling order and stood up for justice, your right to resist is anchored in your rights. If you justify your actions by imposing a democratic decision, you should be aware that the law on which lignite mining is based does not originate in democracy. It’s from the Nazi era. Many crimes against humanity have been committed by people who have only done their job.
    Refuse orders. Do it for yourself. Your conscience is not for sale. Nature is not bribable and we cannot reverse its destruction. You will not be able to undo your actions.

    A tree occupier

  10. Schöne Worte, doch die Fehler sind in der Vergangenheit gemacht worden. Dort haben Land und Bund und RWE versagt. Der Abbau der kohle ist vor langer Zeit beschlossen worden. Durch den Atom Ausstieg und fehlender Alternativen zur Energieerzeugung ist die Kohleverstromung weiterhin notwendig. Kleine Anmerkung: wie kann es sein dass Windkraftanlagen in Naturschutzgebieten gebaut werden und diese sind noch nicht einmal mit einer Speicher Technologie ausgestattet, der Ausbau von Wasserkraftanlagen wird boykottiert und verhindert. Doch das alles ist kein Grund für eine Handvoll Menschen gegen Angestellte von RWE und Polizei sowie Bahnanlagen Trafostationen Kabeltrasse und Bagger mit Gewalt vor zu gehen. Menschen werden verletzt und nicht nur körperlich wenn sie ihre Arbeit verrichten. Unverständlich ist hier allerdings auch das Vorgehen der Justiz die nicht konsequent gegen Straftäter die durch die Polizei verhaftet wurden vor zu gehen. Ich wünsche mir ein dabei sein von Richtern und Staatsanwälten in vorderster Reihe bei der derzeitigen Rodung Aktionen denn auch sie sollen einmal ein Gefühl bekommen was ist bedeutet Recht und Gesetz zu vertreten und dabei mit Fäkalien beworfen zu werden und beschimpft zu werden als Handlanger des Konzerns. Meine Vorstellung wäre das Räumen der Wiese sowie das Verlassen des Waldes durch alle Aktivisten friedlich zu organisieren das juristisch nun mal verloren haben. Zieht in ein Land das entweder auf Atomstrom setzt oder noch höre CO2 Ausstoß a und somit Umweltverschmutzungen begehen. Im Angebot wäre China oder die USA.

  11. Das sind ware Worte,und ich bewundere auch.Für so eine Tolle Aktion

  12. „N I E M A N D hat das Recht zu gehorchen“
    (Hannah Arendt)
    „Finde den Mut Dich Deines e i g e n e n Verstandes zu bedienen“
    (E. Kant)

  13. Jeder der das Verheizen von Braunkohle, Steinkohle, Erdgas etc. nicht mag, sollte das mal prüfen hier: co2abgabe.de.

  14. Heute habe ich einen Selbstversuch gewagt. So ein kleiner Aktivist steckt ja in jedem*r drin.
    Jedenfalls bin ich vom Bahnhof Buir kommend direkt hinter der Hambachbahn links auf den Betriebsweg eingebogen, wo mir nach wenigen Gehminuten auch schon ein Polizeifahrzeug entgegenkam, zu meiner Überraschung aber an mir vorbeifuhr.
    Ich ging weiter bis zur Brücke, dann über die Feldwege in Richtung Wiese und überquerte die Landstraße und ging geradeaus weiter, wo mir in dem Feldweg erneut ein Fahrzeug der Polizei (Kastenwagen) entgegenkam, und ebenfalls vorbeifuhr. Ich gelang ans Ende der Startbahn des Morschenicher Flugplatzes. Obwohl ich zur Wiese wollte, entschied ich mich, doch einen Bogen in Richtung Eingang zum Kieswerk zu nehmen. Danach bin ich dann wieder zurück immer am Waldrand vorbei zum Eingangsbereich der Wiese gegangen, wo durchaus auch etwas Betrieb herrschte. Ich gab kurz wenige Kleinigkeiten ab, wechselte nur wenige Worte mit den am nächsten stehenden Anwesenden und ging dann weiter nach Miketown, das ich vorher noch gar nicht kannte. Auf dem Weg dahin trafen sich aus der Distanz meine Blicke und die einer vermummten Aktivistin mit Kletterequipment über der Schulter, ohne dass es daraufhin weder für sie noch für mich eine Änderung in der Gehgeschwindigkeit gegeben hätte.

    Ohne Probleme konnte ich mir auch hier die Barrikaden anschauen und abseits des Weges begutachtete ich die mit Plastik verschlossenen Höhlen der Fledermäuse. Tolle Arbeit, die sich die Fledermausschutzbeauftragten von RWE da machen.
    Miketown sah ich mir auch in aller Ruhe an und rätselte darüber, was wohl die beste Nutzungsmöglichkeit für ein zwischen zwei Baumhäuser gespanntes einzelnes Seil ist. Dann ging es weiter erst am Boden und dann auf dem Erdwall der Tagebaueinfriedung, wobei mir auch hier eine Aktivistin vielleicht mittelgradig irritiert hinterherschaute. Ich freute mich, dass die Schnüre aus der symbolischen Verbindung der Bäume noch da waren. Schließlich begutachtete ich die RWE-Security-Zentrale und die Dixie-Klos. Ich ging hoch zur Landstraße und dann die ursprüngliche Auffahrt zur A 4 herunter, was mangels von Hindernissen für Fußgänger auch problemlos möglich war. Dank fehlender Kennzeichnungen nahm ich die Einladung dankbar an. Zunächst wurde ich selbst mitten auf der ehemaligen Autobahntrasse noch von einem RWE-Fahrzeug ignoriert. Als ich dann aber fast schon auf der anderen Fahrbahnseite angekommen war, kam doch ein SUV angedüst und der (ernst gemeint) freundliche Security-Mitarbeiter ließ die Scheibe herunter und wies mich darauf hin, dass ich das RWE-Betriebsgelände, auf dem ich mich befände, bitte zu verlassen hätte.
    Ich konnte aber noch aushandeln, dass ich mir auf der anderen Straßenseite ein mit einem Smiley verziertes Baumsegment anschauen durfte.
    Da ich lieber den parallel verlaufenden Weg zurück nehmen wollte, kam mir auch da schnell ein Security-Mitarbeiter entgegen, der ebenfalls wollte, dass ich das RWE-Betriebsgelände verlasse. Aber auch hier gab es keine Probleme und ich fühlte mich absolut fair behandelt. Zurück auf der Landstraße hörte ich aus Richtung Death-Trap einen Hund bellen, keine Ahnung, ob vielleicht wegen mir, aber weiter gings zur Kiesgrube weiter abwärts der Landstraße, wo ich einen Aktivisten und eine Aktivistin beobachten konnte und sie mich. Mehr als leicht verdutzt waren aber auch sie nicht. Der Weg zum Eingang der Kiesgrube war nun wirklich stinklangweilig, aber von da an ging ich immer direkt am Zaun der Kiesgrube entlang. Hier war der Ausblick schon eher sehenswert (nachdem ich ausgeblendet hatte, dass hierfür ja auch sicher mal Bäume gefällt worden sind). Schließlich überquerte ich die Landstraße in Richtung Manheim und ging weiter auf dem Betriebsweg der Hambachbahn, wo ich auch die Hambachbahn in Fahrt sehen konnte.
    Nachdem ich den Betriebsweg ganz unbehelligt wieder verlassen hatte, schloss sich mein Rundweg und ich dachte schon bei mir, dass ich wohl heute vielleicht gar keine*n Polizistin*en mehr sprechen würde, obwohl mittlerweile schon mindestens ein Dutzend Mal ein Polizeifahrzeug an mir vorbeigefahren war. Ich begegnete noch ein paar Aktivistis, die die Besetzung Richtung Bahnhof verließen, als dann aber doch ein Polizeiwagen von hinten kommend anhielt, und der Polizist meinte, dass sie mich schon seit dem Morgen sehen würden, und fragte, was ich denn überhaupt machen würde. Ich fragte, ob ich diese Frage beantworten müsste, was aber nicht der Fall war. Ich sagte erst, okay dann lassen wir es auch, schob aber auch noch nach „Im Zweifelsfall Spazieren gehen.“ Mit der Antwort war er einverstanden, sodass es auch hier wieder problemlos weiter für mich ging.
    Eigentlich war ich überhaupt nur gekommen, um am angekündigten Waldspaziergang unter Führung von Aktivist*innen teilzunehmen, da aber auch schon mehr als 3 1/2 Stunden um waren, kehrte ich dann doch wieder um und bin auch immer noch froh, diese Entscheidung getroffen zu haben, sodass, wenn der Irrsinn nicht mehr zu verhindern ist, ich dann doch hundertprozentig sicher sein konnte, als letzte reale Bilder vom Hambacher Wald doch sehr friedliche im Kopf zu haben.

    Ich bin mir sicher, dass ich heute noch stundenlang weiter im Hambacher Forst ohne Probleme mit wem auch immer hätte spazieren gehen können und man mit allen Personen, die heute im Hambacher Forst waren, eine sinnvolle Zukunftslösung hätte finden können. Aber vielleicht schon morgen reagiert die Macht des Gelds und die Macht der Politik im Hambacher Forst, unterstützt vom besten Problemlöser überhaupt, Einsatzhundertschaften ohne den geringsten Handlungsspielraum.

    Besonders schade und überhaupt nicht nachvollziehen kann ich, dass – bei allem Respekt vor dem oder den Richter*innen des Verwaltungsgerichts Köln – doch ein Gericht das letzte Wort für das Schicksal des Hambacher Walds gehabt haben soll, dass sich ansonsten mit Themen wie „Streit um Erteilung einer Baugenehmigung für einen Lebensmitteldiscounter in Hürth-Efferen“, „Einstufung von Meerwasser als Arzneimittel oder als Medizinprodukt“ oder „Klage auf Erteilung einer Sondernutzungserlaubnis für das Aufstellen von 11 Münztelefonen“ beschäftigt.

    Ich denke die Anarchie wird siegen. Abwarten und Tee trinken reicht dazu vollkommen aus.

    PS:
    Gerade heute gab es noch zahlreiche Artikel darüber, dass die Industrie vor einer Rohstoffknappheit warnt und so auch die Elektromobilität niemals auch nur annähernd in dem von unseren Politiker*innen erträumten Ausmaß verwirklicht werden kann. Aber solange man mit Augenwischerei bei den Wähler*innen auf Stimmenfang gehen kann, braucht sich ja auch kein*e Politiker*in Gedanken zu machen.

    • Danke für deine reichlichen Worte und deinen Mut.
      Sehr anschaulich geschrieben.
      Und es war mir als hätte ich ein Stück des Weges mit dir geteilt.

      Träfe nun deine Einschätzung noch ein, dass Die Anarchie siegt wäre Deutschland merklich ein wenig
      Menschlicher geworden.

      Herzlichst
      Erik mit nem A

  15. Hallo Peter,

    Dein Bericht über Deinen Spaziergang im Hambi…Da hast Du Dir ja echt Mühe gegeben. Gefällt mir.
    Das VG Köln hat gegen den Hambi entschieden. Trotzdem war der Kompromissvorschlag des Richters unerwartet aber gut. Wer hätte das gedacht?
    Mit der E-Mobilität gebe ich Dir recht. Wer will Kinderarbeit im Kongo?

    Lieben Gruß
    Janni

  16. die richter haben sicher das grundgesetz der brd artikel 20a nicht verstanden, sonst würden sie die rodungen verhindern.
    gerichtet an rwe , polizei , politiker und gerichtsbarkeit und an alle ausführenden unternehmen „stoppt die vernichtung des hambacher forstes, denn wenn der letzte baum gefällt,kein vogel mehr singt, der letzte fluss vergiftet, werden die menschen begreifen, dass man geld nicht essen kann.

  17. Liebe Baumbesetzerin,
    Du sprichst aus Deinem Herzen.
    Pass auf Dich auf!
    LG

  18. Es gibt keine guten Kompromisse. Die Folgen dieses Urteils sind, daß man vom Recht eigentlich „unantastbare“ Wälder antasten wird und sich dann auf dieses Urteil beruft, um den Wald runtermachen zu dürfen!!! Sehr geehrte Richter uns Staatsanwälte! Vor solchen Urteilen bitte genügend absprechen und nochmal nachdenken und abwägen, ob dies was sie entscheiden auch wirklich wollen und ob sie dies im betreffenden Fall als mit dem Grundgesetz Bsp. Art.20a vereinbar sehen. Wir als Betrachter von außen sehen die Folgen ihrer Rechtssprechung an der Waldgrenze des Tagebau u.a. Hatten Sie wirklich an diese Folgen gedacht??? Was ist ihnen der Begriff Biodiversität wert, ist ihnen dieser Begriff bekannt gewesen, bevor sie so entschieden haben??? Resourcenschonender Umgang, wissen sie was dies überhaupt ist???
    Nachhaltigkeit, kennen Sie diesen Begriff???

  19. Es gibt keine guten Kompromisse. Die Folgen dieses Urteils sind, daß man vom Recht eigentlich „unantastbare“ Wälder antasten wird und sich dann auf dieses Urteil beruft, um den Wald runtermachen zu dürfen!!! Sehr geehrte Richter und Staatsanwälte! Vor solchen Urteilen bitte genügend absprechen und nochmal nachdenken und abwägen, ob dies was sie entscheiden auch wirklich wollen und ob sie dies im betreffenden Fall als mit dem Grundgesetz Bsp. Art.20a vereinbar sehen. Wir als Betrachter von außen sehen die Folgen ihrer Rechtssprechung an der Waldgrenze des Tagebau u.a. Hatten Sie wirklich an diese Folgen gedacht??? Was ist ihnen der Begriff Biodiversität wert, ist ihnen dieser Begriff bekannt gewesen, bevor sie so entschieden haben??? Resourcenschonender Umgang, wissen sie was dies überhaupt ist???
    Nachhaltigkeit, kennen Sie diesen Begriff???

  20. ich bin ein bürger aus buir und bin vor 1994 aus köln zugezogen.
    keiner hat mich damals davor gewarnt hierher zu ziehen.wenn ich bedenke wie rwe systematisch durch ihren Tagebau buir von seinem
    wald amputiert, dann macht mich das sehr traurig.
    es ist eine grosse Gewalttat die gegen unseren wald und gegen
    den ort buir vollzogen wird.
    meine Machtlosigkeit verstärkt dieses gefühl noch mehr.

    ich denke gerne an die zeit zurück wie meine frau und ich mit den kindern mit dem rad nach Elsdorf gefahren sind und Zwischenstopp im biergarten etzweiler rast gemacht haben.oder wir sind zur grillhütte und haben dort Picknick gemacht.der forst ist nicht nur zur Erholung sondern auch eine grüne lunge zum wohle des erdballs und seiner Bevölkerung.
    das alles geht jetzt für immer verloren.
    etzweiler ist auch einer von vielen vernichteten orten,denen manheim und morschenich folgen werden.
    leider bin ich krank und über 70 sonst wäre ich auch bei den
    leuten im Hambacher forst die wenigstens eier in der hose haben und unseren wald verteidigen.danke für euren Einsatz!
    wenn der Umweltwahnsinn weiter geht und die menschen unter den folgen massiv leiden, werdet ihr später mal als einzige die gewarnt und widerstand geleistet haben mit einem orden ausgezeichenet von denen die gegen euch gehandelt haben!!
    schade ist auch das es kaum bürger aus buir gibt die auf die strasse gehen und dagegen protest erheben.
    mir ist auch klar warum, denn die protstler werden sofort in die kriminelle ecke gedrängt.
    in wackersdorf war das anders denn dort waren die Mehrheit ganz normale bürger wie du und ich und haben dieses
    objekt gegen die Menschlichkeit gestoppt.
    mein apell an all die waldvernichter : laßt uns wenigstens den
    rest vom Hambacher forst.

  21. Da gebe ich vollkommen Recht!

    Ich bin aus Morschenich und es tut
    Mir leid hier wegzuziehen. Das Dorf wird immer leerer. Es tut mir leid zuzusehen wie der Wald schwindet und es tut mir leid um die alten Menschen die ihre Heimat aufgeben müssen! Jetzt schaue ich aus dem Fenster und sehe nur ein grosses Loch und Bagger! Keiner von RWE oder unseren Politikern machen sich mal Gedanken oder kommen nicht mal auf die Idee uns Bürger zu fragen; was WIR wollen!

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